Symphonie Nr. 1 g-Moll op. 13 "Winterträume"

Kurz nach Antritt seiner nicht unangefochtenen Stellung als Professor für Musiktheorie am Moskauer Konservatorium begann sich der 26-jährige ehemalige Jura-Student Tschaikowsky mit der Konzeption einer (ersten) Sinfonie zu beschäftigen. Das noch unfertige Werk zeigte er unvorsichtigerweise seinen Kollegen in St. Petersburg, von denen sich insbesondere Anton Rubinstein mit Änderungsvorschlägen hervortat. Obwohl der Komponist sich zähneknirschend beugte, weil er sich eine baldige Uraufführung in St. Petersburg erhoffte, führte Rubinstein dann doch nur die beiden Mittelsätze auf. Antons Bruder Nikolaj war um vieles konzilianter: er führte 1868 in Moskau des jungen, schüchternen Kollegen Sinfonie-Erstling zum allseits akklamierten Erfolg. Doch wie immer, wenn Tschaikowsky kritisiert wurde, litt er jahrelang an den dadurch ausgelösten Selbstzweifeln: Noch sechs Jahre nach der Uraufführung legte er Hand an seine 1. Sinfonie und ließ sie erst drucken, als er vollends mit ihr zufrieden war.