Konzert für Violine und Orchester Nr. 1 g-Moll op. 26

"Das Concert fängt an, eine fabelhafte Carriere zu machen" vermerkte Max Bruch bereits 1868 kurz nach der Uraufführung seines ersten Violinkonzerts, das er zwischen 1864 und 1867 komponiert und dem Geiger Joseph Joachim, der ihm immer wieder mit Rat und Tat zur Seite stand, zugeeignet hatte. Einige Jahre später war aus dem großen Erfolg des Konzerts schon fast ein Fluch geworden, denn bereits damals drohte dieses eine Werk das gesamte übrige Schaffen Bruchs zu überdecken. Bruch selbst klagte bald: "Ich kann dies Concert nicht mehr hören, habe ich vielleicht bloß dies eine Concert geschrieben?" Bis heute erfreut sich Bruchs erstes Violinkonzert größter Popularität - zu Recht, bietet es doch großen Geigern alles, was deren musikantisches Herz erfreut: einen balladesken und rhapsodischen ersten Satz, der alle Ausdrucksbereiche zwischen Lyrik und Leidenschaft auslotet, ein verinnerlichtes kantables Adagio von betörender Süße, das bis in die 1960er Jahre in keinem Wunschkonzert klassischer Musik fehlte, und ein virtuos auftrumpfendes feuriges Finale im ungarischen Ton.