Mussorgskij hätte keinen größeren Kontrast zwischen der (durchaus bedrückend-pessimistischen) Oper und dem Vorspiel setzen können, das als »Morgendämmerung an der Moskwa« berühmt ist. Programmatische Sonnenaufgänge kommen in der Musikgeschichte oft ziemlich plakativ daher, dieser hier ist ein Wunder an Zartheit und Poesie. Es gibt einige tonmalerische Signale, viel Lichtwirkung, aber der wahre Zauber beruht doch auf der Melodie, die offensichtlich einem Volkslied nachempfunden ist. Am Höhepunkt heißt es im Libretto: »Die Kirchenkuppeln werden von der aufgehenden Sonne beleuchtet. Es ertönt das Läuten zur Frühmesse.« Die dumpfen Schläge und seltsamen Dissonanzen lassen vielleicht schon das kommende Unheil ahnen…
Bereits als junger Offizier von der Musik fasziniert, lernte Mussorgskij zunächst das Klavierspiel. Inspiriert durch die Bekanntschaft mit Balakirew, einem Komponisten, der eine neue russische Musik proklamierte, fühlte Mussorgskij sich berufen, als…