Konzert für Violine und Orchester e-Moll op. 64

Erste Hinweise auf die Entstehungsgeschichte des e-Moll-Violinkonzertes von Felix Mendelssohn-Bartholdy gehen auf das Jahr 1838 zurück. In einem Brief vom 30. Juli schrieb der Komponist an seinen Geiger-Freund Ferdinand David: "Ich möchte Dir wohl auch ein Violinkonzert machen für nächsten Winter; eines in e-Moll steckt mir im Kopfe, dessn Anfang mir keine Ruhe lässt." Dieses Versprechen konnte Mendelssohn allerdings nicht halten, erst sechs Jahre später vollendete er die Partitur. Dabei ist mit Sicherheit davon auszugehen, dass David auf die Gestaltung des Soloparts Einfluss genommen hat. Mendelssohn rückte mit dem Violinkonzert in mehrfacher Hinsicht von gängigen Konventionen ab. So verzichtete er im ersten Satz auf die typische Orchestereinleitung, stattdessen setzt der Solist schon in den ersten Takten mit dem Hauptthema ein. Des weiteren erklingt die große Solokadenz bereits in der Mitte und nicht erst am Schluss des Kopfsatzes. Ebenso ungewöhnlich für das damalige Konzertpublikum war der Verzicht auf Satzpausen, die einzelen Sätze gehen unmittelbar ineinander über.

Bereits ein Jahr nach der Uraufführung mit dem Solisten Ferdinand David nahm der damals erst 16-jährige Geiger Joseph Joachim Werk in sein Repertoire auf. Dieser gehörte neben David und Pablo de Sarasate im 19. Jahrhundert zu den prominentesten Vertretern seines Faches und wurde sowohl von Mendelssohn als auch später von Brahms ebenso bewundert wie gefördert.