Konzert für Violoncello und Orchester e-Moll op. 85

Im Juni 1919 erreichte den Verleger der Werke Edward Elgars ein Brief aus dem abgelegenen Sussex, wohin sich der 62-jährige Komponist zur Regeneration nach einer Mandeloperation zurückgezogen hatte. In diesem Brief teilte Elgar mit: "Ich bin schrecklich geschäftig und habe nahezu ein Konzert für Violoncello vollendet - ein wirklich großes Werk und ich glaube gut und lebhaft." Die missratene Uraufführung am 27. Oktober in der Londoner Queens Hall mit dem Cellisten Felix Salmond und Elgar am Dirigentenpult schien allerdings Elgars eigene Einschätzung zunächst nicht zu bestätigen. Um den klanglichen Beschränkungen des Violoncellos Rechnung zu tragen, das allzu leicht vom großen Orchester zugedeckt werden kann, hatte Elgar - ähnlich übrigens wie Peter Tschaikowsky in seinen Rokoko-Variationen für Violoncello und Orchester - eine sparsame und zurückhaltende Instrumentierung verwendet. Zudem ist der Charakter des Werkes eher introvertiert und melancholisch und passte damit in keiner Weise zu den Erwartungen des Publikums, das sich von Elgar ein brillantes und effektvolles Werk erhofft hatte. Bald jedoch wurden die vermeintlichen Schwächen des Konzerts als seine besonderen Stärken und Qualitäten erkannt, und das Werk erklomm in der Popularitätsskala seinen wohlverdienten Platz neben Antonín Dvoraks Cellokonzert.