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Programm

»Der eigentliche Gottesdienst«

EDWARD ELGAR
* 2. Juni 1857 in Broadheath, Worcestershire
† 23. Februar 1934 in Worcester

»THE DREAM OF GERONTIUS«
Entstehungszeit: 1900
Textvorlage: das Versepos »The Dream of Gerontius« (Der Traum des Gerontius) von John Henry Newman (1801–1890) 
Widmung: »A.M.D.G.« (= »Ad maiorem Dei gloriam« / Zum höheren Ruhme Gottes)
Uraufführung: am 3. Oktober 1900 beim Birmingham Triennial Music Festival in der Birmingham Town Hall (Dirigent: Hans Richter; Gerontius: Edward Lloyd; The Angel: Marie Brema; The Priest bzw. The Angel of the Agony: Harry Plunket Greene)


Beneidenswertes Bayern! »Es ist so grundverschieden von England, weil es ein katholisches Land ist, und in dieser Gegend hier gibt es keine Protestanten«, frohlockte Edward Elgar, als er im Sommer 1892 den Süden Deutschlands bereiste und sich endlich einmal unter Gleichgesinnten glaubte: als Katholik unter Katholiken. »Die Kirchen bleiben den ganzen Tag geöffnet, man sieht einfache Arbeiter und Handwerker, Männer und Frauen, mit dem Rosenkranz in ihren Händen. Sie betreten die Kirche, wenn sie des Weges kommen, und sprechen ihre Gebete, dann verlassen sie die Kirche wieder und wenden sich ihrer Arbeit zu«, bemerkte Elgar mit Respekt und Genugtuung. »An einer Straße findet man (ungefähr alle 100 Yards) die Stationen des Kreuzweges: Ist das nicht erstaunlich?« Auf derselben Reise hatte Elgar zuvor auch Bayreuth besucht und auf dem Grünen Hügel den »Tristan« erlebt, die »Meistersinger« und gleich zweimal den »Parsifal«: eine Pilgerfahrt zu Wagner. Glückliche Tage zwischen Kirche und Festspielhaus. Zurück im feindselig empfundenen, anglikanischen England arrangierte Elgar den »Karfreitagszauber« für kleines Orchester und komponierte sechs Szenen für Chor und Orchester »From the Bavarian Highlands« op. 27. 

EIN ORATORIUM FÜR BIRMINGHAM 

Fernab von Bayern und Bayreuth – für Birmingham – nahm Edward Elgar zur Jahrhundertwende eine Komposition in Angriff, von der er mit stolzem Selbstbewusstsein (das sich freilich sekundenschnell ins glatte Gegenteil verkehren konnte) bekanntgab: »Ich beabsichtige, mein Hauptwerk zu schreiben.« Das traditionsreiche Birmingham Triennial Music Festival, in dessen Auftrag Felix Mendelssohn Bartholdy den »Elias« und Antonín Dvořák sein Requiem komponiert hatten, bat den einstweilen noch um Anerkennung ringenden Außenseiter und Autodidakten aus der Provinz um einen Beitrag für das denkwürdige Jahr 1900. Ein »geistliches Sujet« musste es sein, und ein Hauptwerk sollte es werden – so viel stand fest. Aber über welchen »Gegenstand«? Der heilige Augustinus wurde erwogen und rasch wieder als »zu kontrovers« verworfen; eine biblische Handlung rückte ins Zentrum der wechselnden Pläne, etwas über die Apostel zeichnete sich ab, ein »Judas«-Thema nahm Gestalt an in den Skizzen. Mit dem neuen Jahr und Jahrhundert jedoch meldete und behauptete sich ein älteres Vorhaben, oft durchdacht, nie realisiert: »The Dream of Gerontius«, ein dramatisches Gedicht des zum Katholizismus konvertierten und schließlich gar zum Kardinal erhobenen Priesters John Henry Newman (1801–1890), eine dialogisch entfaltete Betrachtung der römisch-katholischen Fegefeuerlehre. Ein Traum für den Komponisten? »Dieses Gedicht hat meinen Geist schon seit wenigstens acht Jahren ergriffen«, verriet Elgar. »Während dieser Zeit haben sich die Gedanken des Autors allmählich in meine eigenen musikalischen Ideen verwandelt.« Aber Elgar war zugleich in Sorge, dass »der ausgeprägt katholische Charakter der Dichtung und die Konzentration auf die Glaubenslehre des Purgatoriums dem Erfolg entgegenstehen « würden. Allerdings hatte das Birmingham Festival selbst den »Gerontius« schon einmal ins Gespräch gebracht, 1886, als Stoff und Libretto für Antonín Dvořák – der dem Komitee aber eine Absage erteilte. 

»DIESE HERZZERREISSEND SCHÖNEN HARMONIEN!« 

Doch Elgar ließ sich nicht beirren, von den eigenen Zweifeln nicht und nicht von den Bedenken seines Lektors August Johannes Jaeger, eines Deutschen, der für das Verlagshaus Novello in London arbeitete. Und der ihm schrieb: »Es gibt ziemlich viel Joseph und Maria in diesem Stück; höchst angemessen für einen Katholiken an der Schwelle des Todes, dergleichen zu singen, aber vermutlich bestens geeignet, einige verd…te Schwachköpfe von Protestanten zu erschrecken.« Edward Elgar teilte diese Befürchtungen, doch weigerte er sich standhaft, die Verse des Kardinals Newman einer reformatorischen Redaktion zu unterziehen – Maria und Joseph! Der Lektor in London antwortete amüsiert bis aggressiv: »Das irische (römisch-katholische) Kindermädchen meiner Frau traf fast der Schlag, als sie im Schlafzimmer ein Bild von Martin Luther erblickte! ›Religion‹ (Dogma) kann zu Zeiten eine verfluchte Sache sein und verantwortlich für mehr Elend und Grausamkeit und allgemeine Boshaftigkeit als jede andere Geschichte, die sich der Teufel hat einfallen lassen.« Solch freigeistigen Aufwallungen hinderten Jaeger jedoch nicht im mindesten, das musikalische Wunder und die künstlerischen Offenbarungen zu bestaunen, die sich ihm in den ersten Monaten des Jahres 1900 nach und nach in Elgars eingesandten Manuskripten erschlossen: »Seit dem ›Parsifal‹ habe ich nichts gesehen oder gehört, das mich derart aufgewühlt und mit der Posaunenstimme des Genies aufgerüttelt hätte wie dieser Teil Ihres jüngsten und bei weitem größten Werks. Ihre wunderbare Musik übersteigt jeden Ausdruck, unbegreiflich erhebend, ›entrückt‹, mystisch und herzergreifend«, schwärmte Jaeger – und wer in seine Superlative nicht einstimmen mag, wird zumindest die »Parsifal«-Assoziationen nicht von der Hand weisen. »Diese schmerzlich wundervollen Melodien, diese herzzerreißend schönen Harmonien!«, begeisterte sich Jaeger. »Sie dürfen nicht, können nicht erwarten, dass Ihr Werk von den durchschnittlich begabten Amateuren (oder Kritikern!) auf Anhieb verstanden wird. Sie werden sich zufrieden geben müssen, wie andere große Männer vor Ihnen, wenn einige wenige Freunde und Enthusiasten es als Geniestreich begrüßen. Gute Nacht, mein Freund, fahren Sie fort mit Ihrem magnum opus zur Freude und zum Segen von uns armen gewöhnlichen Sterblichen und ad majorem dei gloriam!« 

DAS PURGATORIUM DER URAUFFÜHRUNG 

Edward Elgar musste zwar nicht quälend lange warten, bis der musikhistorische Rang seines Hauptwerks erkannt wurde. Zunächst allerdings musste er eine Uraufführung erleben und durchleiden, die nicht bloß einem verzehrenden Fegefeuer glich, sondern dem direkten Abstieg in die Hölle. Am Morgen des 3. Oktober 1900 ruinierte ein unzulänglich präparierter Chor die mit Spannung erwartete Premiere des »Dream of Gerontius« in Birmingham. Die verspätete Bekanntschaft mit dem neuen, irritierend ungewohnten Werk verunsicherte die missmutigen Sängerscharen, zumal die seltenen Proben von einem aus dem Ruhestand reaktivierten Chorleiter verantwortet wurden, der die ohnehin knapp bemessene Zeit weiter verkürzte, da ihn das lange Stehen anstrengte und er sich regelmäßig mit Süßigkeiten stärken musste. Jedenfalls zeigten sich die Chorist*innen mitnichten auf der Höhe ihrer Gesangspartien – und dies in jeder Hinsicht. Die Solisten boten kein besseres Beispiel: ein Tenor in der Titelrolle, der vernehmlich im Abendrot seiner Karriere stand; ein Bassist, der den Auftritt des Todesengels mit stoischer Unbeirrbarkeit vom ersten bis zum letzten Takt einen halben Ton zu tief anstimmte. Und Hans Richter, der gepriesene Wagner-Dirigent und Music Director des Birmingham Festivals, hatte mit der offenbar zeitlosen Lässigkeit des »Pultstars« erst wenige Tage vor der Uraufführung einen Blick in die Partitur des »Gerontius« geworfen und die Herausforderung, die ihm und seinen Musikern bevorstand, hoffnungslos unterschätzt. Mit dem Mut der Verzweiflung steuerte er die Massen des Chores und des Orchesters durch eine unvergesslich chaotische Matinee: Richter wählte durchweg defensive Tempi, eine vorsorgliche Langsamkeit, die das Missvergnügen an den distonierenden Chören nur noch verschärfte. 

»GOTT IST GEGEN DIE KUNST« 

Elgar fühlte sich begreiflicherweise am Boden zerstört. Um aber das ganze Ausmaß der Misere zu erfassen und zu verstehen, weshalb der Komponist dieses Desaster wie ein Gottesgericht aufnahm, muss man seine Gefühle kennen, den Stolz, die Festtagsstimmung, in der er am 3. August 1900 die Partitur des »Gerontius« vollendet hatte. Auf der letzten Seite des Autographs notierte er ein Zitat des englischen Kunsthistorikers und Sozialreformers John Ruskin: »Dies ist das Beste, was ich gab; ansonsten habe ich gegessen und getrunken und geschlafen, geliebt und gehasst, wie andere auch. Mein Leben war wie ein Dunst und ist nichts; dies aber habe ich gesehen und erkannt; dies allein verdient, wenn irgendetwas, das ich gab, in eurem Gedächtnis zu bleiben.« Das Zerrbild der verunglückten Uraufführung in Birmingham musste Elgar im Innersten verletzen, und tatsächlich schrieb er am 9. Oktober einen wutschäumenden Brief an August Johannes Jaeger, ein Dokument abgrundtiefer Verbitterung. »So weit es mich betrifft, ist die Musik in England gestorben«, verkündete Elgar schroff und apodiktisch. »Ich habe vierzig Jahre lang hart gearbeitet, doch bis zuletzt verweigert mir die Vorsehung, meine Werke endlich einmal anständig zu hören: Ich habe mich damit abgefunden – ich habe immer gesagt, dass Gott gegen die Kunst ist, und glaube es nach wie vor. Alles Gewöhnliche und Triviale ist gesegnet in dieser Welt und erhält seinen Lohn; ich verlange keinen Lohn – nur zu leben und meine Werke zu hören. Ich höre sie in meinem Herzen und in meinem Kopf, also muss ich zufrieden sein. Dennoch bleibt es sonderbar, von altmodischen Leuten wie ein Verbrecher behandelt zu werden, nur weil meine Gedanken ihr Fassungsvermögen übersteigen.« Und Elgar beschloss seine Zeilen mit dem düsteren Vorsatz: »Ein einziges Mal habe ich meinem Herzen gestattet, sich zu öffnen. Jetzt ist es fest verschlossen für jedes religiöse Gefühl und jede sanfte, freundliche Regung – ein für alle Mal.« Jaeger las diese Worte mit Kopfschütteln, und er zögerte nicht, den maßlos enttäuschten Komponisten in seine Schranken zu weisen: Es sei schwach und gemein, einen solchen Brief zu schreiben! 

EIN TRIUMPH – ABER ERST IN DÜSSELDORF 

Ob Gott gegen die Kunst eingenommen ist? Immerhin ließ es die Vorsehung geschehen, dass Julius Buths, der städtische Musikdirektor aus Düsseldorf am Rhein, den Weg nach Birmingham fand und inmitten des Chaos den lichten Geist der Musik erkannte. »A wonderful work; it’s the most beautiful work I know«, rief er tapfer aus, als die Uraufführung vorbei und gescheitert war: Alle sollten es hören! Julius Buths trug die Partitur ins Rheinland, übersetzte die Verse des Kardinals Newman in die deutsche Sprache und organisierte alsbald ein Konzert mit Elgars »Gerontius« in Düsseldorf: am 19. Dezember 1901. Und siehe – dieser Tag wurde für den arg geprüften Elgar zu einem wahren Triumph. »Nach jedem Teil wurde Doktor Elgar mit Begeisterungsstürmen aufs Podium gebeten – was in Düsseldorf eine sehr seltene Ehre ist – und von den zahlreichen Konzertbesuchern (rund 2.500 Leute) mit Ovationen lautstark gefeiert«, berichtete der mitgereiste Jaeger in der »Musical Times«. »Am Ende des Konzerts wurde ihm vom Chor ein riesiger Lorbeerkranz überreicht, und das Orchester spielte einen kräftigen Tusch.« Fünf Monate später setzt Buths den »Gerontius« auch auf das Programm des Niederrheinischen Musikfestes. Elgar wurde mit Ehren geradezu überhäuft. Bei einem Festmahl erhob Richard Strauss das Glas und brachte einen Toast aus auf den englischen Gast, den er generös als einen Pionier des musikalischen Fortschritts rühmte. »Richard Strauss, der nie viele Worte verliert, wenn er es vermeiden kann, hielt eine wahrhaft großmütige Ansprache über ›Gerontius‹ – ich wünschte, Sie hätten sie hören können«, schrieb Elgar seinem Verleger in London. »Es hat mich für jahrelange Mühen entschädigt – die hoffentlich vorüber sind – zu hören, wie er mich ›Meister‹ nannte.« Der Bann war gebrochen, Elgars heiliger Zorn schien gestillt, und wenngleich Julius Buths hierzulande die rühmliche Ausnahme bleiben und es an deutschen Fürsprechern für das Werk des Engländers fortan chronisch mangeln sollte: In Elgars Heimat stieg »The Dream of Gerontius« schließlich zum meistgespielten Oratorium neben Händels »Messiah« und Mendelssohns »Elias« auf. Wer hätte das gedacht? Der Komponist am allerwenigsten. 

VOM STERBEN DES ALTEN MANNES 

Aber handelt es sich überhaupt um ein Oratorium? Diese scheinbar müßige musikologische Frage warf Elgar selbst auf, als er feststellte: »Es ist bis jetzt noch kein Wort erfunden worden, um das Stück zu beschreiben.« Den Begriff »sacred cantata « jedenfalls wies er als »fürchterlich« zurück. Und doch – im Neuland zwischen englischem Oratorium, geistlicher Kantate, Seelendrama, Chorsymphonie und Bühnenweihfestspiel siedelte sich der »Gerontius« an, die Vertonung des 1865 entstandenen Epos von John Henry Newman. Sieben Teile umfasst das literarische Original – Elgars »Libretto« hingegen nur zwei, da er lediglich den Anfang weitestgehend ungekürzt in Musik setzte, die übrigen sechs Teile aber erheblich straffte und konzentrierte. Die Sterbeszene des »alten Mannes«, wie der Name Gerontius zu entschlüsseln wäre (nach dem griechischen »gérōn«, der Greis, der Geehrte), komponierte Elgar mitsamt den Fürbitten der versammelten Freunde, der Allerheiligenlitanei, den Anrufungen der Kreuzverehrung vom Karfreitag (»Sanctus fortis, Sanctus Deus«), dem »Libera, Domine« und dem Sterbegebet des Priesters (»Proficiscere, anima Christiana, de hoc mundo«). Die nachfolgenden Teile jedoch strich Elgar ohne Rücksicht auf theologische Verluste zusammen: Gerontius – die Seele des Gerontius – erwacht nach seinem Tod im Jenseits, »seltsam erfrischt«, begegnet dort seinem Schutzengel, der ihn vor den Richterthron Gottes geleitet. In einem einzigen Augenblick wird er gerichtet und gerettet, sein Los entschieden, das Tor geöffnet, nicht zum Himmel oder zur Hölle, sondern zum »goldenen Kerker« der Läuterung, dem Purgatorium. Diese katholische Pointe des Gedichts, die Newman durch ausgiebige Erörterungen der Fegefeuerlehre systematisch vorbereitet, bleibt in Elgars dramatisch komprimierter Textfassung nahezu unverständlich. Der Komponist Elgar erwies sich im Zweifelsfall stärker als der Katholik, opferte das Dogmatische der Kunst und stellte das musikalische Drama über die Gelehrsamkeit des Theologen. Im Zweifelsfall, der sich u. a. auch drastisch kundtat in dem himmelschreienden Widerspruch, ein Werk der höheren Ehre Gottes zu widmen, wie es Elgar tat mit seiner »Gerontius«-Partitur, um dann prompt den göttlichen Widmungsträger zum Todfeind der Kunst zu erklären. 

EIN MUSIKALISCHES CREDO 

»Ich stelle mir Gerontius vor als einen Menschen wie du und ich, nicht als einen Priester oder Heiligen«, betonte Elgar, »aber als einen Sünder, einen reuigen natürlich, und doch als einen durch und durch welterfahrenen Mann in seinem Leben, der nun vor das Gericht gerufen wird. Aus diesem Grund habe ich seinen Part nicht mit Kirchenchorälen und diesem Kram bedacht, sondern für ihn eine gute, gesunde, lebensvoll romantische, zutiefst weltliche Musik geschrieben.« Am Anfang wie am Ende spielt Elgars »Gerontius« doch in dieser Welt, und der Trost liegt nicht in der katholischen Glaubenslehre oder dem kirchlichen Dogma, nicht in den Versen eines sendungsbewussten Konvertiten, sondern in der Musik: in der noblen, melancholisch getönten, mit Pathos, Patina und Nostalgie versetzten Schönheit der Musik Edward Elgars. Ein spätes Zeugnis romantischer Kunstfrömmigkeit – der Hörerin, dem Hörer könnte es da ergehen wie dem kleinen Hanno Buddenbrook in Thomas Manns Roman, der seinen Platz hoch droben auf der Orgelempore der Lübecker Marienkirche fand, um sich hier einträchtig mit dem Organisten über den Sermon des Pfarrers zu mokieren: »Denn ohne sich anzusehen und ohne es sich zu sagen, waren die beiden dort oben der Ansicht, dass diese Predigt ein ziemlich albernes Geschwätz und der eigentliche Gottesdienst vielmehr das sei, was der Pastor und seine Gemeinde wohl nur für eine Beigabe zur Erhöhung der Andacht hielten: nämlich die Musik.« 

Wolfgang Stähr


WORK-LIFE-BALANCE 

Edward Elgar verlor bei der Arbeit an seinem »Dream of Gerontius« offenbar nicht die Work-Life-Balance. Zunächst arbeitete er seine Skizzen zu einem Klavierauszug aus – nicht zu einer Orchesterpartitur – und schickte fertiggestellte Abschnitte direkt an den Verleger. Der Grund war ganz pragmatisch: Das Notenmaterial für den Chor sollte so schnell wie möglich vorliegen. Also widmete sich Elgar erst einmal der »Schnellversion«. Am 6. Juni 1900 hielt seine Frau Alice zufrieden in ihrem Tagebuch fest, dass der Klavierauszug vollendet sei. Doch die nächsten Arbeitsschritte warteten längst: Schon ab dem 20. Mai lagen erste Korrekturabzüge des Klavierauszugs und der Chorstimmen vor, während gleichzeitig die Orchestrierung vorangetrieben und die Partitur druckfertig gemacht werden musste. Umso erstaunlicher ist ein Blick in Alices Tagebuch. Zwischen Mai und Juli 1900 findet sich dort erstaunlich wenig über das enorme Arbeitspensum ihres Mannes – dafür beinahe täglich der lakonische Vermerk: »to the Links«. Mit anderen Worten: Elgar ging Golf spielen!

Oratorium in zwei Teilen nach einem Text von John Henry Newman für Soli, Chor und Orchester op. 38

PART ONE

Gerontius
Jesu, Maria – I am near to death,
And Thou art calling me; I know it now.
Not by the token of this falt’ring breath,
This chill at heart, this dampness on my brow,
(Jesu have mercy! Mary, pray for me!)
’Tis this new feeling, never felt before,
(Be with me, Lord, in my extremity!),
That I am going, that I am no more,
’Tis this strange innermost abandonment,
(Lover of souls! great God! I look to Thee!),
This emptying out of each constituent
And natural force, by which I come to be.
Pray for me, O my friends! A visitant
Is knocking his dire summons at my door,
The like of whom, to scare me and to daunt,
Has never, never come to me before.
So pray for me, my friends,
Who have not strength to pray.

 

Assistants
Kyrie eleison. Christe eleison, Kyrie eleison.
Holy Mary, pray for him!
All holy Angels, pray for him!
Choirs of the righteous, pray for him!
All Apostles, all Evangelists, pray for him!
All holy Disciples of the Lord, pray for him!
All holy Innocents, pray for him!
All holy Martyrs, all holy Confessors,
All holy Hermits, all holy Virgins,
All holy Saints of God, pray for him!

Gerontius
Rouse thee, my fainting soul, and play the man,
And through each waning span
Of life and thought as still has to be trod,
Prepare to meet thy God. 
And while the storm of that bewilderment
Is for a season spent,
And, ere afresh the ruin on me fall,
Use well the interval.

Assistants
Be merciful, be gracious, spare him, Lord!
Be merciful, be gracious, Lord, deliver him!
From the sins that are past,
From Thy frown and Thine ire,
From the perils of dying,
From any complying
With sin, or denying
His God, or relying on self, at the last,
From the nethermost fire,
From all that is evil,
From power of the devil,
Thy servant deliver,
For once and for ever.
By Thy birth and by Thy Cross,
Rescue him from endless loss!
By Thy death and burial,
Save him from a final fall!
By Thy rising from the tomb,
By Thy mounting up above,
By the Spirit’s gracious love
Save him in the day of doom.

Gerontius
Sanctus fortis, Sanctus Deus,
De profundis oro te,
Miserere, Judex meus,
Parce mihi, Domine.
Firmly I believe and truly
God is Three, and God is One,
And I next acknowledge duly
Manhood taken by the Son.
And I trust and hope most fully
In that Manhood crucified,
And each thought and deed unruly
Do to death, as He has died.
Simply to His grace and wholly
Light and life and strength belong.
And I love, supremely, solely,
Him the holy, Him the strong.
Sanctus fortis, Sanctus Deus,
De profundis oro te,
Miserere, Judex meus,
Parce mihi, Domine.
And I hold in veneration,
For the love of Him alone,
Holy Church, as His creation,
And her teachings, as His own.
And I take with joy whatever
Now besets me, pain or fear,
And with a strong will I sever
All the ties which bind me here.
Adoration aye be given,
With and through the angelic host,
To the God of earth and heaven,
Father, Son and Holy Ghost.
Sanctus fortis, Sanctus Deus,
De profundis oro te,
Miserere, Judex meus,
Parce mihi, Domine.
I can no more, for now it comes again,
That sense of ruin, which is worse than pain,
That masterful negation and collapse
Of all that makes me man.
And, crueller still,
A fierce and restless fright begins to fill
The mansion of my soul. And worse, and worse,
Some bodily form of ill
Floats on the wind, with many a loathsome curse
Tainting the hallowed air, and laughs, and flaps
Its hideous wings and makes me wild
With horror and dismay.
O Jesu, help! Pray for me, Mary, pray!
Some Angel, Jesu! Such as came to
Thee in Thine own agony.
Mary, pray for me! Joseph, pray for me! Mary, pray for me!

Assistants
Rescue him, O Lord, in this his evil hour,
As of old, so many by Thy gracious power:
Noe from the waters in a saving home, Amen.
Job from all his multi-form and fell distress, Amen.
Moses from the land of bondage and despair, Amen.
David from Golia and the wrath of Saul, Amen.
So, to show Thy power,
Rescue this Thy servant in his evil hour!

Gerontius
Novissima hora est! And I fain would sleep,
The pain has wearied me. Into Thy hands,
O Lord, into Thy hands…

The Priest and Assistants
Proficiscere, anima Christiana, de hoc mundo!
Go forth upon thy journey, Christian soul!
Go from this world! Go, in the Name of God
The Omnipotent Father, Who created thee!
Go, in the Name of Jesus Christ, our Lord,
Son of the Living God, who bled for thee!
Go, in the Name of the Holy Spirit, who
Hath been poured out on thee!
Go in the name of Angels and Archangels,
In the name of Thrones and Dominations,
In the name of Princedoms and of Powers,
And in the name of Cherubim and
Seraphim, go forth!
Go, in the name of Patriarchs and Prophets,
And of Apostles and Evangelists,
Of Martyrs and Confessors, in the name
Of holy Monks and Hermits, in the name
Of holy Virgins, and all Saints of God,
Both men and women, go!
Go on thy course,
And may thy place today be found in peace,
And may thy dwelling be the Holy
Mount of Sion:
Through the Same, through Christ our Lord.

PART TWO

Soul of Gerontius
I went to sleep, and now I am refreshed
A strange refreshment: for I feel in me
An inexpressive lightness, and a sense
Of freedom, as I were at length myself,
And ne’er had been before. How still it is!
I hear no more the busy beat of time, no,
Nor my fluttering breath, nor struggling pulse,
Nor does one moment differ from the next.
This silence pours a solitariness
Into the very essence of my soul,
And the deep rest, so soothing and so sweet,
Hath something too of sternness and of pain.
Another marvel: someone has me fast
Within his ample palm. A uniform
And gentle pressure tells me I am not
Self-moving, but borne forward on my way.
And hark! I hear a singing. Yet in sooth
I cannot of that music rightly say
Whether I hear, or touch, or taste the tones.
O, what a heart-subduing melody!

Angel
My work is done, my task is o’er,
And so I come, taking it home
For the crown is won, Alleluia, for evermore.
My Father gave in charge to me
This child of earth, e’en from its birth
To serve and save, Alleluia, and saved is he.
This child of clay to me was given,
To rear and train by sorrow and pain
In the narrow way, Alleluia, from earth to heaven.

Soul of Gerontius
It is a member of that family of
wond’rous beings, who, ere the
world were made,
Millions of ages back, have stood around
The throne of God.
I will address him. Mighty one, my Lord,
My Guardian Spirit, all hail!

Angel
All hail! My child and brother, hail!
What wouldest thou?

Soul of Gerontius
I would have nothing but to speak with thee
For speaking’s sake. I wish to hold
with thee Conscious communion,
though I fain would know a maze of
things, were it but meet to ask,
And not a curiousness.

Angel
You cannot now cherish a wish which ought not to be wished.

Soul of Gerontius
Then I will speak: I ever had believed
That on the moment when the
struggling soul
Quitted its mortal case, forthwith it fell
Under the awful presence of its God,
There to be judged and sent to its own place.
What lets me now from going to my Lord?

Angel
Thou art not let. But with extremest
speed art hurrying to the Just and Holy Judge.

Soul of Gerontius
Dear Angel, say, why have I now
no fear of meeting Him? Along my
earthly life, the thought of death and
judgment was to me most terrible.

Angel
It is because then thou didst fear,
that now thou dost not fear. Thou
hast forestalled the agony, and so for
thee bitterness of death is passed.
Also, because already in thy soul the
judgement is begun.
A presage falls upon thee, as a ray
straight from the Judge, expressive
of thy lot. That calm and joy uprising
in thy soul is first-fruit to thee of thy
recompense, and heaven begun.

Soul of Gerontius
Now that the hour is come, my fear
is fled, and at this balance of my
destiny, now close upon me, I can
forward look with a serenest joy.
But hark! Upon my sense comes a
fierce hubbub, which would make me
fear could I be frighted.

Angel
We are now arrived close on the
judgement-court. That sullen howl
is from the demons who assemble
there, hungry and wild, to claim their
property, and gather souls for hell.
Hist to their cry!

Soul of Gerontius
How sour and how uncouth a dissonance!

Demons
Low born clods of brute earth,
They aspire to become gods,
By a new birth, and an extra grace,
And a score of merits.
As if aught could stand in place
Of the high thought, and the glance of fire
Of the great spirits, the powers blest,
The lords by right, the primal owners,
Of the proud dwelling and realm of light
Dispossessed, aside thrust, chucked down,
By the sheer might of a despot’s will,
Of a tyrant’s frown, who after expelling
Their hosts, gave, triumphant still,
And still unjust, each forfeit crown to psalm-droners,
And canting groaners, to every slave,
And pious cheat, and crawling knave,
Who licked the dust under his feet.

Angel
It is the restless panting of their
being. Like beasts of prey, who,
caged within their bars, in a deep
hideous purring have their life, and
an incessant pacing to and fro.

Demons
The mind bold and independent,
The purpose free, so we are told,
Must not think to have the
ascendant. What’s a saint? One whose breath
Doth the air taint before his death. Ha! Ha!
A bundle of bones, which fools adore,
When life is o’er. Ha! Ha! Virtue and vice,
A knave’s pretence. Tis all the same. Ha! Ha!
Dread of hell-fire, of the venomous flame,
A coward’s plea. Give him his price,
Saint though he be, from shrewd good sense
He’ll slave for hire. Ha! Ha!
And does but aspire to the heaven above
With sordid aim, and not from love. Ha! Ha!

Soul of Gerontius
I see not those false spirits. Shall I see my dearest Master, when I reach His Throne?

Angel
Yes, for one moment thou shalt see
thy Lord, one moment. But thou
knowest not, my child, what thou
dost ask. That sight of the Most Fair
will gladden thee, but it will pierce thee too.

Soul of Gerontius
Thou speakest darkly, Angel! And an awe falls on me, and a fear lest I be rash.

Angel
There was a mortal, who is now
above in the mid-glory: he, when
near to die, was given communion
with the Crucified, such that the
Masters very wounds were stamped
upon his flesh, and from the agony
which thrilled through body and soul
in that embrace, learn that the flame
of the Everlasting Love doth burn ere it transform.

Choir of Angelicals
Praise to the Holiest in the height, and in the depth be praise!

Angel
Hark to those sounds! They come of
tender beings angelical, least and
most childlike of the sons of God.
Choir of Angelicals
Praise to the Holiest in the height,
And in the depth be praise!
In all His words most wonderful,
Most sure in all His ways!
To us His elder race He gave
To battle and to win,
Without the chastisement of pain,
Without the soil of sin.
The younger son He willed to be a marvel in His birth:
Spirit and flesh His parents were,
His home was heaven and earth.
The eternal blessed His child, and armed,
And sent Him hence afar,
To serve as champion in the field of elemental war.
To be His Viceroy in the world of matter, and of sense,
Upon the frontier, towards the foe, a resolute defence.

Angel
We now have passed the gate, and are within the House of Judgement.

Soul of Gerontius
The sound is like the rushing of the wind – the summer wind – among the lofty pines.

Choir of Angelicals
Glory to Him, Who evermore by truth
and justice reigns, who tears the soul
from out its case, and burns away its stains!

Angel
They sing of thy approaching agony, which thou so eagerly didst question of.

Soul of Gerontius
My soul is in my hand: I have no
fear, but hark! A grand mysterious
harmony: It floods me, like the deep
and solemn souls of many waters.

Angel
And now the threshold, as we traverse it, utters aloud its glad responsive chant.

Choir of Angelicals
Praise to the Holiest in the height,
And in the depth be praise!
In all His words most wonderful,
Most sure in all His ways!
O loving wisdom of our God!
When all was sin and shame,
A second Adam to the fight
And to the rescue came.
O wisest love! That flesh and blood
Which did in Adam fail,
Should strive afresh against the foe,
Should strive and should prevail.
And that a higher gift than grace
Should flesh and blood refine,
God’s Presence and His very Self,
And Essence all-divine.
O generous love! That He who smote
In man for man the foe,
The double agony in man
For man should undergo.
And in the garden secretly,
And on the cross on high,
Should teach His brethren and inspire to suffer and to die.

Angel
Thy judgement now is near, for we are come into the veiled presence of our God.

Soul of Gerontius
I hear the voices that I left on earth.

Angel
It is the voice of friends around thy bed,
Who say the »Subvenite« with the priest.
Hither the echoes come.
Before the Throne stands the great
Angel of the Agony, the same who
strengthened Him, what time He
knelt lone in the garden shade,
bedewed with blood. That Angel best
can plead with Him for all tormented
souls, the dying and the dead.

Angel of the Agony
Jesu! By that shuddering dread which fell on Thee,
Jesu! By that cold dismay which sickened Thee,
Jesu! By that pang of heart which thrilled in Thee,
Jesu! By that mount of sins which crippled Thee,
Jesu! By that sense of guilt which stifled Thee,
Jesu! By that innocence which girdled Thee,
Jesu! By that sanctity which reigned in Thee,
Jesu! By that Godhead which was one with Thee,
Jesu! Spare these souls which are so dear to Thee,
Souls, who in prison, calm and patient, wait for Thee!
Hasten, Lord, their hour, and bid them come to Thee,
To that glorious Home, where they shall ever gaze on Thee.

Soul of Gerontius
I go before my Judge.

Voices on Earth
Be merciful, be gracious, spare him, Lord!
Be merciful, be gracious, Lord, deliver him!

Angel
Praise to His Name!
O happy, suffering soul! For it is safe,
Consumed, yet quickened, by the glance of God.
Alleluia! Praise to His Name!

Soul of Gerontius
Take me away, and in the lowest deep
There let me be,
And there in hope the lone nightwatches keep,
Told out for me!
There, motionless and happy in my pain
Lone, not forlorn,
There will I sing my sad perpetual strain,
Until the morn,
There will I sing, and soothe my stricken breast,
Which ne’er can cease
To throb, and pine, and languish, till possest
Of its Sole Peace.
There will I sing my absent Lord and Love:
Take me away,
That sooner I may rise, and go above,
And see Him in the truth of everlasting day.
Take me away, and in the lowest deep
There let me be.

Souls in Purgatory
Lord, Thou hast been our refuge in every generation.
Before the hills were born, and the
world was, From age to age Thou art God.
Bring us not, Lord, very low. For
Thou hast said, come back again, O
Lord! How long. And be entreated for Thy servants.

Angel
Softly and gently, dearly-ransomed soul,
In my most loving arms I now enfold thee,
And o’er the penal waters, as they roll,
I poise thee, and I lower thee, and hold thee.
And carefully I dip thee in the lake,
And thou, without a sob or a resistance,
Dost through the flood thy rapid
passage take, Sinking deep, deeper,
into the dim distance.
Angels to whom the willing task is given,
Shall tend, and nurse, and lull thee, as liest,
And masses on the earth, and prayers in heaven,
Shall aid thee at the Throne of the Most Highest.
Farewell, but not for ever! Brother dear,
Be brave and patient on thy bed of sorrow!
Swiftly shall pass thy night of trial here,
And I will come and wake thee on the morrow. Farewell! Farewell!

Souls in Purgatory
Lord, Thou hast been our refuge [etc.]! Amen.

Choir of Angelicals
Praise to the Holiest [etc.]! Amen.

ERSTER TEIL

Gerontius
Jesus, Maria! Mein Tod ist nah,
Und Du, Herr, bist es, der mich ruft. Ich weiß es jetzt:
Nicht ist es mein flatternder Atem,
Mein erkaltendes Herz, Der Schatten hinter meiner Stirn,
(Jesus, sei barmherzig! Maria, bitte für mich!), Es ist diese neue
Empfindung, die ich nie zuvor hatte,
(Sei bei mir, Herr, in meiner höchsten Not!),
Die mich begreifen lässt, dass ich bald nicht mehr sein werde.
Welch fremde, innerste Empfindung,
(Der Du die Seelen liebst, großer
Gott, zu Dir schaue ich auf!),
Welch Leerwerden bis in den tiefsten
Grund, Welch Versiegen aller Kraft, die mich einst leben ließ!
Betet für mich, meine Freunde! Ein
Fremdling Pocht mit einer düsteren
Ladung an meine Tür.
Mich zu erschrecken und zu ängstigen,
Einer, der noch nie zu mir gekommen ist;
So betet für mich, meine Freunde,
Dem selbst die Kraft zum Beten fehlt.

Freunde des Gerontius
Kyrie eleison. Christe eleison, Kyrie eleison.
Heilige Maria, bitte für ihn!
Alle heiligen Engel, bittet für ihn!
Ihr Chöre der Gerechten, bittet für ihn!
Alle Apostel, alle Evangelisten, bittet für ihn!
Alle heiligen Jünger des Herrn, bittet für ihn!
Alle heiligen Unschuldigen, bittet für ihn!
Alle heiligen Märtyrer, alle heiligen Bekenner,
alle heiligen Einsiedler, alle heiligen Jungfrauen,
All’ ihr Heiligen Gottes, bittet für ihn!

Gerontius
Erhebe dich, meine ermattete Seele, sei stark!
In der kurzen Spanne der verrinnenden Tage,
Die ich noch durchschreiten muss,
Mach’ dich bereit, vor deinen Gott zu treten.
Und wenn der Sturm meiner Verwirrung für
Einen Augenblick ruht, 
Bevor mein Verfall weiter fortschreitet.
Nutze die Zeit.

Freunde des Gerontius
Sei barmherzig, sei gnädig, verschone ihn, Herr,
Sei barmherzig, sei gnädig, erlöse ihn!
Vergib ihm die einst begangenen Sünden,
Lass ab von Deinem Unmut und Zorn,
Von der Bitternis des Sterbens
Von aller Nachgiebigkeit gegenüber der Sünde,
Gegenüber dem Leugnen Gottes,
Von Selbstüberhebung und Bauen auf sich bis zuletzt.
Von tiefster Höllenqual,
Von allem Bösen
Von des Teufels Macht
Befreie Deinen Diener
Jetzt und immerdar!
Durch Deine Geburt und durch Dein Kreuz
Errette ihn vor ewiger Verdammnis!
Durch Deinen Tod und Dein Begräbnis,
Rette ihn vor dem ewigen Fall.
Durch Deine Auferstehung
Durch deine Himmelfahrt,
Durch die gnadenreiche Liebe des Heiligen Geistes
Erlöse ihn am Tag des Jüngsten Gerichts!

Gerontius
Heilige Macht, heiliger Gott,
Aus der Tiefe rufe ich zu Dir:
Erbarme Dich, mein Richter!
Erbarme Dich, o Herr!
Fest und aufrichtig glaube ich
An den dreieinigen Gott
Und an die Menschwerdung Deines Sohnes.
Ich vertraue und hoffe auf den Gekreuzigten.
Jede Sünde in Gedanken und Taten
Lass durch Seinen Tod getilgt sein!
Nimm mich auf in Deine unendliche Gnade,
In Dein ewiges Licht, Dein ewiges
Leben und Deine Herrlichkeit!
Zutiefst liebe ich Ihn, den Heiligen,
Ihn, den Mächtigen.
Heilige Macht, heiliger Gott,
Aus der Tiefe rufe ich zu Dir:
Erbarme Dich, mein Richter!
Erbarme Dich, o Herr!
Und ich verehre aus Liebe allein zu Ihm
Die Heilige Kirche, die Sein Werk ist,
Und ihre Lehre, die von Ihm kommt.
Mit Freuden nehme ich an,
Was Er mir zumisst: Schmerzen oder
Furcht; Ich bin bereit, alle Bande zu zerreißen,
Die mich ans Diesseits fesseln.
Ja, anbeten will ich
Mit und durch die Schar der Engel
Dem Schöpfer des Himmels und der Erde,
Dem Vater, Sohn und Heiligen Geist.
Heilige Macht, heiliger Gott,
Aus der Tiefe rufe ich zu Dir:
Erbarme Dich, mein Richter!
Erbarme Dich, o Herr!
Bald ist’s vollbracht. Erneut spüre ich
Den fortschreitenden Verfall. Stärker
noch als Schmerz erlebe ich dies
gebieterische Verlöschen von allem,
was mich einst zum Menschen machte.
Und – schlimmer noch –
Nun dringen in das Haus meiner Seele
Rastloser, wilder Schrecken. Und Schlimmer,
Ein leibhaftiges Bild des Bösen.
Ein böser Windhauch, eklige Verfluchungen
Sie regen ihre grässlichen Schwingen
Und verpesten die geweihte Luft,
Dass es mich schüttelt vor Grauen und Entsetzen.
O Jesus, hilf! Maria, bitte für mich!
Herr, schicke Deinen Engel, der 
auch zu Dir kam in Deiner eigenen Todespein!
Maria, bitte für mich! Joseph, bitte für mich!
Maria, bitte für mich!

Freunde des Gerontius
Rette ihn, Herr, in der Stunde seiner Not,
Wie Du schon so viele andere durch
Deine große Gnade gerettet hast:
Noah vor der Flut mit der schützenden Arche, Amen.
Hiob aus seinen vielfältigen Bedrängnissen, Amen.
Moses aus Knechtschaft und Verzweiflung, Amen.
David vor Goliath und dem Zorn Sauls! Amen.
Zeige Deine Macht, rette Deinen Diener in der Stunde seiner Not!

Gerontius
Die Lebenszeit erfüllt sich nun. Ich möchte schlafen.
Das Leid hat mich erschöpft.
In Deine Hände, o Herr, in Deine Hände…

Priester und Freunde des Gerontius
Nimm Abschied, christliche Seele!
Beginne die Reise, christliche Seele,
Hinweg aus dieser Welt! Gehe im
Namen Gottes, des allmächtigen
Vaters, der dich schuf!
Gehe im Namen Jesu Christi, unseres
Herrn, Sohn des lebendigen Gottes,
der für dich Sein Blut gab!
Gehe im Namen des Heiligen Geistes,
der über dir ausgegossen wurde!
Gehe im Namen der Engel und Erzengel,
Im Namen von Thron und Herrschaft,
Von Königtum und Macht,
Von Cherubim und Seraphim! Gehe hin!
Gehe hin im Namen von Patriarchen
und Propheten, von Aposteln und Evangelisten,
Im Namen der Märtyrer und Bekenner,
Der frommen Mönche und Eremiten
Der heiligen Jungfrauen, und aller
Heiligen in Gott, Männer wie Frauen.
Gehe deinen Weg,
Möge deine neue Wohnung der
heilige Berg Sion sein, und finde ihn in Frieden!
Durch Denselben, durch Christus, unsern Herrn.

ZWEITER TEIL

Seele des Gerontius
Ich schlief, und nun bin ich erquickt.
Es ist eine seltsame Erfrischung,
denn ich fühle in mir eine unbeschreibliche Leichtigkeit
und eine Freiheit, als hatte ich endlich zu mir selbst gefunden.
Es ist wie nie zuvor. Wie still es ist!
Ich vernehme nicht mehr den geschäftigen Lärm der Welt, weder
meinen flatternden Atem, noch meinen stockenden Puls.
Die Zeit steht still.
Der tiefste Grund meiner Seele ist
vom Alleinsein ausgefüllt. In dieser
Ruhe, so mild und süß, liegt auch ein wenig Ernst und Schmerz.
Ein neues Wunder! Es tragt mich
jemand in seiner großen schützenden Hand.
Ein gleichmäßiger und sanfter
Druck zeigt mir, dass ich mich nicht
selbst bewege, dass ich auf meinem Wege geführt werde.
Und horch! Ich höre Gesang. Doch
könnte ich nicht wirklich sagen, ob ich diese himmlische Musik höre
oder fühle. Welch herzbewegende Melodie!

Engel
Meine Arbeit ist getan, meine Aufgabe erfüllt.
Nun komme ich, die Seele heim zu geleiten.
Die Krone ist gewonnen, Alleluja, in alle Ewigkeit!
Der Vater gab dies Erdenkind von
Geburt an in meine Hut, ihm zu dienen und es zu beschützen.
Alleluja, es ist gerettet!
Es war mir anvertraut, damit ich es
auf dem schmalen Pfad zwischen
Himmel und Erde durch Trauer und
Schmerz sicher geleiten konnte. Alleluja!

Seele des Gerontius
Dies ist eines von den Himmelswesen,
Die an Gottes Thron standen, als Er
die Erde schuf vor Millionen Jahren.
Ich will es ansprechen: Mächtiges
Wesen, mein Herr, mein
beschützender Geist, sei gegrüßt!

Engel
Sei gegrüßt, mein Kind und Bruder, sei gegrüßt! Was möchtest du?

Seele des Gerontius
Ich möchte gerne mit dir sprechen
Um des Sprechens willen.
Geistige Zwiesprache
Möchte ich mit Dir halten; Verwirrend
Vieles wüsste ich gern, wenn mir
erlaubt wäre zu fragen, nicht aus Neugier.

Engel
Es gibt keinen Wunsch, den du jetzt nicht äußern dürftest.

Seele des Gerontius
Dann will ich sprechen: Immer glaubte ich,
Dass die Seele, wenn sie widerwillig
Ihre sterbliche Hülle verlässt, sofort
unter die ehrfurchtgebietende Herrschaft Gottes fällt,
Wo sie gerichtet wird und ihren Platz
zugewiesen bekommt.
Warum kann ich nicht direkt vor meinen Herrn treten?

Engel
Nichts hält dich zurück. Du wirst sogleich dem gerechten und heiligen Richter vorgeführt.

Seele des Gerontius
Lieber Engel, sage mir auch, warum
ich mich nicht mehr fürchte, vor
Ihn hinzutreten. Während meines
Erdenlebens erfüllte mich der
Gedanke an Tod und Gericht mit Schrecken.

Engel
Was damals dich erschreckte,
fürchtest du jetzt nicht mehr, weil
du die Todesangst überwunden hast.
Die Bitternis des Sterbens ist vorbei,
und deine Seele kann in Ruhe das Gericht erwarten.
Das Urteil wird dich treffen wie ein
heller Strahl. Direkt vom Richter wird
dein Los verkündet. Ruhe und Freude
werden in deiner Seele aufsteigen.
Das ist der Anfang deiner Seligkeit.

Seele des Gerontius
Nun, da die Stunde naht, ist
meine Furcht dahin. Und wenn der
Richterspruch auch ungewiss noch
ist, erwarte ich ihn doch mit ernster Freude.
Doch horch! Ich vernehme heftiges
Lärmen, das mich ängstigen würde,
wäre ich noch furchtsam.

Engel
Wir sind im Vorhof des Gerichts.
Du hörst, wie die Dämonen gierig
heulen. Hungrig und wild lauern sie
auf ihre Beute. Sie sammeln Seelen für die Hölle.
Höre ihr Schreien!

Seele des Gerontius
Welch bitteres und ungeschlachtes Missgetön!

Dämonen
Niedrig Geborene, gemacht aus Klumpen roher Erde! Sie glauben,
göttlich werden zu können durch eine neue Geburt, eine besondere
Gnade und eine Anzahl guter Taten.
Als ob irgendetwas den hohen Gedanken dnd den Feuerblick der
großen Geister ersetzen könnte – der hohen Mächte, der rechtmäßigen
Herren, der ursprünglichen Eigentümer der stolzen Wohnung des
Reiches des Lichts.
Herrische Laune und tyrannische Gewalt haben uns verstoßen und uns
unserer Macht beraubt. Und nun gibt
dieser Herrscher triumphierend die Kronen, die er uns gestohlen, denen,
die Psalmen grölen und Lobgesänge plärren;
Er gibt sie jeder Sklavenseele, den frommen Heuchlern,
den unterwürfigen Knechten, die zu seinen Füßen im Staub kriechen!

Engel
Dies rastlose Wutgeheul gehört
zu ihrer Existenz. Sie sind wie
eingesperrte Raubtiere, die grässlich
brüllend unablässig im Käfig auf und ab rennen.

Dämonen
Ein kühner, unabhängiger Geist, ein freier Wille, so sagt man, ist dort oben nicht willkommen. Wie muss ein Heiliger sein? Sein Atem muss, bevor
er stirbt, die Luft verpesten. Haha!
Ein Knochengerüst, das nur Narren noch bewundern, wenn das Leben schon vorbei ist. Haha! Tugend und
Laster, die in Wirklichkeit dasselbe sind, werden nur von Knechten unterschieden. Haha!
Der Schrecken vor dem Höllenfeuer, vor Gift und Flammen, besteht nur in der Phantasie von Feiglingen.
Haha! Reicht ihm den Preis! Soll er doch heilig sein, da er sich schlau als Knecht verdingt! Nicht aus Liebe, sondern aus niederem Triebe will er in den Himmel kommen. Haha!

Seele des Gerontius
Ich sehe die falschen Geister nicht.
Doch werde ich meinen geliebten Erlöser sehen, wenn ich mich Seinem Thron nähere?

Engel
Ja, einmal darfst du Ihn schauen, ein
einziges Mal. Doch du ahnst nicht,
was du verlangst: Der Anblick des
Höchsten wird dich entzücken, doch
zugleich durchbohren.

Seele des Gerontius
Du sprichst dunkle Worte, Engel.
Furcht befällt mich, ich hatte unziemlich dich gedrängt.

Engel
Es gab einen Menschen, der nun in der Glorie des Himmels wohnt.
Als er ans Sterben kam, empfand er eine so innige Gemeinschaft
mit dem Gekreuzigten, dass die Wundmale des Erlösers auf seinem
Leib erschienen. So lerne erkennen, dass die Flamme der ewigen Liebe,
wenn sie Körper und Seele bei ihrem Todeskampf umfangt, erst brennen muss, bevor sie uns verwandelt.
Engelschöre preist Gottes Heiligkeit in der Höhe und in der Tiefe!

Engel
Höre auf diesen Gesang! Er kommt von zarten Engelswesen, von Himmelskindern, Gotteskindern.

Engelschöre
Gelobt sei der Heiligste in der Höhe,
Und in der Tiefe sei Lobpreis
In all Seinen Worten wunderbar,
Unerschütterlich in all Seinem Tun!
Uns, Seiner älteren Gefolgschaft, die
sündenlos und frei von Schmerzen
ist, trug er auf, zu kämpfen und zu siegen.
Durch Seinen Sohn macht Er ein
Wunder wahr: Sein Ursprung war aus
Geist und Fleisch zugleich, wie Seine
Wohnung Himmel zugleich und Erde war.
Er hat die Welt erlöst. Der Ewige
segnete Seinen Sohn. Gewappnet
sandte Er Ihn zur Erde. Einen
gewaltigen Kampf musste Er ausfechten:
Damit er herrsche an Seiner Statt
In der sündigen Welt war Er der
Schutzwall gegen den bösen Feind.

Engel
Nun sind wir durch die Pforte geschritten und stehen im Inneren des Gerichts.

Gerontius
Wie sanfter Wind klingt der Engelsgesang, wie Sommerwind, der durch Föhrenwipfel streicht.

Engelschöre
Ehre sei Ihm, der ewig in Wahrheit
und Gerechtigkeit regiert, der die
Seele aus der Gefangenschaft erlöst
und die Schuld vergibt.

Engel
Sie singen von deiner nahen Prüfung,
nach der du so eifrig fragtest.

Seele des Gerontius
Ich bin bereit und fürchte mich nicht.
Doch horch! Eine geheimnisvolle
Harmonie! Sie durchflutet mich wie
der Klang des brausenden Meeres.

Engel
Nun haben wir die Schwelle überschritten. Hörst du den frohen Engelsgesang?

Engelschöre
Gelobt sei der Heiligste in der Höhe,
Und in der Tiefe sei Lobpreis:
Preist Ihn für all seine wunderbaren, allzeit gerechten Worte!
O Weisheit und Liebe unseres Herrn:
Als die Welt voll Sünde und Schuld war,
Kam ein neuer Adam,
Der die Erlösung brachte.
O holde Liebe! Dass Fleisch und Blut,
Die in Adam sündigten,
Neu gegen das Böse streiten und letzlich siegen!
Und dass eine Gabe, noch größer als Gnade,
Fleisch und Blut läutern
Gottes unverstellte Gegenwart, Sein eigenes
Selbst, Sein allgöttliches Wesen.
O großmütige Liebe! Dass Er durch
Seinen Menschensohn den Feind im
Menschen schlug, Nun die zweifache
Todesangst des Menschen
Für die Menschheit auf sich nehmen sollte.
Und in dem Garten, still,
Und hoch vom Kreuz herab,
Sollte er Seine Brüder lehren und ermutigen,
Zu leiden und zu sterben.

Engel
Dein Urteil steht bevor. Gottes geheimnisvolle Gegenwart umfängt uns.

Seele des Gerontius
Ich höre Stimmen von denen, die ich auf Erden zurückließ.

Engel
Es sind die Stimmen deiner Freunde, die mit dem Priester an
deinem Sterbelager stehen und das »Subvenite« beten.
Das Echo dringt bis hier.
Der Todesengel tritt vor Gottes
Thron, derselbe, der einst Ihn stärkte, als Er allein im Dunkel jenes
Gartens kniete, mit Blut benetzt.
Er bittet für das Heil aller gepeinigten
Seelen, aller Sterbenden und Toten.

Todesengel
Jesu! Bei der Todesfurcht, die Dich befiel,
Jesu! Bei der Qual, die Dich durchwühlte,
Jesu! Bei dem Schmerz, der Dein Herz durchbohrte,
Jesu! Bei der Sündenlast, die Du auf Dich nahmst,
Jesu! Bei der Schuld, die Dich bedrückte,
Jesu! Bei der Reinheit, die Dich umgab,
Jesu! Bei der Heiligkeit, die in Dir waltete,
Jesu! Bei der Göttlichkeit, die in Dir lebte,
Jesu! Erbarm Dich dieser teuren Seelen,
Die in Gefangenschaft geduldig Deiner harren!
Erfülle ihre Zeit und lass sie zu Dir kommen in
Dein himmlisches Reich, wo sie ewiglich Dich schauen werden.

Seele des Gerontius
Ich trete vor meinen Richter.

Irdische Stimmen
Sei barmherzig, sei gnädig;
verschone ihn, Herr!
Sei barmherzig, sei gnädig; Herr, erlöse ihn.

Engel
Lobet den Herrn!
O glückliche Seele, die gelitten hat!
Sie ist durch Gottes Anblick unversehrt und neu belebt.
Alleluja! Lobet den Herrn!

Seele des Gerontius
Nimm mich hinweg, und in der
tiefsten Tiefe berge mich!
In Hoffnung will ich dort meine
Nachtgebete verrichten, wie es mir aufgetragen wurde:
Einsam, doch froh in meinem
Schmerz, weil ich nicht verloren bin,
Will ich unablässig Buße tun bis zum Morgen;
Will singen und besänftigen mein
heimgesuchtes Herz, das noch sein
Pochen nicht beenden kann und sich
nach Seinem Frieden sehnt.
Dort will ich singend auf meinen
fernen Herrn und Seine Liebe warten.
Nimm mich hinweg, Damit ich bald
auferstehen und zu Ihm gehen
darf und Ihn in der Wahrheit und in
immerwährendem Glanze schauen kann.
Nimm mich hinweg, und in der
tiefsten Tiefe berge mich!

Seelen im Fegefeuer
Herr, Du bist unsere Zuflucht für und für.
Schon bevor Du die Welt erschaffen
hast, warst Du von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Verwirf uns nicht, o Herr! Verlass
uns nicht! Wir harren Deiner!
Erhöre Deine Diener!

Engel
Sanft und zärtlich, du teure erlöste Seele,
Werde ich dich in meine liebenden
Arme schließen und zu den Wassern
tragen, die dich läutern werden.
Ich führe dich, ich lasse dich hinab, ich halte dich,
Und treusorgend tauche ich dich in
die Fluten. Du wirst vertrauensvoll und klaglos
Durch die stillen Wasser gleiten
Und tief und tiefer sinken in eine dunkle Ferne.
Die Engel, denen diese Aufgabe
anvertraut wurde, Werden dich
hegen und pflegen, während du liegst;
Und Messen auf Erden und Fürbitte im Himmel
Werden dir helfen am Thron des Allerhöchstenhelfen.
Lebe wohl, lieber Bruder, doch nicht auf ewig.
Warte in Geduld, denn bald wird die Nacht deiner Prüfung zu Ende sein.
Dann kehre ich zurück und wecke dich am Morgen. Lebe wohl! Lebe wohl!

Seelen im Fegefeuer
Herr, Du bist unsere Zuflucht für und für [etc.]! Amen.

Engelschöre
Preist Gottes Heiligkeit in der Höhe [etc.]! Amen.

Deutsche Textversion: Manfred Ehrhorn

  • Andrew Manze, einer der vielseitigsten Dirigenten seiner Generation, verbindet profundes Repertoirewissen mit Energie und Herzlichkeit. Von 2014 bis 2023 war er Chefdirigent der NDR Radiophilharmonie Hannover, seit 2018 ist er Erster Gastdirigent des Royal Liverpool Philharmonic Orchestra und seit September 2024 Erster Gastdirigent des Scottish Chamber Orchestra. Nach vielbeachteten Debüts beim Toronto Symphony Orchestra, beim Philharmonia Orchestra und beim Orchestre Symphonique de Montréal in der Saison 2024/25, kehrt er in der aktuellen Spielzeit zum Gewandhausorchester Leipzig, zum Finnish Radio Symphony Orchestra und zum Radio Filharmonisch Orkest zurück. Mit dem WDR Sinfonieorchester geht er auf Europatournee mit Isabelle Faust, und gastiert u. a. im Wiener Musikverein und in der Isarphilharmonie. Während seiner Zeit in Hannover führten ihn erfolgreiche Tourneen nach China (2016, 2019) und Japan (2022). Mit der NDR Radiophilharmonie entstanden preisgekrönte Einspielungen für Pentatone mit Werken von Mendelssohn und Mozart; die erste Aufnahme der Mendelssohn- Reihe erhielt den Preis der Deutschen Schallplattenkritik. Mit dem Royal Liverpool Philharmonic Orchestra nahm er sämtliche Symphonien von Ralph Vaughan Williams für Onyx Classics auf – ein von der Kritik gefeierter Zyklus. Als Gastdirigent pflegt Andrew Manze enge Beziehungen zu führenden Orchestern wie dem Royal Concertgebouworkest, den Münchner Philharmonikern, dem Royal Stockholm Philharmonic Orchestra, den Bamberger Symphonikern, dem Mozarteum Orchester Salzburg, dem Chamber Orchestra of Europe und der Dresdner Philharmonie. In Nordamerika dirigierte er u. a. das Boston Symphony Orchestra, das New York Philharmonic und das Los Angeles Philharmonic und ist regelmäßiger Gast beim Mostly Mozart Festival in New York. 2023 debütierte er an der Bayerischen Staatsoper mit Purcells »Dido und Aeneas« und Schönbergs »Erwartung«. Nach einem Studium der Klassischen Philologie in Cambridge studierte Andrew Manze Violine und avancierte zu einem führenden Spezialisten für historische Aufführungspraxis. 1996 wurde er stellvertretender Direktor der Academy of Ancient Music, von 2003 bis 2007 war er künstlerischer Leiter des English Concert. Seine zahlreichen, vielfach ausgezeichneten Aufnahmen als Violinist dokumentieren eine außergewöhnliche stilistische Bandbreite. Andrew Manze ist Fellow der Royal Academy of Music, Gastprofessor in Oslo und wirkte an Neuausgaben von Sonaten und Konzerten von Bach und Mozart (Bärenreiter, Breitkopf & Härtel) mit. Darüber hinaus unterrichtet er, schreibt über Musik, ist als Musikredakteur tätig und tritt regelmäßig in Radio und Fernsehen auf. Im November 2011 wurde er in Stockholm mit dem renommierten »Rolf-Schock-Preis« ausgezeichnet.

     

    Stand: Februar 2026

    credit Benjamin Ealovega
  • Die schottische Mezzosopranistin Beth Taylor war 2023 Finalistin des »BBC Cardiff Singer of the World«-Wettbewerbs. Sie gastiert bei renommierten Orchestern und an den großen Opernhäusern in Frankreich, der Schweiz und Deutschland und trat bei den Festspielen in Salzburg, Aix-en-Provence und Glyndebourne auf, bei den BBC Proms, im Concertgebouw Amsterdam, im Teatro Real in Madrid und der Philharmonie de Paris. In der letzten Saison debütierte sie in der Carnegie Hall mit dem English Concert (Cornelia in Händels »Giulio Cesare«) und bei den LA Philharmonic in Mahlers Symphonie Nr. 2 unter Gustavo Dudamel. Im Sommer 2025 kehrte sie als Solistin in Mahlers 3. Symphonie mit dem BBC National Orchestra of Wales unter Ryan Bancroft zu den BBC Proms zurück und sang Edward Elgars »Sea Pictures« mit dem London Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Edward Gardner. Auf CD ist sie u. a. mit Pygmalion (Mozart, Bach) und Il Pomo d’Oro zu hören. Ihr Debüt-Recital-Album »The Deeps have Music« mit dem Pianisten Hamish Brown erschien Anfang 2026 bei Linn Records.

     

    Stand: Februar 2026

  • Der britische Tenor David Butt Philip zählt zu den spannendsten Stimmen seiner Generation und ist regelmäßig auf den führenden Opern- und Konzertbühnen der Welt zu erleben. Als Absolvent des Jette Parker Young Artist Programme feierte er große Erfolge u. a. als Lohengrin an der Wiener Staatsoper, als Florestan am Royal Opera House Covent Garden sowie an der New Yorker Metropolitan Opera, als Bacchus (»Ariadne auf Naxos«) an der Bayerischen Staatsoper und in der Titelpartie in Zemlinskys »Der Zwerg« an der Deutschen Oper Berlin. In der Saison 2025/26 debütiert er als Siegmund in einer Neuinszenierung der »Walküre« an der Mailänder Scala. Auch auf dem Konzertpodium ist er international gefragt. Er sang Mahlers Achte Symphonie mit der Staatskapelle Dresden unter Christian Thielemann und Schönbergs »Gurre-Lieder« mit dem London Philharmonic Orchestra und gab sein Debüt bei den Berliner Philharmonikern in Dvořáks »Stabat Mater«. David Butt Philip studierte am Royal Northern College of Music und an der Royal Academy of Music und wurde vielfach ausgezeichnet.

     

    Stand: Februar 2026

    credit Andrew Staples
  • Der britische Sänger Andrew Foster-Williams verfolgt als einer der beeindruckendsten Antagonisten der Opernwelt eine bemerkenswerte internationale Karriere. Zuletzt stelle er mit seiner Interpretation des Don Pizarro (»Fidelio«) am Theater an der Wien und in der Philharmonie de Paris seine Fähigkeit unter Beweis, mit stimmlicher Präzision Bedrohung zu vermitteln. In dieser Saison kehrt er als Don Alfonso (»Così fan tutte«) in Phelim McDermotts Inszenierung und unter der Leitung von Dinis Sousa an die English National Opera zurück. Auch im Konzertfach hat sich Andrew Foster- Williams ein herausragendes Profil erarbeitet. Zu seinen besonderen Markenzeichen zählt die Basspartie in Elgars »The Dream of Gerontius«. Die Einspielung dieses Werks mit Paul McCreesh und dem Gabrieli Consort & Players wurde von der Kritik hochgelobt und erhielt 2024 den Gramophone Award. Weitere Engagements umfassen Auftritte mit dem Cleveland Orchestra, dem Royal Concertgebouw Orchestra und dem London Philharmonic Orchestra.

     

    Stand: Februar 2026

  • Der Philharmonische Chor München ist einer der führenden Konzertchöre Deutschlands und Partnerchor der Münchner Philharmoniker. Er wurde 1895 von Franz Kaim, dem Gründer der Münchner Philharmoniker, ins Leben gerufen. Seit 1996 wird er von Chordirektor Andreas Herrmann geleitet. Der Philharmonische Chor München musizierte u.a. unter der Leitung von Gustav Mahler, Hans Pfitzner, Herbert von Karajan, Rudolf Kempe und Mariss Jansons sowie unter dem Dirigat der Chefdirigenten Sergiu Celibidache, James Levine, Christian Thielemann, Lorin Maazel und Valery Gergiev. In der jüngeren Vergangenheit arbeiteten Dirigent*innen wie Barbara Hannigan, Oksana Lyniv, Nathalie Stutzmann, Mirga Gražinytė-Tyla, Zubin Mehta, Paavo Järvi, Robin Ticciati, Charles Dutoit, Jukka-Pekka Saraste oder Manfred Honeck mit dem Philharmonischen Chor München. Sein Repertoire erstreckt sich von barocken Oratorien über a cappella- und chorsymphonische Literatur bis hin zu konzertanten Opern und den großen Chorwerken der Gegenwart.

    In den vergangenen Jahren haben neben dem klassisch-romantischen Kernrepertoire auch Alte und Neue Musik deutlich an Bedeutung gewonnen und sind dem Chor ein Anliegen: Äußerst erfolgreich wurden dabei Werke wie Johann Sebastian Bachs »h-Moll-Messe«, sein »Weihnachtsoratorium«, Antonio Vivaldis »Gloria« oder Haydns »Schöpfung« – auch in kleineren Kammerchor-Besetzungen – unter der Leitung von Dirigenten wie Frans Brüggen, Christopher Hogwood, Thomas Hengelbrock, Ton Koopman, Andrea Marcon sowie Philippe Herreweghe gesungen. Mit Neuer Musik des 20. und 21. Jahrhunderts war der Philharmonische Chor München neben der Pflege der klassischen Moderne auch bei zahlreichen Ur- und Erstaufführungen zu hören, wie zum Beispiel bei der Münchner Erstaufführung der »Sieben Zaubersprüche« von Wolfram Buchenberg und der Uraufführung von Jan Müller-Wielands »Egmonts Freiheit oder Böhmen liegt am Meer«, einer Auftragskomposition der Münchner Philharmoniker.

    Neben dem Spektrum des gesamten Konzertchor-Repertoires ist der Chor auch ein gefragter Interpret von Opernchören und setzte die mit James Levine begonnene Tradition konzertanter Opernaufführungen auch unter den nachfolgenden Chefdirigenten der Münchner Philharmoniker fort. Neben Opern wie Richard Wagners »Parsifal« oder »Der fliegende Holländer« gehören u.a. auch Beethovens »Fidelio« sowie italienische Opernklassiker wie »Aida« oder »La Bohème« zu seinem Repertoire. Ein schönes Beispiel, wie die Liebe zur Neuen Musik und zur Oper zusammengeführt wurden, war die Aufführung der Oper »The Enchanted Wanderer« von Rodion Shchedrin in der Philharmonie im Münchner Gasteig. Interpretationen von Operetten wie »Candide« von Lenard Bernstein oder »Die Fledermaus« von Johann Strauss runden das Repertoire des Philharmonischen Chores München ab.

    Zahlreiche Radio- und TV-Übertragungen sowie Einspielungen bei allen großen Labels dokumentieren die Arbeit des Chores. In den vergangenen Jahren wurden mit dem Philharmonischen Chor München zahlreiche Bild- und Tonaufnahmen (z.B. Symphonien 2 und 8 von Gustav Mahler, Joseph Haydns Oratorium »Die Schöpfung«) beim Label »MPHIL«, dem Orchester-eigenen Label der Münchner Philharmoniker, veröffentlicht.

    Der Philharmonische Chor München ist zudem ein gefragter Gast renommierten Festivals im In- und Ausland: Zuletzt führten ihn Konzertreisen u.a. nach Frankreich (Chorégies d'Orange) und Slowenien (Ljubljana Festival).

    credit Tobias Hase

Konzertdauer: ca. 1 ¾ Stunden, keine Pause

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