"Helios"-Ouvertüre op. 17

Carl Nielsen gilt als der bedeutendste klassische Komponist seiner Heimat Dänemark. Die »Helios«-Ouvertüre entstand 1903 in Athen, während eines mehrere Monate dauernden Studienaufenthalts, den Nielsen zusammen mit seiner Frau, der Bildhauerin Anne Marie Brodersen in Griechenland verbrachte. Während seine Frau dank einer Sondergenehmigung Kopien von Reliefs und Statuen des Akropolismuseums anfertigte, stand Carl Nielsen ein Arbeitszimmer im Konservatorium in Athen zur Verfügung – was allerdings zu ganz ungeahnten Problemen führte, wie er in einem Brief berichtet: »Der Musikverein ist deshalb eifersüchtig geworden und möchte, dass ich in ihren Räumen komponiere. Dafür haben sie mir einen ›Bechstein‹ angeboten. Es ist schwierig, es allen recht zu machen!« Zur Komposition der »Helios«-Ouvertüre wurde Nielsen inspiriert von den mediterranen Lichtverhältnissen über dem Ägaischen Meer und vom mythologischen Bild des von vier prachtvollen Rossen gezogenen Sonnenwagens des Gottes Helios. Dem Werk stellte er folgendes Motto voran: »Stille und Dunkelheit – dann steigt die Sonne unter freudigem Lobgesang – wandert ihren goldenen Weg – senkt sich still ins Meer.« Gemäß dieser Beschreibung lässt Nielsen den Sonnenlauf in einer für seine Ästhetik vergleichsweise naturalistischen Kompositionsweise musikalisch Revue passieren. Bei der Uraufführung am 8. Oktober 1903 in Kopenhagen wurde die Ouvertüre vom Publikum begeistert aufgenommen. Noch heute wird sie traditionell im Dänischen Rundfunk in der Silvesternacht kurz nach Mitternacht gespielt und läutet damit das neue Jahr musikalisch ein.