Streichquartett Nr. 1 g-Moll

In den frühen Arbeiten von Ralph Vaughan Williams spielte, wie bei vielen Komponisten jener Generation, die Auseinandersetzung mit der Volksmusik seiner Heimat eine zentrale Rolle. Sein 1. Streichquartett in g-Moll entstand kurz nach einem dreimonatigen Studienaufenthalt bei Maurice Ravel, wo sich der junge Komponist vor allem mit Fragen der Orchestrierung beschäftigt hatte. Spuren der Musik Debussys und Ravels finden sich überall in diesem Werk, etwa Ganztonleitern und spezielle Instrumentaleffekte, doch den typischen impressionistischen Klang übernahm Vaughan Williams nicht. Der Kopfsatz des Quartetts beginnt mit einem weit geschwungenen Thema in der Bratsche. Es folgt ein ruhigerer zweiter Themenkomplex, bevor das Material in der Durchführung einer Reihe von Transformationen unterworfen wird. Die sich anschließende Reprise weist gegenüber der Exposition eine Reihe von Einschüben und Unregelmäßigkeiten auf. Der zweite Satz ist ein Menuett (mit integriertem Trio), durch das immer wieder Spuren britischer Folklore geistern. Die an dritter Stelle stehende zarte »Romance« entfaltet ihre größte Intensität im zentralen Mittelteil. Den Abschluss bildet ein launiges »Rondo Capriccioso«, das von fesselnden rhythmischen Mustern vorwärts getrieben wird.