Im Juli 1914, kurz vor Beginn des Ersten Weltkriegs, verbrachte Maurice Ravel seine Sommerferien wie üblich am Atlantik. Dort, in Saint-Jean-de-Luz, begann er mit der Arbeit an seiner Klaviersuite »Le Tombeau de Couperin «. Dann wurde er als Lastwagenfahrer zur französischen Armee eingezogen und diente bis zum Frühjahr 1917 an der Front. Daher konnte er die Arbeit an diesem Werk erst im Spätherbst 1917 abschließen. Mit der Widmung an François Couperin wollte Ravel nicht nur dem berühmten Cembalisten des 18. Jahrhunderts, sondern der französischen Musik ganz allgemein ein Denkmal setzen. Der Titel »Tombeau« bedeutet Grabstein, und Ravel widmete jeden der sechs Sätze einem gefallenen Kriegskameraden aus seinem Freundeskreis. Außerdem verarbeitete Ravel in diesem Zyklus auch den Tod seiner baskische Mutter, die 1917 gestorben war. Nach dem Krieg arrangierte Ravel vier der sechs Sätze der Klaviersuite für Orchester, wobei die äußerst kunstvolle Instrumentation in reizvollem Kontrast zur pseudo-barocken Musiksprache steht. Es ist ein fantasievolles und virtuoses Werk mit alten Gesellschaftstänzen aus der Zeit Couperins in modernem Gewand. Auf eine ornamentreiche Einleitung folgt eine klanggesättigte, farbenreiche Forlane. Das elegische Menuett besticht durch seine betörende Oboenmelodie, während der abschließende Springtanz, ein Rigaudon, gar nicht mehr an eine Trauermusik erinnert. »Le Tombeau de Couperin« zählt heute zu Ravels meistgespielten Werken und liegt inzwischen in einer Vielzahl von Bearbeitungen für unterschiedlichste Instrumentalensembles vor.
– Martin Demmler
Maurice Ravel wurde am 07. März 1875 in Ciboure, Basses-Pyrénées, geboren. 1897 trat Ravel in die Kompositionsklasse von Gabriel Fauré ein, daneben studierte er Kontrapunkt, Fuge und Orchestration bei André Gedalge.
Gemessen an der Zahl der…