"Chant funèbre" (Totenlied)

Lange galt der "Chant funèbre" von Igor Strawinsky als verschollen. Vor einigen Jahren tauchte er in den Archiven des Petersburger Musikkonservatoriums wieder auf. 107 Jahre nach seiner Entstehung erlebte das Werk 2016 seine erste Aufführung, dirigiert am 2. Dezember 2016 von Valery Gergiev im Mariinsky Theater Sankt Petersburg. Strawinsky schrieb "Chant funèbre" ("Totenlied") im Alter von 26 Jahren als Beitrag zum Totengedenken für seinen verehrten Lehrer Rimski-Korsakow. Uraufgeführt wurde das Werk am 17. Januar 1909 beim ersten russischen Sinfoniekonzert zum Gedenken Rimski-Korsakows im großen Saal des Konservatoriums. Das zwölfminütige Werk für Sinfonieorchester geriet umgehend in Vergessenheit, denn die Partitur ging während der Revolution in Russland verloren. Der Komponist zeigte noch in späteren Jahren großes Interesse an dem Stück – so schrieb er in "Memories and Commentaries": "Die Orchesterstimmen sollten sich noch in irgendeiner der Sankt Petersburger Orchesterbibliotheken vorfinden; ich wünschte mir, dass irgend jemand in Leningrad einmal danach suchte, denn ich wäre selbst neugierig zu sehen, was ich unmittelbar vor dem Feuervogel komponiert habe."

Beim Umzug des Lagerbestandes der Musikabteilung des Nationalen Rimski-Korsakow-Konservatoriums Sankt Petersburg im Frühjahr 2015 wurde ein vollständiger, nicht katalogisierter Orchesterstimmensatz des "Chant funèbre" in einem Hinterzimmer des Archives identifiziert; jahrzehntelang waren Manuskripte dort durch die schiere Menge der davorliegenden Noten unzugänglich gemacht worden.