Konzert für Violine und Orchester Nr. 2 g-Moll op. 63

Um 1930 hatte sich Sergej Prokofjew nach Jahren avantgardistischen Komponierens einem neuen musikalischen Ideal verschrieben, der "Neuen Einfachheit". Prokofjew schwebte dabei eine musikalisch Sprache vor, die "vor allem melodisch sein" solle, wobei "die Melodie einfach und verständlich sein muss, ohne ins Hausbackene oder Triviale abzugleiten. Das gleiche gilt für die Satztechnik und Gestaltungsweise. Sie sollen klar und einfach sein, aber nicht in Schablone verfallen." Von diesem Ideal ist sein 1935 und damit in zeitlicher Nachbarschaft zum Ballett "Romeo und Julia" entstandenes zweites Violinkonzert maßgeblich geprägt: Die Melodik des ersten Satzes ist volksliedhaft und lyrisch, im zweiten Satz dagegen ist sie melancholisch getragen. Der letzte Satz schließlich ist von überbordender Virtuosität. Damit unterscheidet sich sein Violinkonzert op. 63 deutlich vom 20 Jahre zuvor entstandenen ersten Violinkonzert, das vor allem durch eine permanente Motorik charakterisiert ist. Prokofjews zweites Violinkonzert hat sich seit seiner Uraufführung 1935 in Madrid schnell im Repertoire großer Geiger etabliert. David Oistrach etwa schätzte es sehr und hat es überall auf der Welt bekannt gemacht. Bereits 1937 hatte es Jascha Heifetz in Amerika aufgeführt.