Die Münchner Philharmoniker trauern um Maestro Lorin Maazel (6.3.1930-13.7.2014)

Chefdirigent der Münchner Philharmoniker von September 2012 bis Juni 2014


Wir trauern um einen genialen Musiker und außerordentlichen Menschen und sind tief betroffen über seinen plötzlichen Tod. Seine phänomenale Inspiration und große Energie zog er aus der Überzeugung, dass klassische Musik das Leben der Menschen verbessert. In seinem Wirken zeigt sich zugleich seine zutiefst humane Grundhaltung. Sein leidenschaftliches Engagement galt dem Musikernachwuchs, er wird Generationen von Musikern ein Vorbild sein.

Sein Tod ist für uns alle ein schwerer Verlust. Die Münchner Philharmoniker verneigen sich in Dankbarkeit und Verbundenheit vor Maestro Lorin Maazel.

 

Stimmen zum Tod Lorin Maazels


Lorin Maazel

Lorin Maazel, credit: wildundleise.de
Lorin Maazel

Über 50 Jahre war Lorin Maazel einer der meist geschätzten Dirigenten weltweit. Maestro Maazel verstarb am 13. Juli 2014 im Alter von 84 Jahren in Castleton, Virginia.

Zuletzt leitete er als Musikdirektor das Opernhaus in Valencia und war von 2002 bis 2009 Musikdirektor der New York Philhamonic. Außerdem ist er Gründer und Künstlerischer Direktor des viel beachteten Castleton Festivals. Von September 2012 bis Juni 2014 hatte Lorin Maazel die Position des Chefdirigenten der Münchner Philharmoniker inne.

In den letzten Jahren trat Lorin Maazel auch als Komponist mit einem breit gefächerten Werkkatalog hervor. Seine erste Oper, „1984“, nach dem literarischen Meisterwerk von George Orwell, hatte im Mai 2005 seine Uraufführung im Royal Opera House, Covent Garden. Eine Neuproduktion von „1984“ entstand im Mai 2008 an der Mailänder Scala; im gleichen Monat erschien eine DVD der Londoner Inszenierung. Lorin Maazels Werkkatalog umfasst außerdem eine Trilogie von Konzerten, „Music for Cello and Orchestra” (geschrieben für Mstislav Rostropovich), “Music for Flute and Orchestra” (geschrieben für James Galway) und “Music for Violin and Orchestra”; ein symphonisches Werk (“Farewells”), von den Wiener Philharmoniker in Autrag gegeben und 2000 uraufgeführt, sowie zahlreiche Vertonungen von narrativen Texten,darunter zwei Geschichten für Kinder “The Giving Tree” und “The Empty Pot”.

1930 als Amerikaner in Paris geboren, erhielt Lorin Maazel Violinunterricht im Alter von fünf, Unterweisungen im Dirigieren bei Vladimir Bakaleinikoff im Alter von sieben Jahren; sein erster öffentlicher Auftritt folgte als Achtjähriger. Zwischen dem 9. und dem 15. Lebensjahr stand er am Pult aller großen amerikanischen Orchester und folgte einer Einladung Toscaninis zum NBC Symphony Orchestra. Mit 17 ging er an die University of Pittsburgh um Sprachen, Mathematik und Philosophie zu studieren. 1951 ermöglichte es ihm ein Fulbright Stipendium, sein Studium in Italien fortzusetzen. Zwei Jahre später gab er sein Europa-Debüt als Dirigent, als er für einen erkrankten Kollegen am Massimo Bellini Theater im italienischen Catania einsprang. Er etablierte sich schnell als einer der wichtigsten Orchesterleiter, erhielt Einladungen nach Bayreuth 1960 (als erster amerikanische Dirigent), zum Boston Symphony 1961 und zu den Salzburger Festspielen 1963.

Seitdem stand Lorin Maazel am Pult von über 150 verschiedenen Orchestern in nicht weniger als 5000 Konzert- und Opernaufführungen. Er leitete über 300 Einspielungen, darunter Gesamtaufnahmen der Orchesterwerke von Beethoven, Brahms, Debussy, Mahler, Schubert, Tschaikowsky, Rachmaninow und Richard Strauss und wurde dafür mit zehn Grands Prix du Disques ausgezeichnet.

1965 wurde Lorin Maazel künstlerischer Leiter und Chefdirigent der Deutschen Oper Berlin. Es folgten Positionen als Musikdirektor des Cleveland Orchestra (1972–1982) und Direktor der Wiener Staatsoper (1982–1984), Musikdirektor des Pittsburgh Symphony Orchestra (1988–1996) und Chefdirigent des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks (1993–2002). 60 Jahre nach seinem Debüt beim New York Philharmonic Orchestra wurde Lorin Maazel im September 2002 als Nachfolger von Kurt Masur zum neuen Musikdirektor dieses Orchesters berufen. Lorin Maazel ist Ehrenmitglied des Israel Philharmonic Orchestra sowie der Wiener Philharmoniker, deren Neujahrskonzert er elfmal leitete, und erhielt die Hans von Bülow-Medaille der Berliner Philharmoniker.

Neben seinen zahlreichen Aufführungsverpflichtungen nahm sich Lorin Maazel die Zeit, um aufstrebende Künstler zu fördern und seine Erfahrungen mit der jüngeren Generation von Musikern zu teilen. Im Jahr 2000 rief er einen internationalen Dirigentenwettbewerb ins Leben, dessen Finalrunde zwei Jahre später in der Carnegie Hall stattfand, und war seitdem aktiver Mentor der Wettbewerbsfinalisten. Mit Hilfe der Châteauville Foundation gründete er ein neues Festival und Ausbildungsprogramm für junge Künstler in Castleton / Virginia, bei dem aufstrebende Sänger, Instrumentalisten und Dirigenten in einer gemeinschaftlichen Umgebung zusammenarbeiten und dabei von erfahrenen Künstlern und Mentoren unterstützt werden.

Mit ebenfalls großem Engagement setzte sich Lorin Maazel für ökologische und humanitäre Projekte ein und unterstützt Wohltätigkeitsorganisationen wie die UNESCO, den World Wide Fund of Nature, das Rote Kreuz und das UNHCR.