Passacaglia op. 1

Wenn man bedenkt, wie hoch Arnold Schönberg handwerkliches Können und altmeisterliche Gediegenheit in der Beherrschung überlieferter Formen einstufte und wie sehr er deshalb das retrospektive Komponieren eines Johannes Brahms bewunderte, dann wird man dem jungen Anton Webern Klugheit bei der Auswahl seiner "Examenskomposition" attestieren. Unüberhörbar ist in dieser "Passacaglia" ein spätromantischer, an Brahms angenäherter Duktus, und das Passacaglia-Finale von Brahms´ e-Moll-Sinfonie drängt sich als Modell förmlich auf. Spekulationen, mit dieser frühen Passacaglia habe Webern sein späteres Reihen-Komponieren bereits vorweggenommen, erwiesen sich jedoch als abwegig und konstruiert. Die Faszination dieser wohl eher zu Max Regers Satzkunst als zur 12-Ton-Technik aufblickenden Komposition besteht in der Verbindung eines hochexpressiven Ausdrucksgestus mit einem rigorosen motivischen Konstruktionsprinzip.