"Don Juan" op. 20 Tondichtung für großes Orchester (nach Nikolaus Lenaus dramatischem Gedicht)

Komponiert im Jahr 1888, ist "Don Juan" op. 20 Richard Strauss' dritte Sinfonische Tondichtung, die auf einem Sujet basiert. Als Motto hat Strauss dieser Komposition drei Absätze aus Nikolaus Lenaus 1844 entstandenem "dramatischen Gedicht" "Don Juan" vorangestellt. In dem Gedicht geht es um die männliche Verlaufskurve erotischer Eroberungsambitionen: von anfänglicher Unersättlichkeit ("Den Zauberkreis, den unermeßlich weiten,/Von vielfach reizend schönen Weiblichkeiten/Möchte ich durchziehn im Sturme des Genusses") über den steten Wechsel ("Hinaus und fort nach immer neuen Siegen,/So lang der Jugend Feuerpulse fliegen!") bis zur endlichen Erlahmung ("der Brennstoff ist verzehrt,/ Und kalt und dunkel ward es auf dem Herd."). Zur Darstellung dieses Sujets beschwört Strauss das ganze Arsenal musikalischer Verführungskunst. Schon der an ein Feuerwerk erinnernde Beginn ist eine einzige Verführung des Hörers: Raketenartig jagt ein Orchestertutti durch drei Oktaven nach oben, es funkelt und glitzert, bevor ein lauter Knall ertönt. Sinnfälliger lässt sich das Lebensprinzip der schnellen Verführung Don Juans musikalisch kaum darstellen.