"Friede auf Erden" für Chor a cappella op. 13

Schönbergs meist aufgeführtes Chorwerk steht noch ganz im Bann der Spätromantik. Sein ungewöhnlich dichter, auf Transparenz verzichtender Satz versucht das Pathos von Conrad Ferdinand Meyers Textvorlage atmosphärisch einzufangen, an manchen Stellen sogar zu überbieten. Aus dem Monumentalen der Gesamtanlage und der extremen Spannweite der Intervallstruktur resultieren notgedrungen Intonationsprobleme und Probleme der exakten Stimmführung, weshalb Schönberg "ad libitum" eine Instrumentalbegleitung anbietet, die dem Chor das freie Intonieren erleichtern soll. Bemerkenswert ist die zeitliche Nachbarschaft von "Friede auf Erden" und zwei anderen, wesentlich avancierteren Werken Schönbergs, dem 2. Streichquartett in fis-Moll und den 15 Klavierliedern nach Stefan Georges "Buch der hängenden Gärten". Was in "Friede auf Erden" noch nicht erkennbar ist: Mit dem Quartett und den Liedern beginnt Schönbergs unbeirrbarer Weg in Richtung Atonalität.