"Métaboles"

Henri Dutilleux, neun Jahre älter als Pierre Boulez und nur sieben Jahre jünger als Olivier Messiaen, ist der hochverehrte Nestor der französischen Komponisten der Gegenwart und hat mit seinem Landsmann Paul Dukas zahlreiche Charakterzüge gemeinsam: das überaus hohe Maß an Selbstkritik, gepaart mit Abneigung gegen wohlfeiles Vielschreibertum, die Liebe zum orchestralen Feinschliff, zur "französisch" ausgefeilten, stets farbig bleibenden Transparenz und nicht zuletzt das unbeugsame Festhalten an Individualität. Dutilleux kann keiner zeitgenössischen Modeströmung oder "Schule" zugeordnet werden; er schreibt meist atonal, bleibt aber immer hörerfreundlich. Neben seinen beiden frühen Sinfonien und den meist knapp gehaltenen, immer individuell gestalteten Orchesterwerken, für die er meistens poetisch-philosophische Überschriften wählte, hat Dutilleux wichtige Instrumentalkonzerte vorgelegt; sie erfreuen sich des Zuspruchs von Interpreten wie Mstislaw Rostropowitsch und Anne-Sophie Mutter. Ständig sich wandelnd und immer sich treu bleibend, also metabolisch ist sein Stil: Die facettenreichen "Métaboles" gewähren wie kaum ein anderes Werk von Henri Dutilleux einen Einblick in sein ästhetisches Programm.