Im Ballett "Le sacre du printemps" ("Das Frühlingsopfer") bringt Igor Strawinsky seine Vision eines archaischen, heidnischen Brauches auf die Bühne: "Alte weise Männer sitzen im Kreis und schauen dem Todestanz eines jungen Mädchens zu, das geopfert werden soll, um den Gott des Frühlings günstig zu stimmen". Das Ballett, das bei seiner Uraufführung in Paris 1913 einen beispiellosen Skandal provozierte, gilt als eine der "Gründungsurkunden" der Neuen Musik: Erstmals in der Musikgeschichte dominiert eine Rhythmik von archaischer Aggressivität alle anderen musikalischen Parameter.
Igor Strawinskys Werk (geboren am 17. Juni 1882 in Oranienbaum; heute: Lomonosov) zeichnet sich durch eine große Stilvielfalt aus. Kaum eine Technik oder eine stilistische Entwicklung seiner Zeit, mit der er sich nicht auseinandergesetzt, die nicht…