"Till Eulenspiegels lustige Streiche" op. 28 nach alter Schelmenweise in Rondeauform für großes Orchester gesetzt

Ursprünglich wollte Richard Strauss Till Eulenspiegel zum Mittelpunkt einer Oper machen, allerdings kam das Projekt nicht über Entwürfe zu einem ersten Akt hinaus. Stattdessen wurde der mittelalterliche Spaßmacher zum Thema einer symphonischen Dichtung: »Till Eulenspiegels lustige Streiche; nach alter Schelmenweise – in Rondeauform – für großes Orchester gesetzt«. Umrahmt wird das Werk von einem Prolog und einem Epilog. Das Orchester übernimmt hier die Rolle eines Erzählers, der die Handlung mit einem »Es war einmal« einleitet und zum Schluss mit einer »Moral von der Geschicht’« schließt. Seinen Titelhelden charakterisiert Strauss mit zwei verschiedenen Themen: Ein signalartiges Horn-Motiv kennzeichnet ihn als draufgängerischen Haudegen, der gerne über die Stränge schlägt – spieltechnisch eine Herausforderung für alle Hornist*innen. Strauss hat das Motiv rhythmisch so angelegt, dass es bei jeder Wiederholung auf einer anderen Zählzeit beginnt und damit althergebrachte Hörgewohnheiten auf den Kopf stellt, genau wie Till, der sich nicht um tradierte Normen schert. Das zweite Motiv ist eine kecke Klarinettenfigur – Till, der seinem verdutzten Gegenüber eine lange Nase dreht.

In rascher Folge können wir den Possen Till Eulenspiegels folgen, beginnend mit einer Szene auf dem Wochenmarkt. Till prischt zu Pferd über den Platz hinweg und zerbricht die Töpfe der Marktweiber. Man hört ihr Schreien und Keifen im Trompetenlärm und im Schnarren einer Ratsche. In der nächsten Szene tritt Till als Moralprediger auf – unter seiner Mönchskutte lugt aber seine große Zehe hervor, zu hören in der Unterstimme des Kontrafagotts. Die dritte Episode beschreibt Eulenspiegels vergebliches Werben um die Liebe eines Mädchens. Seine Wut über den Misserfolg lässt er mit lautem Blechbläsergetöse an den Philistern aus, die mit einem Kanon als Symbol für endlose Diskussionen antworten. Schließlich landet Till vor einem Tribunal, das mit leeren Quintklängen seine Fragen an den Angeklagten richtet. Eulenspiegel pfeift unschuldig sein Thema, doch ein Septsprung verkündet das Todesurteil. Schon baumelt der Schelm am Galgen, röchelnd schneidet er seine letzte Grimasse. Der Spaßmacher ist tot, aber die Geschichten über ihn erheitern uns weiter, so suggeriert es Strauss in seinem versöhnlichen Schlussgedanken.