Auf da Oim 2014

Der Wind pfeift. Es ist kaum spürbar, ob der Regen von oben, von der Seite oder gar von unten kommt. Die Kälte zieht sich ganz langsam, unaufhaltsam in die Glieder. Und trotzdem überall beseelte Gesichter. Wenn es der Wettergott gerade einmal nicht einrichten kann, sind alternative Ideen für Glücksmomente gefragt. Davon hatten die Kammerkonzerte „Auf da Oim“ mit den Münchner Philharmonikern auf den Frasdorfer Niederalmen in Hülle und Fülle zu bieten.

Soloflötist Michael Kofler und seine Duopartnerin Regine Kofler boten zum Auftakt in der bis auf den letzten Platz besetzten Rauchalm große Momente der Kammermusik – hoch-virtuos, dynamisch fein differenziert, lyrisch-gesanglich wie dramatisch-eindringlich ihr Vortrag von Werken von Bach, Mozart, Chopin, Ibert, Berthomieu, Fauré, Rossini und Saint-Saëns. Die Intimität der Alm schuf eine einmalige, für diese Musik prädestinierte Atmosphäre. Ausgelassene Stimmung und frenetischer Jubel für das Duo und die charmanten Werkeinführungen des bestens auf gelegten Flötisten.

Der Großteil des Publikums trat den Abstieg an, auf den verregneten Forstwegen kamen ihnen die nächsten Konzertbesucher schon entgegen.

Auf der Schmiedalm wartete mit einem philharmonischen Streichquartett um den Konzertmeister Julian Shevlin die Königsklasse der Kammermusik. Haydn – Schostakowitsch – Haydn hieß das Programm. Ein „Aha-Erlebnis“ der berühmte langsame Satz von Haydns „Kaiserquartett“, eine pure Freude, die Musiker in bestechender Form und hörbar aufeinander eingespielt zu erleben.

Große Oper dann im letzten Konzert. Das schien sich bis nach München herumgesprochen zu haben, denn zu diesem Konzert reiste eigens eine Abordnung der Freunde und Förderer der Philharmoniker nach Frasdorf, um gemeinsam den Anstieg zur Schmiedalm zu bewältigen. Dort warteten Weber, Castil-Blaze, Mozart und das philharmonische Bläsersextett auf sie. Es wurde ein Höhenflug – kaum überraschend, beweisen die Musiker dies schließlich regelmäßig auf den großen Konzertbühnen dieser Welt. Doch auch auf den kleinen Bühnen fühlen sie sich heimisch, auf den Bühnen der Frasdorfer Niederalmen allemal. Denn hier ist es fast ein Heimspiel, zumindest für den Klarinettisten Albert Osterhammer und den Hornisten Alois Schlemer, die nur einen Steinwurf entfernt von hier aufwuchsen und wohnen.

Die einmalige Atmosphäre der Alm, die lockere und doch intime Beziehung zwischen Musikern und Publikum, die musikalische Qualität, die individuelle Klasse der Künstler und nicht zuletzt die humorvolle und feinsinnige Moderation Albert Osterhammers durch das Programm fügten sich stimmig ineinander. Das Ergebnis war Almglück pur. Bitte mehr davon!