Der Komponist Richard Strauss ist eine der facettenreichsten Musikerpersönlichkeiten des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Während sich sein Frühwerk in den überlieferten klassischen Formen und Gattungen übt, entwickelt Strauss in seiner mittleren Schaffensphase - in der Auseinandersetzung mit Liszts Sinfonischen Dichtungen und den ästhetischen Positionen der "Neudeutschen" - eine avancierte, ja avantgardistische Musiksprache, bei der gängige Gattungen und Formen mehr und mehr zugunsten jeweils individueller Konzeptionen in den Hintergrund treten. Dies wird deutlich in seinen Sinfonischen Dichtungen "Don Juan", "Tod und Verklärung", "Also sprach Zarathustra" oder "Ein Heldenleben", bei denen er in freier Assoziation die literarische Vorlage mit dem für ihn typischen Klangfarbenreichtum umsetzt. Auf dem Gebiet der Oper führte Strauss mit "Salome" und "Elektra" Wagners Technik der leitmotivischen Verflechtung höchst expressiv zu ihrem Höhe- und Endpunkt. Im Spätwerk weicht Strauss’ kühner Avantgardismus einem gepflegt-artistischen Konservatismus. Diese Rückwendung zur Tradition wurde Strauss von Vertretern einer fortschrittsorientierten Musikästhetik als Verrat an den eigenen Ideen ausgelegt.
geboren 11.06.1864 in München
gestorben 08.09.1949 in Garmisch-Partenkirchen