Konzert für Violine und Orchester D-Dur

»Ich bin kein Freund der üblichen klassischen Violinkonzerte – auch nicht der von Mozart, Beethoven, Mendelssohn oder Brahms«, bekannte Strawinsky einmal. Dass er selbst ein Werk dieser traditionsbehafteten Gattung beisteuerte, ist Paul Hindemith zu verdanken, der ihn zur Komposition eines Violinkonzerts geradezu drängte. Er hielt Strawinsky mit seiner nur oberflächlichen Kenntnis der Geige für äußerst geeignet, um neue Möglichkeiten auszuloten, zu probieren und zu experimentieren. Herausgekommen ist ein ganz besonders eigenwilliger, heiterer Beitrag zur Gattung Violinkonzert, der Strawinskys Bestreben verdeutlicht, alte Formen in neuem Licht darzustellen.

Nicht nur die einzelnen Satztitel verweisen auf Strawinskys Auseinandersetzung mit der Barockmusik. Auch die Form des Concerto grosso mit einer herausgelösten Concertino-Gruppe oder die kunstvolle Fugentechnik, wie etwa im letzten Satz, wenn der Konzertmeister zum Duo- und Imitationspartner des Solisten wird, fanden Eingang in Strawinskys Violinkonzert. Ungewöhnlich ist auch, dass jeder der vier Sätze mit einem viertönigen Akkord des Solisten anhebt. Auf eine Solokadenz verzichtete Strawinsky und erklärte dies lapidar damit, dass er eben kein Interesse an Geigenvirtuosität habe. Die Uraufführung des Konzerts am 23. Oktober 1931 hat heute den Status eines historischen Medienereignisses: Es war eine der ersten Live-Übertragungen der Berliner Reichsrundfunkgesellschaft.