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Jean-Philippe Rameau / Christoph Willibald Gluck / Jean-Féry Rebel

In der dreiteiligen Orchestersuite »Le Domaine des Dieux«, die der französische Dirigent Raphaël Pichon zusammengestellt hat, spielen daher Tanzsätze eine große Rolle. Im Mittelpunkt der Suite, die von der Unterwelt bis zum Olymp führt, steht die Musik Jean-Philippe Rameaus – doch nach der eröffnenden Ouvertüre hören wir die damals schockierenden Klänge, die Jean-Féry Rebel komponierte, um das Chaos vor der Schöpfung darzustellen. Und natürlich kann der Unterwelt nur entkommen, wer Orpheus folgt, den Christoph Willibald Gluck in »Orphée et Eurydice« so lebensecht dargestellt hat. Sein Lebensweg als Musiker und Komponist war für Rebel insofern naheliegend, als bereits sein Vater und eine ältere Schwester als Sänger und Sängerin am französischen Hof tätig waren. Sein Lehrer war kein Geringerer als Jean-Baptiste Lully, der Begründer der spezifisch französischen Gattungstradition von Oper und Ballett. Der Weg für den ausgebildeten Sänger und Geiger als Bühnenkomponist schien vorgezeichnet, aber Rebel hinterließ neben einer Oper und einigen wenigen Balletten vor allem Instrumentalmusik, darunter die wohl frühesten Violinsonaten in Frankreich. Eigentlich sollte Gluck wie sein Vater und Großvater Förster werden. Aber er vertraute seinem musikalischen Talent und entzog sich der vorbestimmten Laufbahn durch die Flucht nach Prag. Nach vielfachen Orts- und Dienstwechseln ließ er sich 1750 dauerhaft in Wien nieder.

Anders als Rameau rückte Gluck schon früh das Musiktheater in den Mittelpunkt seines Schaffens und gab bereits im Alter von 27 Jahren sein Debüt als Opernkomponist. Gluck huldigte zunächst wie seine Zeitgenossen diesem starren Modell mit im Grunde austauschbaren Formteilen wie Arien, Tänzen oder Opernsymphonien. Als eines der bedeutendsten Werke dieser Opernreform gilt Glucks Vertonung der antiken Orpheus-Sage »Orfeo ed Euridice«.

Rameau war vor allem Opern- und Ballettkomponist mit insgesamt mehr als 30 Werken – allerdings ein Spätzünder auf diesem Gattungsfeld, denn seinen ersten großen Erfolg auf der Bühne erlebte er erst als 50-Jähriger. Zuvor war der ausgebildete Organist vor allem mit Werken für Cembalo sowie als Musiktheoretiker an die Öffentlichkeit getreten. Seine 1722 erschienene Schrift »Traité de l’harmonie« (Traktat über die Harmonik) begründete die moderne tonale Harmonielehre. Während die ernsten Opern Rameaus aufgrund der ungewohnten Neuheiten zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen konservativ orientierten und modern ausgerichteten Teilen des Publikums führten, wurden die insgesamt gesehen satztechnisch und harmonisch einfacher gehaltenen Ballette nahezu einhellig begeistert aufgenommen.

 

– Peter Jost