Symphonie Nr. 9 d-Moll op. 125

Mit ihrer humanitären Botschaft "alle Menschen werden Brüder" aus Schillers "Ode an die Freude" ist Beethovens zwischen 1822 und 1824 entstandene 9. Symphonie ein Werk, das besonders häufig bei repräsentativen und öffentlichen Anlässen wie Staatsfeierlichkeiten oder auch zur Feier des Jahreswechsels aufgeführt wird. Doch hinter der populären Eingängigkeit, die das simple, diatonische Freudenmotiv des letzten Satzes vermittelt, steht ein äußerst komplexes Kunstwerk, um dessen Gestalt Beethoven lange gerungen hat. So entstand die 9. Symphonie nicht aus einem Guss, sondern setzte sich aus mehreren Projekten zusammen: bereits 1812 existierten Pläne zu einer d-Moll-Symphonie sowie einer Vertonung von Schillers Ode, ab 1815 erwog Beethoven eine h-Moll-Symphonie und ab 1817/18 sind erste Überlegungen zum Einbezug eines Chores in eine Symphonie belegbar. Dieser Einbezug des vokalen Elements wirkte sich auf die Gesamtkonzeption der Symphonie aus: Das Problem der Anbindung des vokalen Schlusssatzes löste Beethoven schließlich durch mannigfaltige motivische Rückbezüge auf die vorangegangenen Sätze und ein Rezitativ, das die Bedeutung von Schillers Ode explizit vergegenwärtigt. Das Neue an dieser Symphonie, die das kompositorische Schaffen von Wagner, Bruckner und Mahler wesentlich beeinflusste, ist weniger ihre Vergrößerung der symphonischen Dimensionen, als ihre Idee der "Vielfalt in der Einheit", die sich im alles Vorherige synthetisierenden Finale manifestiert. Damit werden Schillers am Ende erklingenden Worte "Seid umschlungen Millionen" zum Symbol der kompositionstechnischen wie philosophischen Grundidee des Werkes.