Alban Berg, der der Uraufführung von Mahlers 9. Symphonie 1912 durch den Dirigenten Bruno Walter beiwohnte, bezeichnete das Werk in einem Brief an seine Frau als "das herrlichste, das Mahler geschrieben hat." Mahler selbst hat die Aufführung seiner neunten Symphonie nicht mehr erlebt, er war bereits ein Jahr zuvor 50-jährig an den Folgen seiner schweren Herzkrankheit gestorben. In seinen Kompositionen hat Mahler nach eigener Aussage versucht, "mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln eine Welt [zu] bauen." In seiner neunten Symphonie kündet Mahler vom Ende dieser Welt. Der musikalische Zerfallsprozess, den diese Symphonie beschreibt, gilt als Sinnbild für den Zustand der Welt. Übrig bleiben nur Trauer oder Galgenhumor sowie zahlreiche musikalische Zitate als Realsubstrate: Partikel aus Tanz- oder Militärmusik. Doch all diese Elemente streben auseinander, lassen sich nicht mehr in einer musikalischen Sprache zusammenfügen. Der Komponist Dieter Schnebel spricht daher von Mahlers Neunten als einer "komponierten Ruine". Und Arnold Schönberg sah den Zustand der Welt in diesem Werk Mahlers so objektiv dargestellt, dass er vermutete, der Weltgeist selber habe Mahler die Feder geführt: "Fast sieht es aus, als ob es für dieses Werk noch einen verborgenen Autor gebe, der Mahler bloß als Sprachrohr benutzt hat." Und der zeitliche Rückblick auf die 1909 entstandene Symphonie weist den Komponisten als erstaunlich hellsichtigen, ja prophetischen Visionär aus, der in seinem Werk das Ende einer Epoche, wie es durch den Ersten Weltkrieg Wirklichkeit wurde, vorweggenommen hat.
Militärmusik und Trompetensignale, Naturlaut und Kuhglocken, Trauermarsch und Holzhammer - kaum eine Musik oder ein Instrument hat Gustav Mahler (geboren am 7. Juli 1860 in Kalischt, Böhmen) in seinen Sinfonien ausgelassen. Darüber hinaus hat Mahler…