Charlotte Bray

Die junge britische Komponistin Charlotte Bray hat sich mit einer lebhaften, expressiven Tonsprache voller lyrischer Intensität als herausragendes Talent ihrer Generation eingeführt. Sie zieht Inspiration aus dem, was sie umgibt – Poesie, bildende Kunst und Natur dienen ebenso als Impuls für ihre kreative Arbeit wie menschliche Begegnungen oder politische Ereignisse.

Charlotte Bray studierte bei Mark Anthony Turnage am Royal College of Music, nachdem sie am Birmingham College of Music, wo sie zunächst als Cellistin eingeschrieben war, Kompositionsunterricht bei Joe Cutler erhalten hatte. In Meisterkursen lernte sie ihr kompositorisches Handwerk zudem unter anderem bei Oliver Knussen, Magnus Lindberg und Augusta Read-Thomas.

Inzwischen arbeitet sie mit Klangkörpern wie dem London Symphony Orchestra, dem London Philharmonic Orchestra und der Birmingham Contemporary Music Group, mit Dirigenten wie Sir Mark Elder, Oliver Knussen und Daniel Harding sowie mit Musikern wie der Sopranistin Claire Booth, dem Bariton Roderick Williams und dem Violisten Lawrence Power zusammen. Ihre Werke wurden unter anderem bei den BBC Proms und bei den Festivals von Aldeburgh, Tanglewood, Aix-en-Provence und Verbier aufgeführt.

In der Saison 2015/16 brachte das BBC Symphony Orchestra gleich zwei neue Werke zur Uraufführung: Stone Dancer für Orchester unter der Leitung von Oliver Knussen beim Aldeburgh Festival, und Falling in the Fire für Cello und Orchester unter der Leitung von Sakari Oramo und mit Guy Johnston als Solist bei den BBC Proms. Falling in the Fire ist ihr erstes politisch motiviertes Werk, das seinen Ausgangspunkt in der Bombardierung und Zerstörung der antiken Tempel im syrischen Palmyra hat. Dabei war es der Komponistin wichtig, nicht eine moralische Anklage zu orchestrieren oder plakative Kriegsbilder in Musik zu setzen, sondern ihre persönliche Reaktion in ihrer eigenen Tonsprache auszudrücken.

At the Speed of Stillness wurde für die World New Music Days in Vancouver ausgewählt und erlebt im November 2017 seine kanadische Erstaufführung mit dem Vancouver Symphony Orchestra unter dessen Chefdirigent Bramwell Tovey. Im Mai 2018 wird die London Sinfonietta ein neues Ensemblewerk und Ralf Ehlers und Lucas Fels vom Arditti Quartet ein neues Duo für Viola und Violoncello uraufführen. Im Juli folgt ein neues Stück für Tabea Zimmermann, das vom Festival d’Aix-en-Provence in Auftrag gegeben wurde.

Charlotte Bray wurde mit zahlreichen Stipendien und Auszeichnungen geehrt und gefördert. Unter anderem erhielt den Royal Philharmonic Society Composition Prize (2010), den Lili Boulanger Memorial Fund Prize und den Critics’ Circle Award (beides 2014). Als Composer-in-Residence war sie bei der Birmingham Contemporary Music Group, beim Oxford Lieder Festival, beim Hatfield House Chamber Music Festival, in der MacDowell Colony, am Liguria Study Centre und bei Aldeburgh Music zu Gast. Im Wintersemester 2016/17 unterrichtet sie als Gastprofessorin an der Escola Superior de Musica de Catalunya in Barcelona. Eine Debüt-CD mit Musik von Charlotte Bray erschien 2014 unter dem Titel At the Speed of Stillness bei NMC records.

 

Stand: September 2018