Symphonie Nr. 7 h-Moll D 759 "Unvollendete"

Schuberts »Unvollendete« – ein Werk voller Geheimnisse und offener Fragen. Ein Symphonientorso, der mehr Berühmtheit erlangte als seine vollendeten symphonischen Schwesterwerke. Warum Franz Schubert nach zwei Sätzen und dem skizzierten Beginn eines Scherzos das Werk beiseite legte und die Arbeit daran nie wieder aufnahm, ist bis heute ein Rätsel. Warum Schuberts Freund Anselm Hüttenbrenner, selbst Komponist, die beiden fertigen Sätze fast 40 Jahre unter Verschluss hielt, sie auch nach dem sensationellen Uraufführungserfolg der Großen C-Dur-Symphonie – ebenfalls ein unverhoffter Dachboden-Fund – nicht rausrückte, bleibt ebenso ein Geheimnis. Dass das Fragment an die Öffentlichkeit gelangte, ist dem Dirigenten Johann Herbeck zu verdanken. Er kam der »Unvollendeten« auf die Spur, suchte Hüttenbrenner auf und brachte das Werk erstmalig zur Aufführung – im Jahr 1865 war das, 43 Jahre nach seiner Entstehung. Als Schubert mit der Komposition einer Symphonie in h-Moll begann, war er 25 Jahre jung und konnte bereits auf einen Stapel von sechs fertigen Symphonien, allesamt übrigens viersätzig, zurückblicken. Die Wahl der Tonart h-Moll ist ebenfalls rätselhaft. Kein großer Komponist vor Schubert hat je eine Symphonie in dieser Tonart geschrieben. »Die schwarze Tonart«, soll Beethoven sie genannt haben. In anderen Werken Schuberts, wie z. B. in der »Winterreise« und in »Die schöne Müllerin« steht der Ton h für den Tod. Es ist wenig überraschend, dass die »Unvollendete« so düster und unheilvoll wie kaum ein Werk vor ihr beginnt: mit einer leisen, einstimmigen Melodie, die in der Tiefe beginnt und in noch tiefere Abgründe absteigt. Extreme Kontraste, Ambivalenz von Freude und Schmerz, kleine Oasen der Hoffnung gefolgt von katastrophischen Einbrüchen durchziehen nicht nur den ersten, sondern auch den zweiten Satz. Auch im Metrum und im Tempo unterscheiden sich die beiden Sätze kaum. War es ihre Ähnlichkeit, die Schubert dazu veranlasste, die halbfertige Symphonie in die Schublade zu legen? Doch einen wesentlichen Unterschied gibt es. Während der erste Satz in desperater Ausweglosigkeit schließt, endet der zweite Satz in unbeschwerter Leichtigkeit. »Voller Hoffnung auf das, was es nicht geben wird«, resümiert der Autor Mathias Husmann. Eine Halbsymphonie, ein geheimnisumwitterter Torso, mit das Schönste, was uns Schubert hinterlassen hat. Eine vollendete »Unvollendete« eben.