"Metamorphosen", Suite für 23 Solostreicher

Im Herbst 1944 erhielt Richard Strauss vom Schweizer Mäzen und Leiter des »Collegium Musicum Zürich« Paul Sacher einen Kompositionsauftrag für ein etwa halbstündiges Werk für Streicher. Über die erste Skizze notierte Strauss: »Trauer über München«. Die Bombardierung seiner Heimatstadt, allen voran die Zerstörung des Münchner Nationaltheaters im Oktober 1943, hatten bei dem betagten Meister große Bestürzung ausgelöst. Auch seine anderen Wirkungsstätten sollten bald in Trümmern liegen. »Ich bin in verzweifelter Stimmung!« – schrieb Strauss im Frühjahr 1945 an seinen Librettisten Joseph Gregor – »Das Goethehaus, der Welt größtes Heiligtum, zerstört! Mein schönes Dresden, Weimar, München: alles dahin!« Nur wenige Tage später begann er die Partiturreinschrift der »Metamorphosen« – in einer Zeit extremster seelischer Anspannung und Trauer.

Nüchtern bezeichnete Strauss sein neues Werk, das sein letztes großes Orchesterwerk werden sollte, als »Studie«. Doch die »Metamorphosen« sind weitaus mehr als das: ein ergreifender Klagegesang von 23 solistisch musizierenden Streichern. In einer in sich verschlungenen Kette von Variationen verändert und verwandelt Strauss das motivische Material, dessen Ursprung erst am Ende erkennbar wird: In den letzten Takten erklingt in den Kontrabässen – mit »In Memoriam!« überschrieben – das Trauermarschthema aus Beethovens »Eroica«.