Klaviertrio Es-Dur D 929

Nach Beethovens Opus 97 versank die Gattung Klaviertrio für ein Jahrzehnt in Lethargie – bis Franz Schubert in seinem Todesjahr 1828 das Es-Dur-Trio im Druck vorlegte. »Wie eine zürnende Himmelserscheinung« sei es über das damalige »Musiktreiben« hinweggegangen, erinnerte sich noch zehn Jahre später Robert Schumann. Für ihn war es ohne Wenn und Aber das Meistertrio seiner Zeit. Das Werk erklang erstmals in einer Soiree des Schuppanzigh-Quartetts im Dezember 1827. In dem einzigen großen Konzert, das Schubert je veranstaltete, wurde es am ersten Todestag Beethovens am 26. März 1828 noch einmal mit großem Erfolg aufgeführt. Von dem Trio hat sich nicht nur Schuberts eigenhändige Reinschrift erhalten, sondern auch die Skizzen zu den ersten drei Sätzen sind überliefert. Daraus geht hervor, dass der Komponist während des Entstehungsprozesses zum Teil einschneidende Korrekturen vornahm. Vor allem der langsame Satz wurde zwischen Skizze und Endfassung völlig überarbeitet. Doch auch das Finale hat Schubert zuletzt deutlich eingedampft. Er verzichtete dabei auf eine Wiederholung der Exposition und strich zwei umfangreiche Passagen; Änderungen, die um jeden Preis eingehalten werden sollten, wie er seinen Verleger Probst wissen ließ. Der Kopfsatz setzt im entschlossenen Unisono ein, mit einem für Schubert ungewöhnlich knappen und energischem Hauptthema. Fast schattenhaft und von zarten Tonrepetitionen geprägt kommt hingegen der zweite Gedanke daher, mit einem gegen den Takt verschobenen Rhythmus, der diesem Abschnitt einen tänzerischen Charakter verleiht. Ein drittes, sangliches Thema prägt dann, wie so oft beim späten Schubert, in Form von weiträumigen Motivsequenzen die zentrale Durchführung. Das Hauptthema des Andante basiert auf einem schwedischen Volkslied, das Schubert Anfang November 1827 im Hause eines befreundeten Schwesternpaares durch den Tenor Isaak Albert Berg kennengelernt hatte. Mit einem fast heiteren Gegenthema in der Violine beginnt dann eine Entwicklung, die auch leidenschaftliche Ausbrüche nicht scheut. Das Scherzo gestaltet Schubert als zweistimmigen Oktavkanon zwischen Klavier und den beiden Streichinstrumenten, was von seinem Interesse am Kontrapunkt in seinen letzten Lebensjahren zeugt. Auch im Finale arbeitet Schubert mit drei thematischen Komplexen. Hinzu kommt in der Durchführung einer seiner frappierendsten Einfälle: Es erklingt plötzlich das Hauptthema des Andante, dem Rhythmus des Finale angepasst, und betont so den Zusammenhang zwischen den Sätzen.