Eigentlich war Alexander Borodin Mediziner und als Mitglied der Komponistengruppe des sogenannten »Mächtigen Häufleins« lediglich »Teilzeitkomponist«. Tagsüber hantierte er im Labor mit organischen Verbindungen, fungierte in St. Petersburg als Leiter der seinerzeit ersten medizinischen Hochschule Russlands für Frauen und schuf doch musikalische Meisterwerke wie das symphonische Tableau »In den Steppen Zentralasiens« oder die »Polowetzer Tänze« aus der unvollendeten Oper »Fürst Igor«. Die Zweite Symphonie fiel bei der Premiere zunächst durch, die Überarbeitung zog sich in die Länge, doch am Ende entstand ein fulminantes Werk, das Borodin selbst als seine »heroische Symphonie“ bezeichnete und das voller Anspielungen an russische Volksmusik steckt. Das irrwitzig schnelle Scherzo etwa ist eine wahre Tour de force für das Orchester, das Andante ein ebenso melodiöser wie leidenschaftlicher Satz, das finale Allegro dagegen ist purer Tanz, der manch filmischen Soundtrack vorauszunehmen scheint.
– Guido Krawinkel