Trio für Horn, Violine und Klavier Es-Dur op. 40

Das Horntrio entstand im Mai 1865 in Liechtental bei Baden-Baden, wo Brahms damals seine Sommerferien verbrachte. Es ist, noch stärker als das im darauf folgenden Jahr skizzierte »Deutsche Requiem«, Trauerarbeit, mit der Brahms den Tod seiner Mutter zu bewältigen suchte. Das Waldhorn, das er im Elternhaus gespielt hatte, wurde zum Symbol für die eigene Vergangenheit und die Vergänglichkeit des Glücks. Der Kopfsatz ist ein Dialog zwischen einer aus lauter Hornrufen zusammengesetzten ruhigen Melodie und einem fast ausschließlich aus Seufzermotiven entwickelten Abschnitt. Dieser Kopfsatz ist einzigartig in Brahms’ Schaffen – die Stimmung, die er beschwört, ließe sich am ehesten mit der halb idyllischen, halb dämonischen Waldeinsamkeit Eichendorffs vergleichen. Geradezu ruppig kommt das ungewöhnlich lange, harmonisch und rhythmisch unruhige Scherzo daher, während das Trio mit seiner volksliedartigen Melodie die Atmosphäre von Trauer und Verlust vermittelt. Das »Adagio mesto« in der ungewöhnlichen Tonart es-Moll ist der emotionale Mittelpunkt des Werkes und Ausdruck tiefster Verlassenheit. Es sind vor allem drei Elemente, die diesen Satz beherrschen: ein Klaviervorspiel, eine seufzerartige kurze Melodie und deren Umkehrung, die sehr viel freundlicher klingt und zuerst in der Hornstimme zu hören ist. Das Hauptthema des Finales ist ganz in der Sphäre romantischer Jagdmusik gehalten – zum ersten Mal im gesamten Werk erscheint das Horn nun als genuin »romantisches« Instrument in seiner typischen Klanglichkeit und Motivik. In der Coda werden alle harmonischen Komplikationen in charakteristische Signalmotive aufgelöst.