Zweiundzwanzig Fahrspuren macht die „Avenue 9 de Julio“ zu der wohl breitesten Straße der Welt, für unser recht kurzfristig geplantes Open Air Konzert wurde sie komplett für den Verkehr gesperrt, wir spielen am Obelisken, direkt im Zentrum von Buenos Aires.
Das Konzert wird im Fernsehen live übertragen, es werden 30.000 Zuschauer vor Ort erwartet.
Die größte Sorge gilt dem Wetter, es ist richtig kalt im Vergleich zu Brasilien, doch schon während der Anspielprobe kommt die Sonne heraus und erwärmt die Luft, die ersten Zuhörer nehmen ihre Plätze ein. Das Open Air Programm wurde das letzte Mal vor 6 Tagen gespielt, die Probe tut gut, auch die Tontechniker brauchen Zeit, um die Klangbalance einzustellen.
Dieser Tag ist anstrengend, Probe um 11:30, Open Air Konzert um 13:00, das Konzert im Teatro Colon um 20:30. Unser Reisearzt Christoph Völker bezeichnet einen solches Arbeitspensum als absoluten Hochleistungssport, 16 verschiedene Musikstücke an einem Tag, das ist mit normalem Orchesteralltag nicht zu vergleichen.
Auch für unsere junge Solistin Mayuko Kamio, die heute insgesamt vier unterschiedliche Werke zu spielen zu spielen hat, ist dieser Tag sehr anstrengend. Bewundernswert, mit welcher Souveränität Sie auch heute wieder musiziert, ihr scheint dies alles nichts auszumachen, wird gefeiert und bejubelt.
Das Publikum auf der Avenue 9 de Julio ist begeistert, schwenkt Transparente mit Zugabe- Wünschen („Berliner Luft“…wohl das Orchester verwechselt?), Musiker müssen nach dem Konzert Autogramme geben, wir werden bis zum fußläufig gelegenen Hotel beklatscht…wunderbar.
Am Abend dann das letzte Konzert der Reise, Tschaikowski als Hauptwerk. Einigen ist schon fast ein wenig wehmütig, obwohl sich alle wieder auf München freuen. Mehta bedankt sich sehr beim Orchester, er bezeichnet gerade die Konzerte in Buenos Aires als Sternstunden, ist glücklich.
Nach einem grandiosen Konzert „Wiener Blut“ und ein „Ungarischer Tanz“ als Zugabe…es ist geschafft…und dann, im Applaus, bittet Zubin Mehta, daß sich das Publikum und das Orchester wieder setzten möge, es wird still…Mehta nimmt unsere Kollegin Theresa Rittahler an die Hand, führt sie zum Dirigenten-Podest und erklärt dem Publikum auf Spanisch, dass sie heute Abend ihr letztes Konzert bei den Münchner Philharmonikern gespielt hat, ab morgen ist sie offiziell im Ruhestand. Kann es einen bewegenderen Abschied als diesen geben, 3000 Menschen im Publikum, ein ganzes Orchester und einer der besten Dirigenten der Welt spenden Applaus für ein reiches und erfülltes Musiker-Leben? Eine wunderbare und ganz große Geste.
24.000 Flugkilometer, 7 Konzerte mit 3 Programmen, viele Stunden Busfahren, noch mehr Stunden des Wartens…eine anstrengende, eine äußerst erfolgreiche Tournee geht zu ende. Auch wenn es von keinem Kritiker, keinem englischsprachigem Musik-Journal offiziell bestätigt wurde, mit einer solchen Leistung gehört man zu den besten Orchestern der Welt. Müde, glücklich und mit Stolz treten wir den langen Rückflug nach München an.







































