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Oliver Knussen: Konzert für Violine und Orchester op. 30

Laut Hans Werner Henze agierte der englische Komponist und Dirigent Oliver Knussen (1952–2018) »wie ein mythischer Schmied, aus dessen Esse es funkelt und lodert wie Feuerwerke oder die Pechfackeln entsetzlicher 'pompes funèbres'.« Knussen schrieb sein Violinkonzert 2002 für Pinchas Zukerman. Angeregt wurde er von dem Dokumentarfilm »Man on Wire«, in welchem Philippe Petit 1974 illegal auf einem Seil in schwindelerregender Höhe über Manhattan den Weg zwischen den beiden im Rohbau vollendeten Twin Towers zurücklegt. Dieser riskante Balanceakt ist symbolisch vertont, indem die Sologeige auf demselben hohen Ton das Werk beginnt und beendet. Zugleich ist das Violinkonzert eine geheime Trauermusik auf die Katastrophe des 11. September 2001, was Knussen erst ein Jahrzehnt später enthüllte. Zwischen zwei turbulenten Ecksätzen findet sich als Herzstück des Konzerts eine innige Aria, die in ihrer neuromantischen Ausdrucksintensität zutiefst berührt und Knussens freigeistige Position zwischen Modernismus und Tradition, zwischen Wildheit und Schönheit eindrücklich unterstreicht.

 

– Christoph Schlüren

Oliver Knussen

Oliver Knussen (der Familienname ist eine Verschleifung des norwegisch-dänischen Knudsen und wird »Nuhsen« ausgesprochen) wurde 1952 in der schottischen Hafenstadt Glasgow geboren. Sein Vater war Solokontrabassist im London Symphony Orchestra und…

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