Symphonie Nr. 8 c-Moll

Anlässlich der Uraufführung von Bruckners 8. Symphonie schrieb der Wiener Musikkritiker Eduard Hanslick: "Es ist nicht unmöglich, dass diesem traumverwirrten Katzenjammer die Zukunft gehört - eine Zukunft, die wir nicht darum beneiden." In Hanslicks Äußerung schwingt beides mit: Ausdruck der Ablehnung von Bruckners Werk und Resignation angesichts des Erfolgs, den Bruckner mit dieser Symphonie letztendlich doch errang. Immer wieder der Verständnislosigkeit und Bösartigkeit der Kritiker der Hanslick-Brahms-Partei, aber auch den scheinbar gut gemeinten Verbesserungsvorschlägen seiner Freunde ausgeliefert, arbeitete Bruckner ständig geduldig an Überarbeitungen seiner Symphonien. So zog sich auch die endgültige Version der 8. Symphonie über sechs Jahre hin - erst 1892 fand unter Hans Richter in Wien die Uraufführung statt, nachdem sich Dirigenten wie Hermann Levi und Felix Weingartner nicht zu einer Aufführung durchringen konnten. In der 8. Symphonie erreicht Bruckners Schaffen seinen Höhepunkt: Die Synthese von Tradition und Progressivität. In den Veränderungen, die Bruckner von der Erstfassung von 1887 bis hin zur endgültigen Fassung vornahm, zeigt sich sein Ringen um Struktur und Form, Klangbild und Instrumentation. Neu ist bei dieser Symphonie vor allem die Harmonik: Tonalität wird hier nicht mehr eindeutig greifbar. Bruckner beschrieb seinen neuen Stil selbst: "Wenn ich mir in meinen Arbeiten hie und da einige kühne harmonische Rückungen erlaube, so kehre ich doch immer wieder zur Grundtonart zurück, verliere dieselbe nie ganz aus dem Auge, ich komme mir dabei vor wie ein Bergsteiger, der sich, couragiert aufwärts dringend, eine etwas freiere Aussicht verschaffen will, dabei aber doch in derselben Gegend bleibt."