Konzert für Violine und Orchester Nr. 1 a-Moll op. 77

Beide Violinkonzerte Schostakowitschs sind dem russischen Meistergeiger David Oistrach gewidmet, der dem Komponisten freundschaftlich verbunden war und ihn, den Pianisten, bei der Ausgestaltung der beiden Soloparte beriet. Konnte Schostakowitsch sein 2. Violinkonzert in relativer (künstlerischer) Freiheit komponieren, so stand das 1948 fertiggestellte 1. Konzert mit seiner formalen Logik und seinen hochkomplexen harmonischen und thematischen Strukturen diametral zur Kulturdoktrin der Stalin-Zeit und wurde vom Komponisten deshalb bewusst zurück gehalten. Es hätte schon deshalb zur Entstehungszeit keine Chance gehabt, weil es - besonders im Mittelteil des Scherzos - den "Elf jüdischen Volksliedern" op. 79 nahe steht: In diesem Satz, in dem Schostakowitsch auch sein musikalisches Monogram D - Es - C - H verwendet, bemerkte schon Oistrach etwas "Böses, Dämonenhaftes, Stechendes" - tatsächlich schlägt er ins bösartig Lärmende um. Die Grundstimmung des Konzerts ist allerdings - wie so oft bei Schostakowitsch - im Kopfsatz vorgegeben, einer höchst introvertierten, tief melancholisch um einen einzigen Gedanken kreisenden Nocturne.