Dass die Tondichtung »Finlandia« mit ihren eröffnenden strengen Bläser-Akkorden und der bald einsetzenden herrlich fließenden Hymne ein Stück finnische Musik¬geschichte darstellt, war bei ihrer Entstehung keineswegs ausgemacht. Als am 15. Februar 1899 durch Zar Nikolaus II. in einer Reihe von Verfügungen auch alle finnischen Zeitungen der russischen Zensur unterstellt wurden, folgten Anfang November im ganzen Land organisierte »Presse-Feiern« – offiziell zur Un¬terstützung der Pensionskasse von Journalisten, inoffiziell aber als Demonstra¬tionen für Presse- und Redefreiheit. Höhepunkt der dreitägigen Festes war am 4. November in Helsinki eine Gala im Schwedischen Theater, bei der unter an¬derem sechs Tableaus (sogenannte »lebende Bilder«) mit Musik von Jean Sibe¬lius zu sehen waren. Nur wenig später wurde aus einzelnen Sätzen eine Suite zusammengestellt, aus der sich wiederum das Finale als Tondichtung »Finlandia« verselb¬stständigte, als das Orchester der Philharmonischen Gesellschaft ein Programm für seine anstehende Europa-Tournee vorbereitete (inklusive eines Konzerts im Umfeld der Pariser Weltausstellung 1900).
– Michael Kube
Jean Sibelius gilt als der finnische Nationalkomponist, ein Ruf, den er sich vor allem durch seine Symphonische Dichtung "Finlandia" erwarb. Dieses Werk avancierte in den Zeiten der russischen Unterdrückung zur inoffiziellen finnischen Nationalhymne…