Symphonie Nr. 7 h-Moll D 759 "Unvollendete"

"Meine Erzeugnisse sind durch den Verstand für Musik und durch meinen Schmerz vorhanden...". Diese Tagebuchnotiz Schuberts vom März 1824 trifft in besonderem Maße den Charakter seiner 7. Symphonie. Das typisch romantische Leiden an der Welt, das Empfinden der Unzulänglichkeit und des Bruchstückhaften allen Daseins fand seine Entsprechung in einer Symphonie, die unvollendet blieb. Ob Schubert absichtlich nur zwei Sätze zu Ende brachte, bleibt bis heute ein Rätsel - doch gehört das Torsohafte, das Fragmentarische zu einer der stilistischen Entdeckungen der Romantik schlechthin. Die Ambivalenz von Freude und Leid, die Doppelbödigkeit jedes Gefühls, durchzieht quasi leitmotivisch diese Symphonie in der "Schmerzenstonart" h-Moll und zeigt sich in allen Parametern. Abrupte Brüche, harmonische Stimmungsumschwünge, eine ziellos schwebende, nicht enden wollende Melodik und metrische Uneindeutigkeit schaffen eine Atmosphäre des Lyrisch-Poetischen, aber auch geheimnisvoll Düster-Unsicheren. Mit dieser Symphonie ließ Schubert die Klassik und das hochverehrte Vorbild Beethoven weit hinter sich und fand zu einer neuen, kühnen Tonsprache, die in vielem bereits Gustav Mahlers Symphonik ankündigt.