Dietlinde Turban Maazel

credit T. J. Kirkpatrick

Dietlinde Turban Maazel machte mit neunzehn Jahren als Gretchen in Michael Degens Faust-Inszenierung am Residenztheater auf sich aufmerksam und spielte in der Folge die grossen Rollen des jungen klassischen Faches: Stella, Luise, Minna, Desdemona (Bad Hersfeld-Preis 1982 für beste Darstellerin), Euridice in Ponnelles Monteverdi-Film Orfeo, Hauptrollen in Anouilh, Giraudoux, Rattigan und Gerhart Hauptmann (unter der Regie von Rudolf Noelte), zudem viele Fernsehrollen, die sie zum Publikumsliebling machten. 1983 wurde sie mit dem Bambi als Fernsehdarstellerin des Jahres ausgezeichnet. Ihre Film-und Theaterkarriere verlegte sich auf die internationale Szene: Aloysia Weber in der französischen Serie Mozart, Rachel im amerikanischen Film Bloodline, in Schamonis Schloss Königswald und in der internationalen Koproduktion Mussolini and I (Ich und der Duce) an der Seite von Antony Hopkins.

Dietlinde wuchs in München auf und studierte neben dem Besuch des Luisengymnasiums Violine, Gesang und klassischen Tanz an der Ballettakademie. Ihre Schauspielstudien inkludieren Meisterkurse mit Peter Brook, Lee Strasberg und am T.Schreiber Studio, New York. 1986 heiratete Dietlinde den Dirigenten Lorin Maazel und widmete sich überwiegend den gemeinsamen drei Kindern sowie der Leitung einer Privatschule in Virginia in Anlehnung an die Ideen Rudolf Steiners. Nach Gründung der Châteauville Foundation leitet sie seit 20 Jahren ein Privattheater, in dem sie Produktionen der verschiedensten Gattungen bietet.

Ihre besondere Liebe gilt der Verbindung von Poesie und Musik in speziell von ihr entwickelten Programmen, mit denen sie in Europa wie in den USA in Verbindung mit vielfältigen Ensembles auftritt. In New York premierte sie 2004 ihr erstes Ein-Frauen-Stück Constantly Risking Absurdity, welches sie auch zur Einweihung des Schlosses Ahrenberg in Salzburg aufführte. Im Sommer 2013 spielte sie „Elle“ in Cocteau’s Ein-Frauen-Stueck Die geliebte Stimme.

Dietlinde trat als Erzählerin mit vielen namhaften Orchestern auf: das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (in sieben alljaehrlichen Live-TV Konzerten zum Ostermontag), Washington National Symphony, Pittsburg Symphony und New York Philharmonic. Under dem Label Naxos nahm sie zahlreiche Audio-Buecher auf (u.a. Hans Christian Andersens Märchen).

Zusammen mit ihrem Mann, dem Dirigenten Lorin Maazel, gründete Dietlinde 2009 auf ihrem Landgut in Virginia das Castleton Festival, eine Kombination von Musikfestspiel und Sommerakademie für junge Künstler. Nach dem Tod von Maestro Maazel 2014 übernahm sie die Leitung des Festivals.

Dietlinde lebt in New York, ist als Regisseuse tätig, hat eine Professur für Schauspiel an der Rutgers University und hält Kurse für Liedinterpretation und Darstellung (International Vocal Arts Institute, Highland Opera Studios) in den USA und Kanada.