"Don Juan" op. 20 Tondichtung für großes Orchester (nach Nikolaus Lenaus dramatischem Gedicht)

Ausgerechnet in einem Kloster flogen Richard Strauss die ersten Ideen für seine Tondichtung »Don Juan« zu, dabei verkörpert sein Titelheld genau das Gegenteil von klösterlicher Tugendhaftigkeit. Die Figur des berühmtesten Frauenhelden aller Zeiten hat eine erstaunliche musikalische Karriere gemacht. Mozarts »Don Giovanni« ist die berühmteste Oper über diesen Stoff; davor und danach gibt es noch zahlreiche andere. Auch Richard Strauss plante zunächst eine Don Juan-Oper, hat sie aber nie geschrieben. Zu seiner Tondichtung, die den 24-jährigen Strauss schlagartig berühmt machte, hat ihn das Gedicht-Fragment »Don Juan« von Nikolaus Lenau inspiriert. Ausgewählte Verse daraus stellte er seiner Partitur voran, die aber weniger eine konkrete Handlung umreißen, sondern vielmehr den stürmischen Charakter des Frauenhelden beschreiben, der stets nach einem neuen Liebes-Abenteuer, nach einem neuen »Kick« sucht: »Hinaus und fort nach immer neuen Siegen, / Solang der Jugend Feuerpulse fliegen!«, heißt es in Lenaus Gedicht.

Gleich nach den ersten, stürmisch auffahrenden Takten wird der draufgängerische Don Juan mit einem stolzen, angriffslustigen Thema vorgestellt, ein Thema, das durch seine Punktierungen und der aufwärts strebenden Melodie markant und einprägsam ist – es wird mehrfach wiederkehren. Verschiedene lyrisch-schwärmerische Episoden beschreiben Don Juans Werben um die Zuneigung einer Frau, den Erfolg seiner Verführungskunst und die anschließende Ermattung, bevor das nächste (Liebes-) Abenteuer in Angriff genommen wird. Am eindringlichsten ist dabei eine innige Oboenmelodie, die aber von einem heldenhaften, klanggewaltigen Thema in den Hörnern, Don Juans Sieges-Thema, abgelöst wird. Am Ende schlägt die Stimmung plötzlich um. Von fahlen, leeren Klängen begleitet stirbt Don Juan.