Die Münchner Philharmoniker in China

In der Saison 2017/18 waren die Münchner Philharmoniker für sechs Konzerte in China zu Gast und eröffnete dort mit seinem Chefdirigenten Valery Gergiev den neuen spektakulären Konzertsaal in der chinesischen Metropole Nanjing. Weitere Stationen in China waren Xi'an, Tianjin und die Hauptstadt Beijing.

credit Slawomir Grenda


Erster Halt der Reise ist Nanjing. Die Anreise in die Millionen-Metropole ist recht lang, nach dem elf-stündigen Direktflug München - Schanghai steht noch eine Busfahrt von fünf Stunden an. Erschöpft erreicht das Orchester Nanjing. Die ersten beiden Konzerte der Tournee durch China finden im nagelneuen Konzertsaal statt, im Jiansu Center for the Performing Arts. Ein riesiger Komplex mit insgesamt vier Sälen für Oper, Theater, Konzert und Kammerkonzert. Äußerlich wirkt es wie ein Ufo, innen klingt der Saal klingt schon recht gut. Man merkt aber doch, dass der Saal noch eingespielt und justiert werden muss. Besonders bemerkenswert: Der Saal wurde gebaut, obwohl dort gar kein eigenes Orchester gibt. Das Publikum scheint auch entsprechend inspiriert nach der Aufführung von Bruckners 3. Sinfonie - solche monumentale Musik wurde in dieser Stadt sicherlich noch nicht häufig gespielt. Das zweite Programm mit Tschaikowskys 6. Sinfonie und dem 4. Klavierkonzert Rachmaninows hat es beim Publikum dagegen deutlich leichter.

Nach Dauer-Nieselregen und Smog in Nanjing folgt Smog in der 8-Millionen-Stadt Xi'an, unserem nächsten Ort. Auch hier ein recht neuer Konzertsaal, für chinesische Verhältnisse eher klein, mit "nur" 1.500 Plätzen. Bemerkenswert hier: Eine vollständige neu entstandene Altstadt. Nächster Stopp ist Tianjin, 13 Millionen Menschen wohnen hier. Herrlich - endlich blauer Himmel und klare Sicht. Die Nähe zum Ozean macht es möglich.

Wenn über das chinesische Konzertpublikum vor 10 Jahren gesprochen wird, ist zumeist die Rede davon, dass es während der Aufführung laut spricht, telefoniert oder gar isst und trinkt. Davon kann keine Rede mehr sein, vom Verhalten ist nahezu kein Unterschied zum europäischen Publikum festzustellen.

Ausnahmen, die diese Regel bestätigen, begegnen wir in Tianjin: lautstarke Diskussionen und Platzverteidigungen während des 3. Satzes des Klavierkonzertes von Rachmaninow und ein schreiendes Kleinkind im zweiten Teil, das an Lautstärke nur von seinen Eltern übertroffen wurde, die es zur Ruhe bringen wollten und dabei an ihre nervlichen Grenzen gerieten. Das Konzert wird dessen ungeachtet extrem begeistert vom Publikum aufgenommen.

Weiter geht es nun mit dem Bus in die nur 150 km entfernte Hauptstadt Peking. Hier stehen wieder zwei Programme im überwältigen NCPA - dem National Center for Performing Arts, gleich gegenüber der Verbotenen Stadt, auf dem Programm. Und große Überraschung: Häufig ist die Luftverschmutzung so groß, dass nahezu nichts von der Stadt zu erkennen ist. Bei unserer Ankunft aber strahlend blauer Himmel. Beste Bedingungen also für unser erstes Konzert, dass livegestreamt bei Medici weltweit zu verfolgen ist - in einem der bestklingenden Konzertsäle der Welt.