Trio für Horn, Violine und Klavier Es-Dur op. 40

Warum Johannes Brahms im Mai 1865 in Baden-Baden ausgerechnet ein Trio für Violine, Waldhorn und Klavier komponierte, ist bis heute ungeklärt. Die Besetzung war bis dahin nicht existent, und erst 1982 hat György Ligeti ihr ein Schwesterwerk mit dem Titel "Hommage à Brahms" an die Seite gestellt. Nun ist zwar überliefert, dass sich Brahms in vielfältiger Weise durch befreundete Musiker inspirieren ließ, Werke für ungewöhnliche Besetzungen zu komponieren - etwa seine Kammermusikwerke mit Klarinette oder das Doppelkonzert für Violine, Violoncello und Orchester, um nur die prominentesten Beispiele zu nennen. Beim Horntrio jedoch gibt es keinen Hinweis auf einen Zusammenhang dieser Art. Nun ist die Besetzung aber in der Tat zu ungewöhnlich, als dass es wahrscheinlich wäre, dass Brahms sie ohne jede äußere Anregung gewählt hätte. Und so vermutet die einschlägige Brahms-Forschung, das Werk verdanke seine Entstehung einem zunächst außermusikalischen biographischen Anlaß: Im Februar 1865 war in Hamburg die Mutter von Johannes Brahms verstorben und dies, so die Biographen, habe den 32-jährigen Komponisten, der wechselweise in Wien und Baden-Baden lebte, sofern er nicht auf Konzertreisen war, an das erste Lieblingsinstrument seiner Kindheit und Jugend erinnert: das Waldhorn. Und sekundierend springen sogleich die Musikwissenschaftler bei, die konstatieren, dass, einmalig im Werk Johannes Brahms´, der Kopfsatz ein ruhiges Andante sei, das mit seiner Reihungsform von der üblichen Sonatenform abweiche, weil das Sonatenprinzip der Durchführung von Themen sich nicht mit der Darstellung von Klage und melancholischer Ruhe verbinden ließe. Das folgende Scherzo, so die Exegeten weiter, verleihe der räumlichen Entfernung des jungen Komponisten von seiner Mutter Ausdruck, indem im Trio das Volkslied "Es zogen drei Burschen wohl über den Rhein" intoniert werde. Das Adagio mesto in es-moll schließlich sei der Trauergesang auf die Mutter, der sich zum Ende hin zu einem Lamento intensiviere. Das Finale endlich mit seiner heiteren Jagdhornthematik überwände die Trauer, gleichwohl sie mit dem Anklang an den Choral "Wer nur den lieben Gott lässt walten" in versöhnlicherer Weise nochmals aufklänge. Es sind also eine Reihe von auffälligen Einmaligkeiten, die dem Werk ein besondere Bedeutung zukommen lassen. Ob sich das Werk allerdings in der musikalischen Auseinandersetzung mit einer biographischen Situation des Komponisten erschöpft oder ob diese biographischen Ereignisse lediglich Auslöser für ein kompositorisches Denken in eine bestimmte Richtung waren, sei dahingestellt. Zumindest in Clara Schumanns Bericht über die Uraufführung fehlt jeder Hinweis auf einen biographischen Kontext, und das ist insofern erstaunlich, als Johannes Brahms wohl mit kaum einem anderen Menschen einen engeren geistigen und menschlichen Austausch gepflegt hat. So berichtet Clara Schumann über die Uraufführung durch Johannes Brahms, den Geiger Friedrich Hegar und den Hornisten Gläss, bei der das Werk keine günstige Aufnahme fand, lediglich folgendes: "Die Leute verstanden dieses wahrhaft kühne und äußerst interessante Werk nicht, und dies obwohl der Kopfsatz zum Beispiel sehr reich an einnehmenden Melodien ist, und der Schlußsatz vor Leben strotzt. Auch das Adagio ist wunderschön, doch ist es in der Tat schwer verständlich, wenn man es zum ersten Mal hört." Brahms legte aus klanglichen Gründen großen Wert darauf, dass das Trio mit Waldhorn, also dem Naturhorn ohne Ventilen, und nicht mit dem modernen Ventilhorn, das er verächtlich als "Blechbratsche" bezeichnete, aufgeführt wird. Gleichwohl wird das Trio heute zumeist mit diesem Horn aufgeführt; oder man bedient sich einer Fassung, die 1884 durch den Bratscher Leonhard Wolff initiiert wurde, bei der das Horn durch eine Bratsche ersetzt wird, eine Praxis, die durchaus auch die Zustimmung des Komponisten fand: "Brahms war freudig überrascht über den schönen neuen Klang; wir mußten es gleich wiederholen und spielten es dann noch zweimal auf seinen Wunsch [...] Es machte ihm sichtlich große Freude."

Konzerttermine mit Trio für Horn, Violine und Klavier Es-Dur op. 40