Die Plakate der Münchner Philharmoniker in der Saison 2015/16

 

TITELGESTALTUNG
»Mit Hilfe von Maus, Grafiktablett und Scanner entstehen am Computer malerische Bilder. Die Symphonie von Schostakowitsch hat mich zu einer mystischen Pflanzenwelt inspiriert. Man muss, wie in einem Dschungel, den Weg durch die verschiedenen Stimmen finden. Die Fauna ragt den Melodien gleich verschachtelt empor, ohne dass man weiß, was einen als nächstes erwartet. Dieses Sinnbild steht für Schostakowitschs Stück, wobei die Farbenpracht die Vielfalt der Instrumente widerspiegelt. Bei genauem Hinsehen haben sich dort märchenhafte Lindwürmer versteckt. Wer sich die kleinen Drachen gut einprägt, kann sie mit geschlossenen Augen zur Musik in der Luft tanzen sehen.« (Johann Büsen, 2016)

DER KÜNSTLER
Johann Büsen, 1984 in Paderborn geboren, studierte 2005–2010 an der Hochschule für Künste in Bremen und lebt seit drei Jahren als freischaffender Künstler in München. 2010 erhielt er den Paula Modersohn-Becker Nachwuchs-Kunstpreis der Kunsthalle Worpswede. Seit 2003 hat er an diversen Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland teilgenommen.


TITELGESTALTUNG
»Das vier Sätze, anstelle der sonst üblichen drei Sätze, umfassende 2. Klavierkonzert von Brahms
stellt inhaltlich keine fest umrissene Programmmusik dar, wodurch die Idee entstand, die Bandbreite der Emotionen des Zuhörers auf ein in vier Quadranten aufgeteiltes Gesicht zu übertragen. Den großen Gestus der Brahms’schen Musik habe ich auf ein expressives Minimum reduziert, sodass man genauer hinsehen muss, um die feinen emotionalen Unterschiede zwischen den einzelnen Feldern wahrzunehmen. Die Farben der Klaviatur Schwarz und Weiß stellen das verbindende Element zwischen ihnen her.« (Sonja Herpich, 2016)

DIE KÜNSTLERIN
Sonja Herpich, 1979 geboren in Höchstädt a. d. Donau, ist seit 2007 als freischaffende Fotografin tätig. Seit 2011 gehört sie dem Fototeam des Magazins MUH an. Bekannt wurde sie 2012 durch ihr Fotoprojekt »half kitchen«, für das sie sich als Wiesn-Bedienung vor und nach dem Dienst täglich porträtiert hat. Im selben Jahr erhielt die Wahlmünchnerin eine Auszeichnung bei den begehrten Lead Awards.


TITELGESTALTUNG
»Robert Schumann genoss nach seinem Umzug nach Düsseldorf die rheinische Fröhlichkeit. Die dritte Symphonie ist von dieser euphorischen Stimmung geprägt – genauso wie vom Eindruck, den der Kölner Dom auf ihn gemacht hat. Im Plakatmotiv wird die sogenannte ›Rheinische‹ deshalb als Fluss dargestellt, der Düsseldorf und Köln über verspielte Umwege miteinander verbindet.« (Gemeinschaftsarbeit – Heye GmbH, 2016)


TITELGESTALTUNG
»Wenige Jahre vor seinem Tod, scheint Mahler diesen bereits zu spüren. So erzählt ›Das Lied von der Erde‹ vom Vorbeiziehen seines Lebens. Eingestreute Ansätze von sanften Melodien wirken bestenfalls noch wie Illusionen, die im Verborgenen bereits von einem Schwelbrand angefressen werden. Mahler führt uns durch chaotisch wirkende Strukturen, um uns diese am Ende als höhere Komplexität und als Schönheit begreifen zu lassen. Dieses Zusammenspiel von sanften Illusionen und schönem Zerfall stelle ich in meinem Bild dar.« (Frederik Eckenheim, 2016)

DER KÜNSTLER
Vor vier Jahren ist Frederik Eckenheim nach München gezogen. Zeitgleich hat er mit der Malerei begonnen. Als Inspiration dienen ihm vorwiegend Portraits von Werbeplakaten aus dem Münchener Stadtbild. Mit Säure ätzt er diese Gesichter in Stahlplatten. Durch die dabei entstehenden Korrosionen führt er uns den Gegensatz von Realität und Medienwelt vor Augen.


TITELGESTALTUNG
»Durch die Musik von Alban Berg wird Liebe greifbar. Ich spüre den langen Weg zur erfüllten Zweisamkeit mit seiner späteren Frau, die Explosion des Liebesglücks und die Erschöpfung danach. Der Zyklus gleicht für mich der Spannung und Energie von zwei menschlichen Zellen, die einander suchen, um sich zu vereinen und neues Lebens zu schaffen. Energie, die ebenso fließt, wenn sich Stecker und Steckdose finden.« (Pavel Sinev, 2016)

DER KÜNSTLER
Pavel Sinev kam aus Bulgarien nach München um seinen Stil an der Kunstakademie weiterzuentwickeln. Hier haben sich für ihn viele Wege gekreuzt. Der Liebe wegen blieb er. In seiner Kunst thematisiert er seine Wünsche und Träume, die er durch Zeichnungen auf Linien reduziert. Später ersetzt er diese Linien durch handelsübliche Elektrokabel und Kabelbinder. So werden seine Zeichnungen zu greifbaren Skulpturen. www.flachware.de/pavel-sinev


TITELGESTALTUNG
»Das Thema der Reise steht im Vordergrund meiner Arbeiten: Menschen unterwegs, im Zug, in der Straßenbahn, in der Fähre oder im Taxi, in Übergangssituationen einer Reise, die Leben heißt.
Mein Motiv zeigt einen überdimensionalen Rettungsring auf einer Fähre nach Italien – das Land, das mit seiner Architektur und Kunstschätzen schon zu Mendelssohns Zeiten als ›klassisches‹ Kulturland galt. Der Rettungsring hat eine immer gleichbleibende Form und ist Symbol für Reisen, das bereichernd und gefährlich zugleich sein kann. Auch den jungen Felix Mendelssohn führte eine Bildungsreise von 1830 bis 1832 nach Italien, von dort brachte er die Partituren für seine ›Italienische‹ Symphonie mit.« (Judith Bokodi, 2016)

DIE KÜNSTLERIN
Judith Bokodi, geboren 1969 in Budapest, übersiedelte 1980 nach München. Nach einer Ausbildung an der Deutschen Meisterschule für Mode arbeitete sie zunächst viele Jahre als Designerin für die Bekleidungsindustrie. Sie studierte später Kunstpädagogik und Kunstgeschichte an der LMU in München, wo sie als Malerin und Kunstpädagogin lebt und arbeitet. www.judith-bokodi.com


TITELGESTALTUNG
»›Sie ward geschaffen Unheil anzustiften, zu locken, zu verführen, zu vergiften…‹ Lulu ist Opfer und Täter zugleich. Eine Femme Fatale, die mit ihren Reizen die Männerwelt verführt und sich und ihr Umfeld ins Verderben treibt. In der abstrakten, dreidimensionalen Visualisierung des Stücks ist Lulu Zentrum des Geschehens – symbolisiert durch das rote Logoelement, das sowohl als Zeichen der Gefahr als auch als Objekt der Begierde und Liebe zu verstehen ist. Lulu zieht alle Blicke und Gefahren ihrer dunklen Umwelt, welche ihr schlussendlich zum tödlichen Verhängnis werden, auf sich.« (Amadeus Weineck, Junior Art Director – Heye GmbH, 2015)


TITELGESTALTUNG
»›Was inspiriert uns mehr als das Lebensgefühl der Freiheit und neue Impressionen einer Reise?‹ Angeregt durch seine Reise nach Schottland schrieb der junge Mendelssohn die Anfänge seiner 3. Symphonie mit der Faszination für das Land, seinen grünen Weiten und für das Schloss in Edinburgh, in welchem sich prägende Momente im Leben Maria Stuarts ereignet hatten. Erst 13 Jahre später war die Symphonie vollendet und wurde schließlich 1842 im Leipziger Gewandhaus uraufgeführt. All diese Ereignisse, Gefühle und Momente sind skizzenhaft auf dem Plakat vereint.« (Isabella Kretzdorn, 2016)

DIE KÜNSTLERIN
Seit ihrem Studium der Graphik, Malerei und Zeichnung an der Freien Kunstwerkstatt München lebt Isabella Kretzdorn, geboren 1985, als freischaffende Künstlerin in München und ist mit ihren vielfach ausgezeichneten Werken bei Ausstellungen im In- und Ausland vertreten.
www.isabellakretzdorn.com


TITELGESTALTUNG
»Ein Hochhausblock irgendwo in der Ukraine, der früheren Sowjetrepublik – und Geburtsort von Prokofjew. Aus dem Originalbild wurden Teile herausgenommen und neu arrangiert. Dabei wurden die einzelnen Flächen unterschiedlich groß dargestellt, um die Vielfalt der Wechsel in Prokofjews Werk zu verdeutlichen. Der graue Häuserblock steht dabei für die schwere, archaische Seite der Symphonie, während der warme, hellere Kern den Wechsel vom Groben ins tänzerisch Leichte, fast schon Romantische visualisiert. Ab dem zweiten Satz ist dieser Kontrast im Stück besonders zu hören.« (Simon Koy, 2016)

DER KÜNSTLER
Der 1979 in München geborene Fotograf Simon Koy studierte von 2002 bis 2007 Fotodesign an der FH. Seit seinem Diplomabschluss (»new china amusement«) arbeitet er für diverse deutsche und internationale Magazine und Agenturen – oft auch im Ausland. Dennoch kehrt er immer wieder gerne in seine Heimatstadt München zurück.


TITELGESTALTUNG
»Ölflecken, Bremsspuren, Sackgassen, durchgedrehte Reifen, Richtungspfeile kreuz und quer, ein heruntergefallener Kaffee. Ein Tagebuch, aufgeschrieben auf den Betonboden eines Parkdecks, welches von der Irrfahrt Anton Bruckners 3. Symphonie erzählt. In 17 Jahren wurden diverse Fassungen verworfen. Unzählige Überarbeitungen und Richtungswechsel brachte er zu Papier. 1890 feierte Bruckner mit der Uraufführung seiner so genannten ›Wagner-Symphonie‹ einen triumphalen Erfolg.« (Fröschl+Kramer, 2016)

DIE KÜNSTLER
Das bayerische Duo Fröschl+Kramer lebt und arbeitet im Graggenauviertel in München. Sie erarbeiten ihre Entwürfe unter Verwendung von traditionellen Techniken wie z.B. Tusche, Siebdruck oder analoger Photographie. Ihre weiß-blauen Herzen schlagen für Brezn, Spezi und die Wiesn. www.annettmariefroeschl.de


TITELGESTALTUNG
Hinter dem Plakat verbirgt sich ein beinahe 4 qm großes Gemälde, das die Synästhetikerin Lea Jade zu Mozarts Requiem malte. Die Künstlerin sieht Farben, wenn sie Klänge hört und setzt diese in ihren Klangbildern um. Mozart erscheint dabei nicht nur in Farbe. Bei genauerer Betrachtung tritt auch sein Gesicht in abstrahierter Form in Erscheinung - gebündelt im Logo der Münchner Philharmoniker! So entsteht eine zweifache Würdigung Mozarts: seiner Person und seines Werks! »Für mich als Synästhetikerin ist das Projekt mit den Münchner Philharmonikern bisher eines der schönsten Synergien!« (Lea Jade, 2016)

DIE KÜNSTLERIN
Die 1982 geborene Malerin, Komponistin und Synästhetikerin Lea Jade lebt als freischaffende Künstlerin in München. Dort studierte sie auch Musikwissenschaften und Kunst. Nicht nur ein Austausch zwischen den Künsten war bisher ihr Anliegen, sondern auch zwischen Künstlern. Daher gründete sie 2012 das Atelierhaus »engl« in München, in dem sie auch arbeitet.


TITELGESTALTUNG

 

»In der Musik spricht man von einer ›Variation‹, wenn ein sich wiederholendes Thema melodisch, harmonisch, rhythmisch oder dynamisch verändert wird. Genau wie in Elgars Stück ›Enigma Variations‹ zeigt dieses Plakat ein Element (die grafische Darstellung des Werkes), welches in seiner Form zwar gleich bleibt, sich aber in Farbe und Position ständig verändert.« (Christian Wandschneider, Junior Art Director – Heye GmbH, 2015)


TITELGESTALTUNG

»Ein Synästhetiker würde beim Hören von Bruckners Symphonie Nr. 2 vermutlich ein Meer von Farben sehen, das von einer ruhigen, schillernden See bis zur tosenden Brandung reicht; ein gigantisches Spektrum für Menschen, die Musik mit mehrfach gekoppelten Sinnen wahrnehmen. Eine Verbindung zu meiner Arbeit empfinde ich in den Passagen, in denen diese Vielschichtigkeit auf eine Grundstimmung reduziert wird, Bildhaftes spielerisch in die Abstraktion wechselt und die Palette aus wenigen, aufeinander abgestimmten Tönen besteht. Das romantische Klanggerüst und die aufkeimende Modernität in einzelnen Sätzen haben mich dazu angeregt die schematische Darstellung des Werkes in mein Bild zu integrieren, als wäre sie eine partielle Röntgenaufnahme des Bildgeschehens.« (Helmut Geier, 2015)

DER KÜNSTLER

Helmut Geier – 1966 geboren in Meran, Italien. 1985–91 Studium der Malerei und Grafik an der Akademie der Bildenden Künste in München. Lebt und arbeitet als freischaffender Künstler in München. Werke in öffentlichen Sammlungen in München: Städtische Galerie im Lenbachhaus, Artothek, Münchener Rückversicherung, Telekom und Sammlung Osram.


TITELGESTALTUNG
»Ludwig van Beethoven war ein Stadtmensch. Als Naturliebhaber suchte er trotzdem jede Möglichkeit der Stadt Wien zu entfliehen. In der Zeit von 1807/1808 lies er sich von der ländlichen Umgebung inspirieren und schrieb seine sechste Symphonie (›Pastorale‹). Darin hielt er seine Eindrücke vom Landleben fest. Im Motiv wird diese Flucht durch die heruntergerissenen Fassaden der Stadt dargestellt. Dahinter kommt ein Herbarium zum Vorschein, welches die Schönheit der Natur zeigt.« (Stephan Hofmann, Junior Art Director – Heye GmbH, 2015)


TITELGESTALTUNG
»Das Fließende im Pinselduktus, Innen und Außen, Distanz und Nähe, der Blick aus einem Fenster in eine ersehnte Landschaft sind Themen meiner Arbeiten. In dem Motiv umschlingt die blaue Schlaufe den in der Ferne angedeuteten ›paesaggio‹, wie die Windung eines Flusses. Smetanas ›Moldau‹ birgt in sich Mythen, Landschaft und Geschichte seines Heimatlandes, die hier durch Gegensätze – hell und dunkel, nah und fern, abstrakt und gegenständlich – malerisch interpretiert sind.« (Mojé Assefjah, 2015)

DIE KÜNSTLERIN
Mojé Assefjah, 1970 geboren in Teheran, siedelte 1986 nach München um. Studium der Malerei an der Akademie der Bildenden Künste München. 1999 erhielt sie einen Förderpreis für Malerei sowie ein Jahresstipendium des DAAD in Rom. 2013 arbeitete sie im Rahmen des ISCP in New York. Ihre Werke befinden sich unter anderem in den Sammlungen des Lenbachhauses, der Pinakothek der Moderne und der Graphischen Sammlung. In München/Beirut vertritt sie Galerie Tanit.


TITELGESTALTUNG
»Dvoráks Stück handelt von einem Wassermann, der ein Mädchen in die Tiefen der See entführt und sie schwängert. Das Mädchen bittet den Meeresbewohner, ihre Mutter besuchen zu dürfen, muss jedoch dafür ihr eigenes Kind als Pfand bei ihm lassen. Als sie nicht zurückkehrt, tötet der Wassermann das Kind und legt es vor die Haustüre der Mutter. Die Brutalität und der grausame Mord spiegeln sich wieder in dem toten Stück Schweinehaut, das ich für das Plakat tätowiert habe. Zu sehen ist der vereinsamte und grausame Wassermann.« (Miriam Frank, 2016)

DIE KÜNSTLERIN
Miriam Frank wurde 1985 in München geboren und ist damit ein echtes Münchner Kindl. Auch wenn sie immer wieder die Stadt verlässt und zum Gasttätowieren unterwegs ist, zieht es sie regelmäßig zurück in die Heimat – zu Freunden und Familie, den Bergen und die Stadt. Anlaufstelle ist auch stets das eigene Tattoo-Atelier »Farbenpracht« in München.


TITELGESTALTUNG
»Mit Stift und Pinsel wild gezogene, sich überschneidende Kreise und Spiralen, Röschen aus Tüll und geheimnisvolle, schwarze Gebilde nehmen das Format ein. Dieses Bild ist eine abstrakte Umsetzung der Szenerie, die Ravel seiner Partitur voranstellt: ›Flüchtig lassen sich durch schwebende Nebelschleier hindurch walzertanzende Paare erkennen. Nach und nach lösen sich die Schleier auf: man erblickt einen riesigen Saal mit zahllosen im Kreise wirbelnden Menschen. (...) Plötzlich erstrahlen die Kronleuchter in hellem Glanz. (...)‹ Am Ende verliert sich das Stück in einem Ausbruch von Gewalt und Chaos.« (Maria Fischer, 2015)

DIE KÜNSTLERIN
Maria Fischer ist Illustratorin, Designerin und Art-Directorin. In ihren Arbeiten vereint sie konzeptionelle und intuitive Herangehensweisen. Sie lebt und arbeitet in München.
www.maria-fischer.com


TITELGESTALTUNG
»Berlioz gliedert seine ›Symphonie Fantastique‹ von 1830 wie ein klassisches Drama in fünf Sätzen. Diese Struktur findet sich auch in meinem Motiv wieder. Ich erzähle die Geschichte des verliebten Musikers, indem ich sie vertikal gliedere. Dabei intensiviert sich die Farbe passend zur Geschichte und gipfelt schließlich in einer höllischen Orgie.« (Heiko Krause, 2016)

DER KÜNSTLER
Der Münchner Heiko Krause arbeitet seit seinem Abschluss an der Akademie U5 2007 als freier Grafiker, Gestalter und Illustrator. Gemeinsam mit Michael Heinz Fischer ist er »110 specialblack« und stellt seine Arbeiten, Spielzeuge und T-Shirts bei verschiedenen Messen in Zürich, Berlin und München aus.


TITELGESTALTUNG
»Das Horn ist ein tolles Instrument. Klar und schlicht in seiner Form, ist es in seiner Funktion als Kommunikationsinstrument für die Jagd sehr praktisch. Hier nun eingebettet in ein reich besetztes Orchester verleihen die Hörner dem 1. Brandenburgischen Konzert etwas Uriges, was mir äußerst gut gefällt. Ihre Rufe poltern anfänglich ins Konzert hinein und finden erst nach und nach zu einem harmonischen Zusammenspiel mit den anderen Instrumenten. Auf Grund der zentralen Rolle in diesem Stück und meiner Sympathie dafür habe ich als Motiv für den Titelentwurf ein Horn gewählt.« (Julia Patschorke, 2015)

DIE KÜNSTLERIN
Julia Patschorke, in München geboren und aufgewachsen, hat an der FH Augsburg Kommunikationsdesign studiert. Nach ihrem Abschluss 2005 kehrte sie nach München zurück und arbeitet dort seitdem freiberuflich als Grafikerin und Illustratorin.


TITELGESTALTUNG
»In Beethovens 9. Symphonie heißt es: ›Seid umschlungen, Millionen! Diesen Kuss der ganzen Welt!‹ Das ist moderne Demokratie. Nichts anderes. Die Idee von Freiheit. Und Freiheit bedeutet eben auch anders, speziell oder provokant sein zu dürfen. Gegen Konventionen und Regeln – genau wie der Titelentwurf. Zugegeben extrem, aber ist die ›Neunte‹ leise ?« (Haman Alimardani, 2015)

DER KÜNSTLER
Haman Alimardani (Modelabel »haman sutra«) wurde 1977 in Teheran, Iran, geboren. Er wuchs in New York und München auf und lebte längere Zeit in Hamburg und London. Seit 2003 hält er Vorträge an Designschulen wie der Parsons School of Design in New York. Er war Dozent an der Miami Ad School in Brooklyn und unterrichtet momentan an der AMD Akademie Mode & Design in München. Haman Alimardani arbeitet und lebt in München und New York.

Privileg Kunstfreiheit? Ein Kommentar von EVA HUTTENLAUCH


TITELGESTALTUNG
»Sergej Rachmaninows drittes Klavierkonzert: Was will es uns sagen? Ist es ein Volkslied ? Ist es die Nachbildung eines altrussischen liturgischen Gesangs? So rätselten Musikwissenschaftler, bis Sergej Rachmaninow etwas verärgert antwortete: ›Ich wollte die Melodie auf dem Klavier singen, wie ein Sänger es täte. Das ist alles!‹ In meinem Motiv nehme ich Rachmaninows Zitat wörtlich und lasse das dritte Klavierkonzert singen, wie ein Sänger es täte: mit Klaviaturzähnen im weit aufgerissenen Mund.«
(Tamara Napowanez, Junior Art Director – Heye GmbH, 2015)


TITELGESTALTUNG
»Das Plakat zeigt den Moment in den Wochen vor der Uraufführung von ›Siegfried-Idyll‹, in dem Cosima Wagner unsicher und traurig scheint, weil sie Richard Wagners heimliche Arbeit an dem Stück nicht deuten konnte. Auch sonst ist bekannt, dass Richard Wagner kein einfacher Mensch war und bis heute für Kontroversen sorgt. Deshalb wurde das Plakatmotiv auch mehr melancholisch als fröhlich gestaltet, da die Ehe mit ihm sicher keine leichte war.« (Sebastian Lechner, 2015)

DER KÜNSTLER
Sebastian Lechner (*1979) lebt und arbeitet in München. Sein Werk vereint, dass sich seine Arbeiten mit der Medienlandschaft und den von ihr generierten Bildern auseinandersetzen. Der rohe Stil der Gewaltszenarien und düsteren Bildstimmungen ist geprägt von frühen Splatterfilmen der 80er Jahre, Comics und nicht zuletzt auch von seiner Herkunft: Sebastian Lechner stammt aus einem Metzgereibetrieb.


TITELGESTALTUNG
»Im ersten Aufzug der »Walküre« sucht Siegmund ausgerechnet im Hause seines Verfolgers Schutz. Völlig erschöpft und rastlos findet er keine Ruhe, um sich zu erholen, als Hunding seine Herkunft erkennt. Diese Hektik und das ständige Vorantreiben spiegelt sich auch in einer permanent hell erleuchteten Wolkenkratzer-Stadt der heutigen Zeit wieder. Ein Ort, welcher dem Einzelnen keinen Schutz bieten kann. Voller Unruhe und Rastlosigkeit – genau wie in Wagners Vorspiel.« (Falko Herold, 2015)

DER KÜNSTLER
Falko Herold wuchs in München auf und studierte später Bühnenbild an der Wiener Akademie der Bildenden Künste. Die Zusammenarbeit mit Johannes Schaaf und Hermann Schneider führte ihn dann an renommierte Häuser weltweit. Für David Bösch gestaltete er die Ausstattung für verschiedene Inszenierungen am Theater in Basel, an der Opéra de Lyon und am Bayerischen Staatsschauspiel. Außerdem entwarf er Kostüme für die Bayerische Staatsoper.


TITELGESTALTUNG
Andreas Achmann beschäftigt sich mit der Umsetzung des Metaphysischen in der Fotografie. So auch im Motiv zu Beethovens 5. Klavierkonzert. »Es führt uns aus der Dunkelheit durch Lichtbrechung in die Helligkeit – von Krieg zu Frieden, von Leid zu Erlösung. Geprägt von den welthistorischen Ereignissen – Napoleon steht vor den Toren Wiens – beginnt Beethovens Konzert mit einem ersten sehr mächtigen
Satz, der den Krieg widerhallen lässt, und endet im dritten Satz in einem elegant tänzerischen Finale um das große Thema Freiheit.« (Andreas Achmann, 2015)

DER KÜNSTLER
Andreas Achmann, geboren 1969 in München, ausgebildeter Fotograf, widmet sich der »Still-life photography« und ist künstlerisch sowie im Auftrag von internationalen Magazinen und Werbekunden tätig. Seine Werke sind von seinem Interesse an abstrakter und konzeptueller Fotografie geprägt. Zudem setzen sie sich mit dem Thema von »den Ursprüngen und der Entwicklung von Kultur« auseinander. www.andreas-achmann.com


TITELGESTALTUNG

»Wir können Musik nicht nur hören, wir fühlen und erleben sie mit all unseren Sinnen. Der Körper reagiert auf Musik – zum Beispiel mit Gänsehaut oder Herzklopfen. Sie ist also auch Ausdruck physischen und emotionalen Empfindens. Das Logo, welches Tschaikowskijs Violinkonzert symbolisiert, öffnet den Blick ins Innere. Indem die Melodie durch die Körperbahnen fließt und die Synapsen einen Dialog mit der Musik Tschaikowskijs einzugehen scheinen, öffnen wir uns der Musik.« (Franziska Seitz, 2015)

DIE KÜNSTLERIN

Ein Schwerpunkt der künstlerischen Arbeit von Franziska Seitz ist die Darstellung menschlicher Anatomie. Sie spielt mit deren Motiven, öffnet Körper, entblößt Innereien oder bedient sich anatomischer Darstellungsformen. Dabei interessiert sie besonders die emotionale Wirkung offenliegender Organe oder Körperteile, die gleichsam für das Leben stehen und doch von den meisten Menschen mit Tod und der eigenen Vergänglichkeit assoziiert werden. www.flachware.de/franziska-seitz


Titelgestaltung
»Inspiriert durch den bühnenartigen Ort, eine ehemalige Laderampe am Leuchtenberg Ring in München, die für das Werk »Rienzi« gewählt wurde, entwarfen wir ein Bühnenbild im öffentlichen Raum. Zentrales Element ist die abstrahierte Klangwelle. Im Hintergrund der Reichsapfel als Symbol der Macht. Die Auflehnung des Volkes gegen die Herrschenden, wird durch wilde Zeichen des Wiederstandes im unteren Bildbereich symbolisiert.« (Graphism, 2015)

Die Künstler

Graphism ist ein Kollektiv aus München. Das Team verbindet Leidenschaft mit Experimentierfreude. Die Ursprünge liegen im Graffiti. Mittlerweile dient die Sprühdose als Werkzeug zur Umsetzung der großflächigen Werke im öffentlichen Raum.


TITELGESTALTUNG
»1904 heißt es in einem Brief von Gustav Mahler, die ›Sechste‹ würde ›Rätsel aufgeben, an die sich nur eine Generation heranwagen darf, die meine ersten fünf in sich aufgenommen und verdaut hat‹. Und genau so rätselhaft ist auch die bildliche Darstellung des Stückes. Was genau verbirgt sich hinter der weißen Wand? Vor welches Rätsel stellt der Künstler den Zuschauer? Und wie ist eigentlich sein Name? Es wird wohl alles ein Rätsel bleiben. Tragisch, oder?« (Der Verfasser des Titelmotives zur 6. Symphonie von Gustav Mahler möchte anonym bleiben.)«


TITELGESTALTUNG
»Im Zentrum steht das Logo, die Theaterbühne. Wie ein Trauerkranz umkreist die Bühne komplexes Geflecht, viel Streit, Ablehnung und Umwege. Die Farbe Schwarz dominiert als Symbol für die düstere Zeit der Stalin-Ära und das viele Leid, Zensur und die Duplizität der Todestage. Das Lurex®, glänzende Elemente im Kern des Objekts, soll die Genialität der Musik andeuten, die zu Prokofjews Zeit noch nicht erkannt wurde. Die filigran abstehenden Arme bringen tänzerische Bewegung in das Textilobjekt.« (Robert Kis, 2015)

DER KÜNSTLER
Robert Kis ist freischaffender Textilkünstler und präsentiert seine Textilobjekte, Kostümskulpturen und Weichplastiken in Ausstellungen und Bühnenprojekten. Die filigran genähten und befüllten Objekte, pendeln zwischen Wandschmuck, bespielbarem Liegeobjekt und Tragbarkeit am Körper. Beim berühren der Textilskulpturen ist eine intensive Wahrnehmung möglich und löst die Distanz zwischen Betrachter und Kunstobjekt auf. www.robertkis.de


TITELGESTALTUNG
»Die bildliche Darstellung von Bruckners 4. Symphonie stammt quasi vom Komponisten selbst. Denn er war es, der einst dem oberösterreichischen Kleriker Bernhard Deubler den 1. Satz seines Werkes wie
folgt erklärte: ›Mittelalterliche Stadt – Morgendämmerung – von den Stadttürmen ertönen Morgenweckrufe. Die Tore öffnen sich. Auf stolzen Rossen sprengen die Ritter hinaus ins Freie. Der Zauber des Waldes umfängt sie. Waldesrauschen, Vogelgesang...‹« (Johannes Rodach, 2015)

DER KÜNSTLER
Johannes Rodach ist seit 15 Jahren als Fotograf in der internationalen Mode-, Beauty- und Werbebranche unterwegs. Seine Arbeit umfasst dabei jeden kreativen Aspekt – von der Konzeptentwicklung über das Casting, die Produktion und die Bildbearbeitung bis hin zur finalen Reinzeichnung. Seine Arbeiten wurden im Münchner Haus der Kunst oder der Galerie Viaux in Hamburg ausgestellt. Unterstützt wurde er von Grafiker Z.


TITELGESTALTUNG
„Musik in ein Bild umzusetzen ist, glaube ich, unmöglich. Zu stark spielt hier die Zeit gegen den Moment. Was in der Fotografie der Augenblick ist, wird in der Musik nur Baustein der Entwicklung.
Also habe ich mein Hören in einen Moment verwandelt. Denn der Moment ist am ehrlichsten, wenn er keine Planung hat. Im unmittelbaren Augenblick kann Zeit überwunden sein und Ewigkeit werden. Unfassbar schön, wie Mahler das nutzt und in der 'Auferstehung' die Zeit zur Ewigkeit spannt.“ (Hubertus Hamm, 2015)

DER KÜNSTLER
Hubertus Hamm wurde 1950 in Werdohl/Westfalen geboren. Seit 1975 arbeitet er in seinem Atelier
in München. Hamm arbeitete viel in der Werbung, aber zugleich auch als Künstler. Ausgangspunkt ist sein Verständnis, Bilder als Objekte zu verstehen, also dreidimensional, nicht als Ablichtung, sondern als fassbare Eigenständigkeiten, als Welt(en)verbindung. Immer wieder hat er so die Grenzen von Werbung und Kunst überschreiten können. www.hubertushamm.de