Die Pläne in der Saison 2021/22

1.900 Sitze, eine hochmoderne Holzmodulbauweise, ein Team aus internationalen Stararchitekten und ein Akustikkonzept des weltberühmten Klangexperten Yasuhisa Toyota – mit der Isarphilharmonie bieten der Gasteig und die Stadt München Kulturbegeisterten ab Herbst 2021 einen außergewöhnlichen neuen Konzertsaal, der sich mühelos in die Liste der großen internationalen Konzerthäuser einreiht.

Die erste Spielzeit der Münchner Philharmoniker in der Isarphilharmonie ist geprägt von Aufbruchsstimmung, Vorfreude und Abenteuerlust. Das Programm der ersten Saison füllt das neue kulturelle Zentrum Münchens mit allen Facetten des Repertoires, frischen musikalischen Akzenten und internationalen Klassikstars. Höhepunkte bilden u. a. drei Festivals, ein die Spielzeit durchziehender „Fokus: Tanz“, ein sinfonisches Schaffensportrait des Komponisten Richard Strauss sowie ein Festivalmonat Januar mit drei Welturaufführungen.

MPHIL Festivals
Die Münchner Philharmoniker erweitern ihr Festivalangebot und wollen damit neue Zugangspunkte für ein vielfältiges und neugieriges Publikum schaffen. Über ausgewählte Wochenenden in der Spielzeit wird das Programm konzentriert: Musikangebote für Familien und jüngeres Publikum tagsüber, große Sinfoniekonzerte am Abend mit anschließenden Live-Acts bis in die Nacht.

Den Anfang macht Chefdirigent Valery Gergiev zur Eröffnung der Isarphilharmonie im Oktober: Zum ersten Mal überhaupt wird Starpianist Daniil Trifonov alle fünf Beethoven Klavierkonzerte in einem Zyklus präsentieren. Daneben setzt Valery Gergiev den Startschuss für den „Fokus: Tanz“ mit Werken von Ravel und Strawinsky, sowie für das Strauss-Portrait mit dem Heldenleben. Neben zwei Meisterwerken der jüngeren Vergangenheit von Henri Dutilleux und Olga Neuwirth lenken außerdem zwei Weltpremieren von Thierry Escaich und Rodion Shchedrin den Blick nach vorn.

Beim zweiten Festival im Februar 2022 fokussieren sich die Münchner Philharmoniker auf die Aufbruchsstimmung der 1920er Jahre. Die 100 Jahre alte Halle E liefert dafür die ideale Kulisse und Anknüpfungspunkte. Mit dem als Grenzgänger zwischen Jazz und Klassik bekannten Wayne Marshall erarbeiten die Münchner Philharmonikern ein spannungsvolles Programm zwischen Jazz, Tanzmusik und Sinfonik. Am Abend verwandelt sich dann die Halle E in das Moka Efti Münchens.

Im Juni 2022 gestaltet Krzysztof Urbanski ein Festivalwochenende um Stanley Kubricks Filmklassiker „2001: Space Odyssey“ und nimmt das Publikum mit auf eine Reise tief in unseren Kosmos. Zu den aus Kubricks Film bekannten Klängen von Ligeti und Strauss gesellt sich das sphärische Violinkonzert „Concentric Paths“ von Thomas Adès mit dem Geiger Augustin Hadelich. Für Filmmusik-Enthusiast*innen ist außerdem ein Mitmach-Konzert geplant, sowie weitere Rahmenveranstaltungen, die die spannende Beziehung zwischen Musik, Astronomie und Film beleuchten.

Im Fokus: Tanz
Die Vorfreude auf die erste Spielzeit am neuen Ort drückt sich besonders deutlich im „Fokus: Tanz“ aus. Die Münchner Philharmoniker setzen eine ganze Reihe mitreißender Ballett- und Tanzmusiken aufs Programm. Energie, Dynamik, Bewegung – all das assoziiert das Orchester mit dem Umzug nach Sendling. Über die Werke von Strawinsky, Piazzolla, Kodaly, Ravel, Milhaud, Künneke und Bernstein wird sich diese Haltung in gleich sechs Programmen der Spielzeit unmittelbar musikalisch auf das Publikum übertragen. Dass die Halle E – sobald die pandemische Lage es erlaubt – nach den Konzerten auch zur Tanzfläche werden kann, versteht sich dabei von selbst.

Richard Strauss: Ein Münchner Klangportrait
Richard Strauss hat neben Anton Bruckner und Gustav Mahler einen festen Platz im Kernrepertoire der Münchner Philharmoniker. Der unverwechselbare Orchesterklang, für den „die Münchner“ auf internationalen Reisen gefeiert werden, ist durch diese Werke mitgeprägt worden. Um diesen Klang Dank der neuen Spitzenakustik von Yasuhisa Toyota in voller Pracht erleben zu können, haben die Münchner Philharmoniker einen Großteil der sinfonischen Werke von Richard Strauss in der Spielzeit 2021/22 aufs Programm gesetzt. Dirigiert werden diese von Valery Gergiev, Zubin Mehta, Tugan Sokhiev, Krzystzof Urbanski, Barbara Hannigan und Francois-Xavier Roth. Die Vier Letzten Lieder singt Camilla Nylund, die zum ersten Mal beim Orchester zu Gast ist. Die lange Orchestertradition soll auch in den nächsten Spielzeiten mit besonderen Programmakzenten hervorgehoben werden.

Acht Uraufführungen, ein Festivalmonat „Neo“ und Meisterwerke der Moderne
In der Saison 2021/22 sind insgesamt acht Ur- und Erstaufführungen bei den Münchner Philharmonikern geplant, sowie einige der bedeutenden Meisterwerke der Nachkriegsmoderne. Musikalische Neugier und Offenheit wollen die Münchner Philharmoniker im Januar 2022 mit dem Festivalmonat „Neo“ zum Ausdruck bringen, der in drei aufeinanderfolgenden Wochen neue Werke von Fazıl Say (*1970), Julian Anderson (*1967) und Lera Auerbach (*1973) in München präsentiert. In den einzelnen Programmen treffen diese Uraufführungen auf zum Teil sehr bekannte Spätwerke des Repertoires, die jedoch zur Entstehungszeit kühn, innovativ oder gar revolutionär waren, wie etwa Antonín Dvořáks 9. Sinfonie, Schuberts „Unvollendete“ oder Sibelius‘ 7. Sinfonie. Weitere Ur- bzw. Erstaufführungen in der Spielzeit sind von Claudia Montero (*1962-2021), Anders Hillborg (*1954), Thierry Escaich (*1965) und Rodion Shchedrin (*1932) geplant. Neben der neuen und neuesten Musik stehen außerdem Meisterwerke der Nachkriegsmodere auf dem Programm, wie etwa Henri Dutilleuxs Métaboles, György Ligetis Atmospheres, Francis Poulencs La voix humaine oder Olivier Messiaens monumentale Turangalila-Sinfonie.

Bekannte Solist*innen und frischer Wind in Sendling
Nicht nur die Münchner Philharmoniker freuen sich auf das Musizieren in der Isarphilharmonie, auch viele langjährige Freund*innen des Orchesters sind der Einladung zur ersten Sendlinger Saison gefolgt. Gern gesehene Gäste wie die Geigerin Lisa Batiashvili oder die Pianisten Yefim Bronfman, Rudolf Buchbinder und Jean-Yves Thibaudet freuen sich auf die größere Nähe zum Publikum im neuen Saal. Die Brüder Renaud und Gautier Capuçon werden jeweils ein für sie geschriebenes Konzert aus der Taufe heben. Frischen Wind und neue Akzente versprechen Solist*innen wie Ksenija Sidorova (Akkordeon) oder Jess Gillam (Saxophon), sowie die Debütantinnen am Pult Giedrė Šlekytė und Simone Menezes. Erstmals werden auch Carolin Widmann und Nicolas Altstaedt mit den Münchner Philharmonikern musizieren, daneben gibt es ein Wiedersehen mit Isabelle Faust.

Höhepunkte der Chorsinfonik
Auch der Philharmonische Chor München zieht mit nach Sendling um. Neben der traditionellen 9. Sinfonie Beethovens zu Silvester kann sich das Publikum in der ersten Saison gleich auf mehrere chorsinfonische Höhepunkte freuen. Philippe Herreweghe gibt seinen Einstand beim Orchester mit Wolfgang Amadeus Mozarts Requiem und einem erstklassigen Solist*innenensemble. In der Karwoche 2022 dirigiert Paavo Järvi das Deutsche Requiem von Johannes Brahms (Solisten: Mari Eriksmoen und Matthias Goerne). Die von den Münchner Philharmonikern 2018 in Dresden uraufgeführte und dort bejubelte „Buddha-Passion“ von Tan Dun erlebt die nachgeholte Münchner Premiere schließlich im Mai 2022.

Neues Familienmusical zum Gruseln
An den über 10 Jahre anhaltenden Erfolg von „Ristorante Allegro“ wollen die Münchner Philharmoniker nun mit einer Neuproduktion anknüpfen. In Kooperation mit dem Münchner Volkstheater wird im Mai 2022 das Familienmusical „Senta und die verfluchte Partitur“ Premiere feiern. Das Orchester spielt dabei nicht nur die Musik, sondern wird auch eine aktivere szenische Rolle einnehmen. Die Geschichte wurde von Spielfeld Klassik, der Education Abteilung der Münchner Philharmoniker, entwickelt. Die Musik schreibt der u.a. durch die Kinderbuchreihe „Ritter Rost“ bekannte Komponist Felix Janosa.

Ausgewogenes Programmangebot für alle Interessen
Mit der Eröffnung der Isarphilharmonie setzen die Münchner Philharmoniker noch stärker auf eine breite Programmvielfalt, die für alle Musikinteressierten passende Angebote macht. In der Spielzeit 2021/22 gibt es hinsichtlich der Entstehungszeit der programmierten Werke einen ausgewogenen Mix: Etwa ein Drittel des Programms widmet sich der Musik vor 1900, hauptsächlich dem romantischen Repertoire mit vereinzelten Ausflügen in die Klassik und den Barock. Ein weiteres Drittel beleuchtet die Musik zwischen 1900 und 1950. 31% der programmierten Werke sind erst zwischen 1950 und 2021 entstanden. Und fast jedes fünfte Werk im Programm beleuchtet die Musik unserer Zeit aus den letzten zwei Jahrzehnten bis heute.