Persönliche Worte von Intendant und Managementdirektor

Wir hatten kurzfristig zwei Konzerte mit unserem Chefdirigenten Valery Gergiev für den 24. und 25. März geplant. Ohne konkret zu wissen, wieviel Publikum zugelassen sein wird. Vorbereitet gewesen wären wir für bis zu 650 Personen, das entspricht unserem Hygienekonzept unter Einhaltung aller vorgeschriebenen Abstände.

Wir haben binnen 24 Stunden ein Schnelltestverfahren mit einem professionellen Anbieter für die beiden Konzerttermine auf die Beine gestellt, um allen Personen möglichst unkompliziert einen Konzertbesuch ermöglichen zu können. Das Orchester stand Gewehr bei Fuß, kurzum: Wir waren bestens vorbereitet.

Natürlich sind wir über die Entscheidung, nun doch nicht vor Publikum spielen zu dürfen, nicht glücklich - ganz besonders für unser Publikum! Wir haben in den letzten zwölf Monaten bewiesen, binnen weniger Tage, manchmal sogar binnen weniger Stunden, neue Vorgaben in die Tat umsetzen zu können. Wir verfügen über eine der sichersten Spielstätten in dieser Stadt und haben ein professionelles Hygienekonzept, das sich bewährt hat.

Was wir uns dringend wünschen, ist eine langfristige Perspektive. Nicht nur für unser Publikum und für alle kulturell Interessierten, sondern für den Sport genau wie für Gastronomie und Einzelhandel. Ein Modell, das sich weniger nach dem Prinzip "auf - zu - vielleicht auf - doch nicht auf" richtet, sondern das ein gesellschaftliches Leben ermöglicht, indem die Instrumente Schnelltests und Impfung verantwortungsvoll berücksichtigt werden und damit gesundheitliche Bedenken sehr, sehr ernst nimmt! Darf eine schnell lernende Gesellschaft wie unsere nach zwölf Monaten Pandemie nicht weiter sein als nach einem halben Jahr?

Selbstverständlich ist die Bewältigung der Krise extrem komplex, das gilt ja allein schon für die Bewertung der Gesamtlage. Corona ist unberechenbar, das sehen wir gerade an der Entwicklung der Kennzahlen oder der Anordnung eines vierwöchigen Lockdowns in Paris. Entsprechend lassen sich notwendige Maßnahmen nicht mit dem Rechenschieber verordnen bzw. planen. Doch das Auf und Ab macht unglaublich müde.

Immerhin dürfen wir spielen und produzieren, damit sind wir gegenüber den vielen freien Künstler*innen in einer geradezu privilegierten Lage. Nun planen wir für die kommende Woche anstelle zweier Konzerte eine Video-Produktion, damit das Orchester aktiv und für das Publikum digital erreichbar bleibt. Damit haben wir seit Beginn der Pandemie die wichtigsten Projekte und beinahe alle Künstler halten können, verbunden mit einer bemerkenswerten medialen Verbreitung und einer neuen digitalen Professionalität. Sowohl für April als auch Mai haben wir neue Arbeitsperioden mit Valery Gergiev reserviert. 

Ein Orchester, das nicht spielt, ist kein Orchester. Deshalb wollen und werden wir trotz Kurzarbeit aktiv bleiben. Wir wollen permanent vorbereitet sein, den Spielbetrieb wieder vollumfänglich hochfahren zu können, je eher desto besser! Entsprechend hoffen wir auf Perspektiven mit differenzierteren Entscheidungen und baldigen Öffnungen.

 

Paul Müller, Intendant
Christian Beuke, Managementdirektor