mphil Logo - zur Startseite

John Adams: »Harmonium« für Chor und Orchester

»Ein einzelner Ton, der aus einem weiten, leeren Raum erklingt und sich durch sanftes Entfalten zu einem reichen, pulsierenden Klanggewebe entwickelt«: Mit diesem schlichten musikalischen Bild begann für John Adams 1980 die Arbeit an »Harmonium«. Und tatsächlich besteht der 1. Satz des Werks aus einem gewaltigen, zehnminütigen Crescendo, das mit seinen orchestralen Farben und dem immer drängenderen Rhythmus magisch in seinen Bann zieht. Vertonte Adams hier einen Text des Shakespeare-Zeitgenossen John Donne, liegen den beiden anderen Sätzen von »Harmonium« Gedichte der amerikanischen Lyrikerin Emily Dickinson zugrunde: eine Betrachtung des Lebens sowie ein ekstatischer Schrei nach Liebe. Und diese geballte Emotionalität dürfte der Anlass für eine ästhetische Wende im Schaffen Adams' gewesen sein. Mit »Harmonium« zeigte er eindrucksvoll, dass sich die Kompositionsverfahren und Strukturen des Minimalismus durchaus dazu eignen, Gefühle musikalisch darzustellen, ja mehr noch: in menschliche Tiefen zu reichen, wie sie nur der Kunst zugänglich sind.

 

– Marcus Imbsweiler

John Adams

Komponist, Dirigent, kreativer Vordenker – John Adams nimmt in der US-amerikanischen Musikwelt eine singuläre Stellung ein. In der zeitgenössischen klassischen Musik ragen seine Werke, seien es sein symphonisches Schaffen oder seine Opern, mit ihrer…

Zu John Adams