Die 1982 geborene Japanerin Noriko Koide erschafft in ihren Kompositionen eine ganz eigene Klangwelt, die Alltagsgeräusche ebenso kennt wie herkömmliche Orchesterklänge und die sich zwischen westlicher Tradition und fernöstlicher Ästhetik bewegt. Klang und Stille sind für Koide keine Gegensätze, sondern zwei Seiten einer Medaille. Die Komponistin, die auch Mitbegründerin eines Popmusik-Duos ist, hat sich neben ihrem klassischen Kompositionsstudium intensiv mit javanischer Gamelan-Musik beschäftigt. In ihrem Orchesterstück »Swaddling Silk and Gossamer Rain«, zu deutsch etwa: »Gewickelte Seide und hauchdünner Regen« tröpfelt, rauscht und wogt es. Das Geräusch raschelnder Seide vermischt sich mit der Imitation fallender Regentropfen und traditionellen Orchesterklängen zu einer ungewöhnlichen musikalischen Szenerie: filigran, lyrisch und poetisch. Angeregt wurde Noriko Koide zu diesem 2022 entstandenen Werk durch eine Novelle der etwa gleichaltrigen japanischen Schriftstellerin Mariko Asabuki.
– Martin Demmler
Noriko KOIDE (geb. 1982, Chiba) erwarb ihren Master-Abschluss in Komposition am Tokyo College of Music (2008), am Conservatorium van Amsterdam (2011) und am Koninklijk Conservatorium Den Haag (2014) mit Stipendien der Rohm Music Foundation (2009-13),…