Ein gefeierter Literat und ein bekannter Komponist, beide Anfang 30, in einer Produktion vereinigt – was soll da noch schief gehen? Nun, trotz aller Vorschlusslorbeeren fiel Alphonse Daudets »L'Arlésienne« bei der Pariser Uraufführung glatt durch. Das mochte an der Handlung, einer tragischen Liebesgeschichte aus der ländlichen Provence, ebenso liegen wie an den eingestreuten Musiknummern. Statt rührseliger Untermalung steuerte Georges Bizet kristallklare, pointierte Genrebilder bei. Vier dieser insgesamt 27 Einzelstücke stellte er zu einer Orchestersuite zusammen, und in dieser Konzertfassung hatte das Werk sofort Erfolg. Einige Jahre nach Bizets Tod ließ sein Komponistenfreund Ernest Guiraud eine zweite »Arlésienne«-Suite nach demselben Muster folgen, die allerdings stärker von der originalen Bühnenmusik abweicht als die Nr. 1. Künstlerisch überzeugend sind beide, vor allem dort, wo sie auf provenzalische Volksmusik zurückgreifen, im Prélude der Nr. 1 etwa oder in der abschließenden Farandole.
– Marcus Imbsweiler