Mit seiner einzigen Oper "Herzog Blaubarts Burg" hat der 30-jährige Bartók seinen eigenen, unverwechselbaren Kompositionsstil gefunden. Die ungewöhnliche Formkonzeption ließ ihn zu ebenso ungewöhnlichen Stilmitteln greifen: Nach Judits Eintreffen auf Blaubarts Burg beginnt mit dem Öffnen der sieben Türen ein gewaltiger Spannungsbogen. Bartók ordnet jeder der Türen einen ganz bestimmten Klang zu; die Summe der Klänge ergibt ein dichtes Beziehungsgeflecht, das jedoch nicht theoretisch bleibt, sondern höchst suggestive Klangwirkungen zeitigt. Ungarisches Kolorit durchzieht nicht nur das Parlando der Singstimmen, sondern beherrscht auch den rezitierten Prolog, den der Barde zu einer archaisierenden Melodie beginnt: Aus diesem Anfangsmotiv lässt Bartók die ganze Oper organisch sich entwickeln. Sie stellt insofern einen Wendepunkt in der Geschichte des Musiktheaters Ungarns dar, als ungarisches Gesangmelos hier nicht bloß illustrativen Zwecken dient, sondern den Kern von Bartoks Musiksprache bildet.
Béla Bartók wurde am 25. März 1881 in Nagyszentmiklós im Banat, Serbien (damals Ungarn, heute Sânnicolau Mare, Rumänien) geboren.
Neben zahlreichen anderen Kompositionen wurde er auch bekannt für seine Sammlung von Volksliedern. Béla Bartók…