Aufgewachsen mit Pop- und Rockmusik, studierte Jennifer Higdon zunächst Flöte, im Anschluss Komposition bei renommierten Lehrern wie David Loeb und George Crumb. Zu Beginn ihres Studiums hatte sie nach eigenem Bekunden »keinerlei Ahnung von Musiktheorie, ich wusste nicht, wie man einen Akkord benennt, was Intervalle sind – und Klavier spielen konnte ich auch nicht«. Trotz dieser Startschwierigkeiten legte sie ihr Diplom am Curtis Institute of Music ab, sattelte später an der University of Pennsylvania noch eine Promotion drauf und wurde in der Folge selbst als Dozentin für Komposition ans Curtis Institute berufen. Higdons künstlerische Karriere nahm seit der Jahrtausendwende Fahrt auf. Die Zahl ihrer Orchesterwerke hat mittlerweile die 50 erreicht, darunter Solokonzerte für Geige, Bratsche, Klavier, aber auch für Schlagzeug, Harfe und sogar Mandoline. Das von Hilary Hahn uraufgeführte Violin Concerto wurde 2010 mit dem renommierten Pulitzer Prize ausgezeichnet, zudem ist Higdon dreifache Grammy-Preisträgerin. Besondere Aufmerksamkeit genossen ihre beiden Opern: »Cold Mountain« (2015) nach dem gleichnamigen Bestseller von Charles Frazier, der auch verfilmt wurde, sowie ganz aktuell »Woman With Eyes Closed« über einen spektakulären Kunstraub. In Pittsburgh und Philadelphia war sie Residenzkünstlerin, hält mehrere Ehrendoktorwürden und zählt ein Vierteljahrhundert nach der Uraufführung von »Fanfare Ritmico« zu den meistgespielten und bekanntesten Komponist*innen der USA.
– Marcus Imbsweiler