"Variationen über ein Rokoko-Thema" für Violoncello und Orchester op. 33

Tschaikowsky widmete seine „Variationen über ein Rokoko-Thema“ dem deutschen Cellisten Wilhelm Fitzenhagen, einem Schüler Theodor Müllers und Friedrich Grützmachers, der wie Tschaikowsky Professor am Moskauer Konservatorium war; möglicherweise war er sogar der Auftraggeber des Konzerts. Fitzenhagen, der auch selbst komponierte, besaß großes künstlerisches Renommee; außerdem stand er im Ruf, einer der besten Lehrer seiner Zeit zu sein. Als Künstler wie als Pädagoge war er eine wichtige Persönlichkeit des Moskauer Musiklebens. Da Tschaikowsky wenig Erfahrung mit der Spieltechnik des Violoncellos hatte, ließ er sich von Fitzenhagen hinsichtlich der Gestaltung des Soloparts beraten; außerdem gestand er ihm zu, die Cellostimme nach eigenem Gutdünken abzuändern. Der „Kollege“ nahm sich in der Folge große Freiheiten heraus – nicht nur bei der eigenen Cellostimme, sondern auch bei der Gesamtkonzeption des Stücks, indem er nämlich die Reihenfolge der Variationen umstellte und eine sogar wegließ: Während Tschaikowsky ursprünglich acht Variationen komponiert hatte, kommen in Fitzenhagens Bearbeitung nur sieben vor.

Der Titel „Variationen über ein Rokoko-Thema“ deutet an, dass Tschaikowsky sich in diesem Stück stilistisch an Vergangenem orientiert – an der Musik Haydns und vor allem Mozarts. Die Werke dieser beiden Komponisten waren – wie aus seinen Schriften und Kritiken hervorgeht – für Tschaikowsky der Inbegriff des Rokoko-Stils. Wilhem Fitzenhagen hatte mit Tschaikowskys Rokoko-Variationen großen Erfolg. Schon bei der Moskauer Uraufführung im November 1877 war das Werk zeitgenössischen Presseberichten zufolge außerordentlich gut angekommen. Tschaikowsky weilte zu diesem Zeitpunkt allerdings schon im Ausland, um sich an der Seite des jungen Geigers Iossif Kotek von den Schrecken seiner Kurzzeit-Ehe mit Antonina Miljukowa zu erholen.