Symphonie Nr. 4 c-Moll D 417 "Tragische"

Ob Schubert seine 4. Symphonie, die er im April 1816 beendete, jemals gehört hat, ist fraglich. Wie seine anderen Symphonien, einschließlich der 6., wurde sie von der Kritik lange Zeit zu den "Jugendsymphonien" gezählt, denen noch keine ausgeprägte Individualität, sondern vielmehr die Abhängigkeit von Haydn, Mozart und Beethoven anzumerken sei. Sicherlich weist die 4. Symphonie, die Schubert später selbst als "Tragische" bezeichnete und die in der Beethoven-Tonart par excellence - c-Moll - steht, viele Züge auf, die die Auseinandersetzung mit den drei großen Symphonikern belegen, doch verrät sie ebenso an zahlreichen Stellen, besonders was ihren Ausdruckscharakter und ihre Harmonik betrifft, bereits die typisch Schubertsche Tonsprache der späteren Symphonien. So findet sich in der c-moll-Symphonie beides: kraftvolle Rhythmik und dynamische Kontraste im Stile Beethovens sowie ein harmonischer Ideenreichtum und ein besonders in den langsamen Passagen verinnerlichter Tonfall, der unverkennbar zu Schubert gehört.