Gustav Mahler

credit Moritz Nahr

Militärmusik und Trompetensignale, Naturlaut und Kuhglocken, Trauermarsch und Holzhammer - kaum eine Musik oder ein Instrument hat Gustav Mahler (geboren am 7. Juli 1860 in Kalischt, Böhmen) in seinen Sinfonien ausgelassen. Darüber hinaus hat Mahler die Gattung Sinfonie auch dadurch erweitert, dass er in sie collageartig vokale Gattungen wie das Orchesterlied oder das Oratorium integrierte. Dies trug ihm den Vorwurf des Eklektizismus ebenso ein wie es eine ungeheure Erweiterung des Ausdrucks förderte.

Mahler, der am Wiener Konservatorium bei Robert Fuchs, Julius Epstein und Anton Bruckner studiert hatte, war zu Lebzeiten vor allem als Dirigent und Operndirektor weithin berühmt. Seine Laufbahn als Dirigent begann in Bad Hall und führte ihn über Laibach, Ölmütz, Kassel und Prag zunächst nach Leipzig, wo er 1886 als zweiter Kapellmeister neben Arthur Nikisch engagiert wurde. Bereits zwei Jahre später wurde Mahler zum Direktor der kgl. Ungarischen Oper in Budapest berufen, 1891 bis 1897 wirkte er als erster Kapellmeister am Hamburger Stadttheater. Bis dahin waren die ersten drei Sinfonien Mahlers von Arthur Nikisch, Felix von Weingartner und dem Komponisten selbst aufgeführt worden - die zweite mit mäßigem Erfolg, die erste und dritte konnten nur einen Teil des Publikums überzeugen: "Es war sehr starker Beifall, aber ebenso starke Opposition. Zischen und Applaudieren!", so beschreibt Mahler die Publikumsreaktion nach der Aufführung dreier Sätze seiner dritten Sinfonie am 9.3.1897 im Berliner Opernhaus unter der Leitung von Weingartner. Nachdem er im Mai 1897 erstmals an der Wiener Hofoper dirigiert hatte, wurde er schließlich im Oktober des gleichen Jahres von Kaiser Franz Joseph I. als deren Direktor eingesetzt. In dieser Zeit reformierte er das Opernhaus durch personelle Umbesetzungen, Neugestaltung der Spielpläne, innovative Bühnengestaltungen, vor allem aber durch - in zusätzlicher Probenarbeit stattfindende - Schulung des dramatischen Ausdrucks der Sänger und Chöre, durch die er eine gesteigerte dramatische Intensität der Aufführungen zu erreichen suchte. In diesen Jahren konnte er auch seinen Weltruf als Dirigent festigen und vermehrt Erfolge bei Publikum und Kritik mit Aufführungen seiner eigenen Kompositionen erringen. Nach seiner Demission von der Wiener Hofoper übernahm er in seinen vier letzten Lebensjahren noch zwei Spielzeiten an der Metropolitan Opera in New York sowie die Leitung des New York Philharmonic Orchestra.

Die Münchner Philharmoniker dirigierte Gustav Mahler in den Jahren 1901 und 1910 bei den Uraufführungen seiner 4. und 8. Symphonie. Im November 1911 gelangte mit dem damals noch "Konzertvereins-Orchester" genenannten Ensemble unter Bruno Walters Leitung Mahlers "Das Lied von der Erde" zur Uraufführung.

Nachdem die Werke des aus einer jüdischen Familie stammenden Mahler in der Zeit des nationalsozialistischen Regimes aus den Spielplänen der Orchester verbannt waren, haben sie spätestens seit den sechziger Jahren - hervorzuheben ist Leonard Bernsteins Verdienst um die Aufführung Mahlerscher Werke mit den Wiener Philharmonikern - einen festen Platz in den Konzertprogrammen der führenden Orchester.

Inhaltlich kreisen Mahlers Werke, die philosophischen Ideen verpflichtet sind, um die Themenkreise von Liebe und Tod, Vergänglichkeit und die ewige Wiederkehr des Gleichen. In ihrem musikalischen wie inhaltlichen Anspruch gehören Mahlers Sinfonien zu den gewichtigsten Beiträgen dieser Gattung im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert.

Am 21. Februar 1911 dirigierte Mahler – bereits krank – in New York sein letztes Konzert. Zunächst wurde eine Grippe vermutet, doch die Krankheit erwies sich als eine bakterielle Herzkrankheit. Mahler starb am 18. Mai 1911 in Wien und wurde auf dem Grinzinger Friedhof in einem Ehrengrab beigesetzt.